Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1899)
- Date
- 1899-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2449005--48682-2499085- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1196 heute noch immer die Lohngärtner und Jnstleute aus den Höfen fristen, lediglich eine Folge jener Schmarotzerthätigkeit ist. Daß diese alte Schuld ihre Sühne allmählich in der bekannten „Landflucht" findet, darin werden viele vielleicht ausgleichende Gerechtigkeit des allwaltenden Schicksals sehen, das die Sünden der Väter rächt durch die Jahrhunderte hindurch. Jedenfalls aber lägen solche B.trachtungen dem Junkerthum von heute mindestens ebenso nahe, wie die Frage, welche Sünden die Vorzeit durch Intoleranz und Fanatismus an den Juden begangen hat, Sünden, die, wenn es nach dem antisemitischen Junkerthume ginge, auch jetzt noch fortgesetzt werden sollte, vielleicht auch werden. Mainz. (Judenrein e Sommerfrischen.) Nach Angaben der „Antisemitischen Corresponvenz" ergänzen wir unsere Liste noch wie folgt: „Bansin bei Heringsdors, Brilhers Strandschloß bei Swinemünde, Insel Wilna bei Rügen, Augustusbad bei Radeberg, Liga» bei Dresden, Johanneser Curhaus bei Zellerfeld (Harz), und Peterrothafen bei Swiremünde." Weitere Ergänzungen folgen promptest. O e ste rr.- U n g a r. Monarchie. Wien. (Ein Akt des russischen Kaisers.) Eine hochintereffante Mittheilung, aus welcher hervorgeht, daß der russische Kaiser mit der antisemitischen Bewegung durchaus nicht sympathisirt, sondern gerade die Bestrebungen anerkennt, welche der Abwehr derselben gelten, wird von hier verbreitet. Der Czar hat nämlich den vom Vereine zur Abwehr des Antisemitismus, beziehungsweise von dem Präsidenten Baron Suttner herausgegebenen Kalender für Stadt und Land pro 1899 entgegengenommen und durch ein Dankschreiben den Empfang des Buches seitens der russischen Botschaft bestätigen laflen. Im Anschlüsse hieran wird uns mitgetheilt, daß auch unser geliebter Kaiser Franz Josef vor Jahren huldreichft gestattete, daß dieser gemeinnützige und trefflich geschriebene Kalender der Familienfond-Bibliothek einverleibt werde. Krakau. Vor Kurzem fand hier die Bürgermeisterwahl statt, bei welcher der bisherige Inhaber dieser Würoe, Tuchhändler Fried lein, wiedergewählt wurde. Da unsere jüdischen Gemeinderäthe, 14 an der Zahl, den Ausschlag gaben, suchte der durchgefallene Gegenkandidat Graf P oticki, der es mit den Antisemiten hält, an den Juden sein Müthchen zu kühlen, indem er bei der vorwöchentlichen Stadtrath»Sitzung durch einen Freund den Antrag stellen ließ, daß man behufs Regulirung oer Jakobsgafle, welche an den allehrwürdigen isr. Friedhof grenzt, einen Theil drffclben durchschneide. Der Cultusvorstand protestirte durch seinen berufenen Vertreter gegen diesen pietätlosen Eingriff, und die Folge war, daß der Antrag mit 26 gegen 4 Stimmen abgethan wurde. Rußland.? Petersburg. Der Generalstab hat die Verfügung erlaffen, daß die jüdischen Soldaten gleichmäßig unter alle Regimenter der ganzen Armee vertheilt werden sollen, während bisher die Regimenter sehr ungleich mit ihnen bedacht sind. Welcher Zweck mit her Neuerung verfolgt wird, ist noch nicht bekannt. — Bei den jüdischen Kolonien in und bei Nikolajeff ist in Folge der vollständigen Mißernte des Getreides eine Hungersnoth ausgebrochen. Da die lokale Mckdthätigkeit ganz außer Stande ist, durchgreifend? Hilfe zu gewähren, bat sich unter dem Vorsitz des Bürgermeisters von Nikolajeff, Herr Dezenko, ein Somit« gebildet, das eine Sammlung veranstaltet. Von den Erträgen derselben sollen die jüdischen Armen in Nikolajeff die Hälfte, in Beresnegoratoje und in Nahartow je ein Viertel erhalten. vermischtes. Algier. Wie weit es der Antisemitismus glücklich gebracht bat, möge folgendes (yadum darlbun. In Telagt). einem kleinen Städtchen mit einer nur wenige Familien zählenden südischen Gemeinde starb das Kind eineo Juden und musste in «Ermangelung eines jüdischen Begräbnißvlatzes ans dem Eommiinalsriedhofe beerdigt werden. Wenige Tage nachher haben einige Antisemiten aus der Umgebung das Grab geöffnet, den todten Körper aus dem Sarge entfernt und ihn auf ein nahes Feld geworfen. Die so fort avisirte Polizeibehörde aber bat keine Eile. die T Hüter die man im Nebligen mit ziemlicher Gewißheit kennt, — zu verfolgen. Zurückgesetzte Sommerstoffe IO Prozent extra Rabatt auf alle schon reduzirten Preise, wegen vorgerückter Muster Motabifder gratis. im Ansverkant. h Met. solid. Mestor-Zcphir z. Kid. f Mk.1.5 6 „ ,, Arabn-Somme,'Stoff ,, „ „ l.8 6 ,, ,, S iava-Sommerstoff ., ,, „ z I Ausserordentliche Gelegenheitskäufe ii modernsten Kleideru. Blousenstoffe zu extra rednzirten Preisen vers. i. einz, Metern, bei Aufträgen von 20 Mk. an franco. Oettlnf er u. Co-, Frankfurt a. M. Versundtbans. Mod. llerrenstoffe z. ganz. Anz. f. M. 3.60 Pfg. „ Chevintxtoffe.4.35 „ SSooHtni» Havzbuvg Streng rituelles Etablissement I. Ranges. Mit Genehmigung Sr. Ehrwürden Herrn Landrabbiner Dr. Rülf, unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Auerbach - Halberstadt. In fchönster Lage, ruhiges vornehmes Hans am Walde und der Promenade, 46 eleg. Salons mit 36 Balcons, große Veranda, extra gut« Verpflegung Volle Pension incl. Zimmer von 6.50 M. an. Samstags Gottesdienst. Gr-ffuuug I Mai 2751 ] Max Hecht.