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Der Israelit · 1899-07-13 · Heft 55 (13.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 55 (13.7.1899)
Date
1899-07-13
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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1180 den, was wird die riesige Zahl der klebrigen machen? Nun kommt die Hilfsaktion der Lemberger Kultusgemeinde, die schon darum wichtig sein sollte, weil sich dabei Männer wie Dr. Byk, Dr. v. Rappaport betheiligen. Was geschieht aber hier? Die Lemberger Knltusgemeinde kann stolz sein auf den Opferwillen ihrer Mitglieder, denn es wurden in einigen Wochen der Betrag von 3000 fl. (cirka 6000 Mark) gesammelt, auch die Redaction der „N. freien Presse" übergiebt diesem Komitee die ihr zugekommenen Spenden zugunsten der Arbeiter. Nun hat aber dieses Hilfskomitee aus Lemberg nach sonderbarer Art das Geld zu vertheilen gesucht. Es wurde ausgerechnet, jeder Arbeiterfamilie eine Summe von 30 fl. zu geben, damit sie von dort auswandern kann und sich verpflichten muß, nie und nimmermehr nach Boryslaw zurückzukehren, widrigenfalls sie von der Behörde entfernt wird. Selbstverständlich kann eine Familie mit einem Kapitale von 30 fl. nicht auswandern und sich anderswo eine Existenz verschaffen, somit liegt das Geld unverwendet, da keiner der Arbeiter sich diesem unterziehen will und kann. Also ist einstweilen fruchtlos die Arbeit aller Korporationen, und die armen Arbeiter hungern weiter. Was hier fehlt, ist die Konzentrirung der Kräfte, ein einheitliches Vorgehen. Hand in Hand sollten die Gutgewillten — und das sind sie doch alle — sich verbinden und mit vereinten Kräften fortarbeiten an der Hilfe dieser Armen. Der praktisch richtigste Weg ist allerdings die Kolonisirung in Palästina. Mittel sind auch vorhanden, denn das gesammte Judenthum kann wohl einigen Hunderten jüdischen Arbeitern aufhelfen und damit den Anfang zur Linderung des Elends in Galizien machen, leider aber fehlt der Wille an einheitlichem Vorgehen. Sprechsaal. Für diesen Theil übernimmt die Redaktion dem Leserkreis gegenüber nur die preßgeseyliche Verantwortung.) Taffed, 28. Juni. Wir erhalten folgendes „Offenes Schreiben an Herrn Wolf Heller aus Saffed." Fürwahr, wir waren intime Freunde und ich habe manche Ihrer Fehler übersehen wegen dieser Freundschaft, aber ich kann eS Ihnen unmöglich verzeihen, wenn Sie der Wahrheit in's Gesicht schlagen und dadurch Tausenden Ihrer Landsleute wenigstens schaden wollen. Eingedenk des Spruches unserer Weisen, daß die Ar muth der Menschen seiner Vernunft beraubt und ihn gegen feinen Schöpfer sündigen läßt, habe ich es Ihnen verziehen, daß Sie als Sendbote nach Europa gegangen sind für eine hiesige Gesellschaft, welche sich den Namen einer „wohltbätigen Gesellschaft" anmaßt, obwohl Sie, so gut wie ich, ganz gut wissen, welchen stutzen diese Gesellschaft unserer Gemeinde bringt, und welches das wahre Ziel ihrer Gründer ist und habe bisher geschwiegen. Aber ich kann unmöglich mehr schweigen, wenn Sie sich erdreisten, die Wahrheit ganz mit Füßen zu treten und sich erlauben die Ehre einer wirklich großartigen Stiftung unserer Stadt anzugreifen, von deren Bestand das Wohl Tausender von armen Landsleuten abhängt, nämlich davon dem Wohlthäter unserer Gemeinde, Herrn Raphael Ettlinger aus Frankfurt a. M. hier gegründete Hospital, welchem Philantropen unsere Gemeinde zu ewigem Danke verpflichtet ist. indem er Tausende von Brüdern vor einem frühzeitigen Tode und unsere Gemeinde von der Schmach befreit hat, an die Missions - Aerzte und deren Anstalten sich wenden zu müssen. Sie sagen, daß in der letzten Zeit das Hospital leer ist und Niemand die Hülfe des Hospital Arztes in Anspruch nimmt und daraus erwächst die Nothwendigkeit der Gesellschaft, für welche Sie als Sendbote herumreisen Ich will diese Ihre Unwahrheit nicht mit Warten, sondern mit Ziffern widerlegen. In der letzten Zeit, d. h. in den Monaten October, November, December lagen im Spital 28 Kranke (aber die Zahl der Gesuche um Aufnahme war eine sehr viel größere, konnte aber nicht befriedigt werden aus Mangel an Platz, da das Hospital nur 6 Betten hat.) 936 Visiten machte der Hospitals-Arzt gratis im Domieil von solchen Kranken, die nicht in die Klinik kommen konnten. 2846 Kranke wurden in der Klinik behandelt, außer einer großen nicht numerirten Zahl von Augen- und chirurgischen Krankheiten. Es wurden im Ganzen in dieser Zeit von d ei Monaten in der Apotheke des Hospitals 4868 Meoieamente verabreicht zum geringen Preise von 10 Pfennige das Rezept. Zum Schlüsse kann ich nicht umhin, diese Gelegenheit zu benutzen, um imNamen unserer Gemeinde, dem Wohlthäter unserer Stadt Herrn Raphael Ettlinger für die Gründung seiner Anstalten hier, meinen tief empfundenen Tank auszusprechen. Möge Gott diesen Philantropen tausendfach segnen für diese seine Wohlthat und möge es Herrn Ettlinger bald gelingen, die Zahl der Betten in seinem Hospital zu vermehren. S imch a S ch u[mann. MlttyellUWN aus den liiii. Ameuverelurn und für Mtftlben. (Sürnmtliche jüd. Wanderbettelvereine und Kaffen für Durchreisende find gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, zukommen zu lassen.) Vor den Bettelbriefen einer Frau Mina Aschenbrand, geb. Oppenheimer, Ehefrau von Lehrer Aschenbrand, früher Busenberg, jetzt Spiesen, wird gewarnt, da die Familie ihr regelrechtes Einkommen hatte und hat. Vorstand der israelitischen Eultusgemeinde Busenberg. Oerinischtes Berlin. (Das Testament des Schnorrers.) Tie „Verl. Ztg." schreibt. Eine eigenartige Erbschaft hatte dieser Tage die hiesige (Gemeinde gemacht. .In dem Tisch kästen des Schnorrers, der von einem reichen Glaubensgc genossen ein monatliches Almosen erhielt, fand sich nach seinem Tod folgende „letztwillige Verfügung:" „Die 80 M., die ich monatlich von Herrn Kommerzienrat!) H. zu bekam inen habe, vermache ich hiermit der jüdischen Gemeinde zur Verwendung für würdige Arme." Elbing. Anläßlich des 28jährigen Jubiläums des Bestehens der Eigarrcnfabrik von Löser und Wolf hier selbst hat der Ehef, Kommerzierath Bernhard Löser, hier eine Stiftung von 100,008 Mark zum Wähle seiner Arbeiter begründet.

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