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Der Israelit · 1899-07-13 · Heft 55 (13.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 55 (13.7.1899)
Date
1899-07-13
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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1179 Brody, ein noch junger Mann, hat er verstanden, durch seine Genialität und seltenen Fleiß in wenigen Jahren von der Preßburger Jeschiba, zu deren Leuchten er zählte, zu einem Gelehrten von Ruf auf dem Gebiete der jüdischen Literaturgeschichte, namentlich der jüd. spanischen Periode — sich emporzuarbeiten. Daß auf dem Wege dorthin, seine talmudische Gelehrsamkeit keine Einbuße erlitt, davon gab Herr Dr. B., den, in Prag G. s. D. noch nicht ausgestorbenen Species der ersten mm ein kleines Pröbchen. Dem ältesten Prager Brauche, daß ein (firr, der selbstverständlich die Fähigkeit dazu besttzt, am nvor der Hochzeit sich mit einem mm *0-1 vorstellt, welcher Brauch aber seit vielen Dezennien nicht geübt wurde, und erst wieder von dem Oberrabbiner M. Hirsch, beziehungsweise seinem Schwiegersöhne Dr. H. Ehre nt r eu—München, wieder zu Ehren gebracht wurde — entsprechend, hielt Herr Dr. B. am Samstag vor seiner Hochzeit einen einständigen Vortrag über sDv nron nn», der die vollste Bewunderung der Hörer hervorrief, die versicherten einen solchen Vortrag in dieser Zeitdauer, in so logischem Aufbaue und kritischer Beleuchtung, seit der Zeit der unserer Prager Gemeinde nicht gehört zu haben. Diesem Vortrag ging ein hebr. Gedicht in Versen voraus. Die Prager Gemeinde gab aber nicht nur durch die Entsendung der gesammten Honoratioren-Welt ihrer Sympathie für den beliebten Oberrabbiner Ausdruck, sondern ehrte ihn auch in so mannigfacher Weise, daß die Erinnerung daran bei ihm und dein Brauipaare eine dauernde sein und bleiben wird. Dem festlichen Trauungsakte folgte eine gemüthliche Hochzeitstafel, zu welcher sämmtliche hervorragende Prager Corporationen und Vereine, ihre Vertreter entsendet hatten, sowie auch alle Rabbiner von Prag, wie z. B. Dr. Fischer, Dr. Grün, Dr. Hirsch u. s. w., der Schriftsteller S. Kohn, der Gemeindevorstand von Nochod, Ehrengäste aus Frankfurt a. M. und Berlin sich eingefunden haben. Lemberg. (Zur Lage der Juden in Galizien.) Die jüdischen Philantropen waren stets human gesinnt gegenüber den verfolgten und bedrückten Juden in Afrika oder in Asien, in jedem entlegenen Winkel, und bestrebten sich nach Kräften Abhilfe zu verschaffen. Nur Galizien hat auf sich das Augenmerk nicht gelenkt und wenn manchmal ja, so war es in anderem Sinne. Man wollte uns „kultiviren", „aufklären", „assimiliren",' „zu Menschen heranbilden". Diese Experimente zur Lösung der Judennoth in Galizien waren nicht von Erfolg gekrönt. Diese eingeschlagenen Wege waren die unrichtigen none dwx bans» “jüi? Das jüdische Proletariat und der Mittelstand, dem es bei Weitem noch schlechter ergeht, sie brauchen Brod und keine Kultur. In letzterer Zeit hat die Rothlage ganz andere Dimensionen angenommen. Der bittere AHschrei der jüdischen Bergbauarbeiter inBoryslaw, welche infolge der neuen Bergpolizeivorschriften, die den jüdischen Kleinproduzenten die Arbeit einstellten, mit einem Male gänzlich brodlos blieben, fmrd Wiederhall. Nun machte man sich ans Werk dem.Mischsgalizischen Elende abzuhelfen uud wir hörten im Reiche Stimmen sich dafür, erheben. Die Wiener „Union" hat eine Enquete eingerichtet, Fragebogen an Fachmänner erlaffen und viel diskutirt. Die „Bne-BrithLogen" in Prag pflegten auch Berathungen um eine HilfSaction zu errichten. Bei der Wiener „Allianz" regte es sich auch sichtlich; auch im Innern deS Landes schritt man zur Selbsthülfe. Der Verein für Kolonisation Palästinas „Ahawas Zion" in Tarnow hat sich die edle Aufgabe auferlegt, seinerseits, momentan wenigstens 50 Boryslawer Arbeiterfamilien als Kolonisten nach Palästina zu befördern und späterhin die übrigen. Die Lemberger Kultusgemeinde, mit Reichsrathsabgeordneten Dr. Byk an der Fritze, bildete ein Hilfskomitee um Geld zu sammeln für die Nothleidenden, wie auch viele Zeitungen Sammelrubriken zur Verfügung stellten. urm bip Wir hörten Stimmen von Worten, wir sahen Alles in Bewegung gesetzt und erwarteten erfolgreiche Thaten. Die Beschlüffe der „Union" und „Bne» Brith" wegen Verbreitung von Licht und Bildung entsprechen dem hungerigen Magen nicht besonders, aber der wichtigere Entschluß zur Verbesserung der sozialen Lage behufs Einrichtung von Hausinduftrieen u. dgl. ward freudig begrüßt und sehnsüchtig erwartet, denn hier thut rasche Hilfe Roth. Was geschah? Man wartet noch. Die „Wiener Allianz" ging etwas weiter, machte keine weitläufige Reklame, entsendete Vertrauensmänner nach BorySlaw, welche sich nur zu gut des Glends überzeugten und Fachmänner haben ihr Gutachten abgegeben, daß diese Juden als tüchtige Kohlenbergarbeiter verwendet werden könnten, z. B. bei den Kohlengruben der Herren v. Guttmann. Was geschah? Momentan bekamen zwar die Arbeiter Almosen für Maßzos^ auf Pesach (denn das war vor Ostern) aber wegen-ihrer Frömmigkeit, da sie den Sabbat nicht entweihen wollten, erhielten sie keine Arbeit bei den Weinkohlen ... Die Selbsthilfe, d. h. die galizische HilfSakkion, arbeitete noch rüstiger; der Tarnower Verein „Ahawas Zion" erließ Aufrufe in fämmtlichen jüdischen Zeitungen : den Boryslawern zu verhelfen, als Kolonisten nach Palästina zu übersiedln. Was geschieht? Einige jüdische Zeitungen sammelten eifrig Geld and kleinere Gemeinden Galiziens sammeln auch, dafür; man arbeitet zwar rüstig fort, aber wenn nach^ dieser großen Anstrengung die 50 Familien befördert wer-

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