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Der Israelit · 1899-07-13 · Heft 55 (13.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 55 (13.7.1899)
Date
1899-07-13
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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1178 wenn ein Gemeindrmitglied Jahrzeit hat. Im Kreis seiner Freunde und Bekannten muß sich der Jahrzeitbegehende nach zehn Mann umsehen, um so seiner religiösen Pflicht Nachkommen zu können, wobei aber der Herr Lehrer durch seine Abwesenheit glänzt. Die Verrichtung des Vorbeterdienstes als auch des LernenS für pan muß der Jahrzeithaliende, auch wenn er nicht dazu befähigt ist, selbst vornehmen. Der betr. Lehrer ist auch dann noch nicht zugegen, wenn er speziell dazu gebeten wird und beruft sich auf seine knapp zugemessene Zeit! Vielleicht ist eS anders, wenn ich s. G. w. wieder nach A. komme. Gtavtleng-feld. Nr. 24 der „Lehrerzeiiung für Thüringen und Mitteldeutschland" brachte in ihrer Bücherschau folgende Mittheilung: Die deutsche Schule in Gefahr! Unter diesen! Titel hat Herr Dr. Stille im Verlage von W. Giese, Betlin, soeben ein kleines und interessantes Schriftchen erscheinen lassen (Preis 80 Pfg.), das verdient, in den weitesten Kreisen bekannt zu werden, denn es eröffnet Eiübltcke in gewisse Vorgänge auf dem Gebiete unseres Schulwesens, von denen bisher sehr wenig in die Oeffentlichkeit, besonders außerhalb Berlins gedrungen ist, trotzdem sie im höchsten Grade geeignet sind, allgemeine-Aufmerksamkeit zu erregen: Handelt es sich doch um nichts weniger, als um die Gefährdung des deutschen Geistes unserer Schule durch dar Judenthum. Schon eine flüchtige Betrachtung dieses „interessanten" (?) Werkes belehrte uns über die Tendenz desftlbrn und veranlaßte uns zu folgender Entgegnung in Nr. 27 derselben Zeitung, dem Vereinsorgan der Weimarischen Lehrerschaft: Das in Nr. 24 dieser Zeitung erwähnte Schriftchen: „Die deutsche Schule in Gefahr!" ist weiter nichts als eine antisemitische Hetzschrift. Ich mag den Sumpf von Schimpfereien nicht betreten, in den Herr Dr. Stille durch den erregten furor teutonicus hineingerathen ist. Im ersten Abschnitt erklärt der Verfasser das Verlangen und Bestreben der Juden Preußens, daß der jüdische Religionsunterricht gleich dem der christlichen Konfession obligatorisch werde, für ein dreistes Begehren und als ein Herrschaftsgelüste! Also das, was die Pflicht einer jeden Konfession ist, und was im übrigen Deutschland schon mehr als fieben Jahrzehnte als eine staatliche Einrichtung besteht, dies auch für die Juden Preußens zu begehren, sei ein Streben nach Herrschaft, und darin liege die Gefährdung des deutschen Geistes unserer Schule durch das Judenthmn! Nun, dann hätte doch wohl der Kultusminister v. Bosse Bedenken getragen, jener Petition der Juden Preußens zu willfahren und sogar StaatSzufchüffe zum israelitischen Religionsunterricht zu gewähren. Sapienti sat! B aumgart. Bad-Herrenalb, 9. Juli. In einer der jüngsten Nummern des „Israelit" war der hiesige Badeort als eine „judenreine Sommerfrische" bezeichnet. Herr Lion, Besitzer des Hotel Lion dahier theilt uns deshalb mit, daß er am hiesigen Platze ein streng-orthodoxes Hotel und Pension eingerichtet und im vorigen Jahre ea. 5 — 600 Personen bei ihm verkehrten. Im Ganzen belief sich die Zahl der jüdischen Kurgäste auf mindestens 2000. (Wir entnahmen diese Mittheilung dem Organ des Vereins zur Abwehr des „Antisemitismus", das aber inzwischen auch widerrufen hat.) 0b. Thorn, 4. Juli. Auch in der hiesigen Synagoge fand gestern Abend anläßlich des Hinscheidens Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer in Berlin, zwischen dem nn;o und 2^7v-Gebet eine Trauerfeier statt. Eingeleitel wurde dieselbe durch Vortragen des Psalmes 15. Alsdann bestieg unser allverehrter Rabbiner Herr Dr. Rosenberg die Kanzel und hielt einen tiefdurchvachten von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden nvvn. Nachdem der Redner in kurzen markigen Zügen ein treues Lebensbild des verewigten Rabbiners entworfen, wies er auf die einleitenden Worte des am jüngsten Sabbat verlesenen Wochenabschnitt hin snsn pna p p btod. Wie DnjD, der Enkel Aharons zur Zeit als der Abfall des Volkes Israel durch Bekennen des bys •nyo überhandnahm, wo selbst ein MoseS zaghaft und muthlos daftand, mit unerschrockenem Muthe den religiös-sittlichen Bestand des Volkes gerettet, so trat auch Dr. I. Hildesheimer in Eisenstadt und Berlin, als durch den Einfluß der Reformrabbiner ganze Gemeinden der gottentstammten heiligen Lehre schnöde Treulosigkeit zeigten, mit reinem Eifer auf und verstand es kraft seiner zündenden Worte, seiner unvergleichlichen Selbstlosigkeit und vor allem durch seltene UeberzeugungStreue dem unverfälschten Judenthume neue Bahnen zu erschließen. Der "won, der fast eine Stunde währte, hat auf die zahlreiche Zuhörerschaft einen sichtlich tiefen Eindruck hervorgerufen. Zum Schlüsse trug Herr Cantor G. Chaim das übliche rom »So bu Gebet mit wohlklingender Stimme vor. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, v. Juli. Eine Gesellschaft, wie man sie selten in solcher Distinguität so zahlreich vertreten beisammen sieht, füllte am 21. v. Mts. die weiten Räume der Klaussynagoge. Es war ein seltenes Hochzeitssest, das die gesammle Gemeinde zusammenführte. Unser allverehrter und beliebter Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld vollzog die Trauung seiner ältesten Tochter mit dem in der jüdischen Gelehrtenwelt rühmltchst bekannten Dr. H e i n r i ch B r 0 d y aus Berlin, gegenwärtig Rabbiner in Nachod. Herr Dr.

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