Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 56 (17.7.1899)
- Date
- 1899-07-17
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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1189 Hymnen intonirt wurden. Unter den von verschiedenen Seiten ausgebrachten Toasten verdient der vom Herrn Oberst Wetzka auf das Wohl des anwesenden Oberrabbiners Herrn Schnur besonders hervorgehoben zu «erden. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Budapest, 12. Juli. (Das Leiche nbegängnißDr. Kaufmann 's.) Die Beerdigung des so plötzlich gestorbenen hiesigen Seminar-Professors hat gestern Nachmittag hier unter großer Theilnahme stattgefuuden. Zahlreiche neologe Gemeinden waren durch Deputationen vertreten, von den als Rabbiner fungirenden „Talmidim" des Verstorbenen erschienen aber blos etwa zwanzig. Trauerreden hielten: Der Pester Prediger Dr. Kohn, der Breslauer Rabbiner Dr. R o s e n t h a l (ein Schwager des Verblichenen), der Pester Seminar-Profeffoc Pr. Bacher, der Breslauer Seminar-Professor Dr. Brann, der Wiener Seminar-Professor Dr. Müller, die Rabbiner Dr. Steinhardt—Stuhlweißenburg, Dr. Klein — Groß-Berscgkerek, Dr. Büchler—Kesthely, schließlich Baurath Stiasny—Wien, Professor Go ldzie h er—Budapest und der Schwager des Verstorbenen Dr. Oppenheim—Wien. Die Leiche wurde hierauf von der Pester neologen Beerdigungsbrüderschaft in das von ihr bestimmte Ehrengrab gebettet. In Karlsbad sprachen bei der Abfahrt vom Bahnhof die Herren Rabbiner Dr. Ziegler— Karlsbad und Dr. Ziemlich —Nürnberg. Rußland.? Petersburg. Der Minister hat eine den jüdischen Lehrern sehr ungünstige Entscheidung gefällt. Danach genießen dieselben, wenn sie an jüdischen Schulen unterrichten, nicht dieselben Privilegien wie die Lehrer an allen sonstigen öffentlichen Schulen, selbst dann nicht, wenn sie alle vorgeschriebenen Examen gemacht und ihre Studien auf der Universität beendigt haben. Günstiger ist die Entscheidung des Senates in der Angelegenheit der jüdischen Wohlthätigkeitsvereine. Der Gouverneur von Cherson hat nämlich vor Kurzem die Gründung eines jüdischen UnterstntzungSvereincs in Balta verboten, der Senat aber dieses Verbot aufgehoben und den Grundsatz ausgesprochen, daß der Gründung an Vereinen zur Unterstützung armer Juden kein Hinderniß in den Weg gelegt werden dürfe. Diese Entscheidung ist deßhalb so wichtig, weil ohne diese Vereine, die in jeder nennenswerthen Gemeinde sind. Tausende armer Juden buchstäblich Hungers sterben müßten. Moskau. (Die jüdischen Arbeiter.) Man weiß, daß die russischen Gesetze die jüdischen Arbeiter, die geschickt sind, bevollmächtigt, ihr Handwerk außerhalb des Territoriums auszuüben, aber es ist nothwendig, daß sie sich in die Handwerkercorporationen des Ortes eintragen lasten, den sie bewohnen. Unr die Wirkungen dieser gesetzlichen Erlaubniß zu annulliren, gibt es keine Vorwände, die die Polizei nicht findet; sie findet eine gefällige Unterstützung in der Corporation selbst. Der Senat erläßt einen Beschluß, der einmal von neuem die Rechte der jüdischen Arbeiter ordnet. Dieser Beschluß, datirt vom 20. Juni 1898, wurde erst jüngst veröffentlicht und erklärt folgendes: 1. Die jüdischen Arbeiter können, um zu beweisen, daß sie ihr Handwerk verstehen, Zeugnisse vorzeigen, nicht nur von den Herren ihres Wohnorts, sondern von allen denen, bei denen sie gearbeitet haben, ohne Rücksicht auf den Ort. 2. Die jüdischen Kunsthandwerker, die nicht in die Listen der Corporationen eingetragen sind, können wegen Nichtbeachtung der Gesetze bestraft, aber nicht ausgetrieben werden. Diese Entscheidung des Senats ist infolge einer Eingabe getroffen worden, die der jüdische Buchdrucker L. Lewend eingereicht hatte, welcher in Nicolajest (Samara) bedienstet, in keine Körperschaft eingetragen war, obwohl er sein Handwerk seit 30 Jahren bereits ausüble. Er zeigte ein Zeuzniß vor, das er in Riga erhalten, aber man weigerte sich, etz anzuerkennen. Der Gouverneur von Samara erließ auf Verlangen der Verwaltung von Nicolajeff ein Austreibungsdekret gegen Lewend. Dieser wandte sich darauf an den Senat, dessen Entscheidung in dem obenerwähn? ten Sinne die Regeln gegen die jüdischen Arbeiter, die außerhalb des Territoriums wohnen, weniger willkürlich macht. Afrika. Pralorra. Es dürfte jeden gesetzestreuen nw freuen, zu erfahren, dast auch hier in Transvaal das wahre Judentum gute Fortschritte macht; in Johannesburg, Transvaaler London genannt, wo man die Zahl der Israeliten auf einige Tausende schätzt, wird sehr fleißig die heilige rroi studirt, in verschiedeneu^n2nunddurchL'-^L'.DieZahlDerjenigen, welche rffitw und rsc* beobachten, hat in der letzten Zeit sehr zugenommen. Seit einem Jahr fungirt in der alten Synagoge als Rabb. und Prediger Rev. Dr. Hertz, ein Schüler des orth. Rabbinerseminars in New-?)ork, welcher sehr eifrig zur Verbesterung der hiesigen religiösen Verhältnis beiträgt. Hier in Prätoria, welche die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Transvaal bildet, hat durch die Mühe und das unermüdliche Streben des Herrn Rabb. Eh. L. Strunin, (nsn rn*) das wahre Judenthum auch gewonnen. Dieser Herr gründete eine "»re: .Tan,, und in seinen zahl- und sinnreichen Vorträgen ist er stets bemüht, Liebe und Achtung zum Judenthum und praktisch-religiöses Leben zu erwecken, und dieses edle Streben ist gekrönt von gutem Erfolg.