Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1899)
- Date
- 1899-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1195 daß er all seine herrlichen Eigenschaften und Vorzüge mit ins Grab genommen, so hat auch Rabbi Israel Hildesheimer den Zauberschlüssel, der ihm die Herzen der Menschen öffnete, mit sich genommen. — Als Moscheh den Josua zu seinem Nachfolger bestellte, wurde ihm der göttliche Befehl zu Theil, einen Th e i l seiner Hoheit 71 n 2 an Josua zu übertragen. Unsere Weisen betonen das, einen Theil der Hoheit, aber nicht die ganze Hoheit, darum vergleichen sie das Antlitz Moschehs der Sonne und das Josuas dem Monde, welcher nicht im eigenen Lichte leuchtet, sondern daffelbe erst von dem Gestirne des Tages, der majestätischen Sonne empfängt. Die Alten, die Moscheh vom Beginne seiner Laufbahn kannten, empfanden nach dem Ausspruch unserer Weisen diesen Contraft am schmerzlichsten und gaben dieser Empfindung in lauten Klagen Ausdruck, die Jungen trösteten sich damit, Josua sei ja in sein hohes Amt erst eingetreten, mit der Zeit, mit den Jahren werde er seinem großen Vorgänger wohl ähnlicher werden. Auch die Lücke, die ein Rabbi Israel Hildesheimer, ein solcher Führer und Pfadweiser seines Zeitalters hinterläßt, sie wird nicht so leicht auszufüllen sein. Was der Verstorbene in einem thatenreichen Leben an Autorität und Erfahrung, an Wissen und Können gesammelt, das ging mit seinem Tode unrettbar verloren, das muß sich ein Nachfolger, und wenn er ihm auch ebenbürtig wäre, erst nach und nach mühsam erringen. Noch ehe die Lebenssonne Rabbi Jehuda Hanasi's erlosch, ging die Sonne seines Schülers Rabbi Jehuda auf, sie leuchtete noch nicht so in vollein Glanze, aber man tröstete sich im Hinblick auf die Zeit, zu welcher selbe erst ihre Mittagshöhe erreicht haben werde. Leider können wir, auch noch so ängstlich und eifrig nach Osten ausspähend, den Aufgang selbst einer kleineren Sonne nicht entdecken und daher ist unsere heutige Klage doppelt berechtigt trstrn xr '2, denn die Sonne ist untergegnngen Jetzt, da wir über dieses thatenreiche, inhaltsvolle Leben einen Ueberblick gewonnen, da wir einigermaßen den Verlust und die Einbuße, die Gesammt- Jsrael erlitten, würdigen können, stimmen wir erst recht ein in den Ruf: Wenn ein solcher Mann dem irdischen Leben entrückt wird, so ist das ein Verlust für alle seine Zeitgenoffen, für die ganze r,DJ2. Die Betrachtung des Lebens eines solchen Mannes, der als Lehrer, als Forscher und im öffentlichen Leben gleich Großes geleistet, wirkt erhebend und veredelnd auf das Gemüth, erfüllt uns mit Ehrfurcht und Bewunderung vor solcher Größe. Unzählige Keime und Anregungen zum Guten werden dadurch ausgestreut, möchten sie doch einen guten Boden finden, in weitesten Kreisen Begeisterung erwecken für die Ideale und Hochziele, denen das Leben Rabbi Israel Hildesheimer geweiht gewesen, dann wird auch sein Tod versöhnend wirken, und zum Heile Israels sein, wie es sein Leben gewesen und es wird an ihm zur Wahrheit geworden sein das Wort der Schrift; ns-ab pm 127. Das Andenken des wahrhaft Frommen wirkt fort und fort segensreich. fts«! Nach dieser voll begeisterten Schwunges und mit edlem Feuer vorgetragenen Rede, die auf die Synagoge vollständig füllenden Hörer einen sichtbar gewaltigen Eindruck machte, trug Herr Cantor Rotier andachtsvoll und mit klangvoller Stimme das ba ccm nbo vor; mit dem Mariv-Gebet schloß die erhebende Feier, welcher auch Herr Rabbiner Dr. Werner, Mitglieder der Cultusvermaltung, sowie deren 1. Vorstand Herr RechtSanwlt Dr. Ofner beigewohnt hatten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Breslau, 12. Juli. (Antisemitisches.) In einem langen Artikel der „Kreuzztg." über die Dreyfusangelegenheit lesen wir Folgendes: „Der Haß gegen das Judenthum hat Drepfus auf die Teufelsinsel gebracht und über vier Jahre dort festgehalten, die Macht und das Geld des JudenthumS hat ihm die Rückkehr ermöglicht. Die „Kreuz-Zeitung" hat nie weder die Religion noch die Rasse angegriffen. Cs ist auch gleichgiltig, ob die Juden durch die christliche Gesetzgebung vieler Jahrhunderte das geworden sind, was sie jetzt sind, — wir können uns nur an das Faktum halten, daß das Judenthum, wie es sich tnt Laufe der Geschichte^entwickelt hat, am Mark der Völker saugt, und daß es Pflicht jeder Nation ist sich aus seinenIFeffeln zu befreien. Der kräftigste Baum stirbt schließlich ab, wenn Schmarotzer- und Schlingpflanzen feine Zweige bedecken und aus dem Boden die Kraft aufsaugen, die seine Wurzeln brauchen." Also die „Kreuzztg." hat nie weder die Religion noch die Raffe angegriffen; aber sie hat dennoch das schmutzige Handwerk der Judenhetze stets und „unentwegt" betrieben, wie auch der vorstehende Erguß zum Ueberfluß wieder einmal zeigt. Was würde die „Kreuzztg." wohl dazu sagen, wenn wir behaupten wollten, daß in Preußen es das Junkerthum gewesen ist, das wie ein „Schmarotzer- und Schlingpflanzengewächs den kräftigen Baum unseres Staatswesens bedeckt" und, wie es in dem schönen Deutsch der „Kreuzztg." heißt, „aus dem Boden (so!) die Kraft aufgesogen hat?" Wir brauchten dabei nur an Geschichte des deutschen Bauernstandes zu erinnern, der bis ins 13. Jahrhundert hinein völlig frei war, bis er von dem Junkerthum Schritt für Schritt mit List und brutaler Gewalt in die Hörigkeit derart hinabgedrückt wurde, daß das klägliche Dasein, das