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Der Israelit · 1899-07-13 · Heft 55 (13.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 55 (13.7.1899)
Date
1899-07-13
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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1168 dem Glanze zu sonnen, der ihren Sohn einst umgeben n>trb? Wo bleibt aber dieser Glanz, wenn Benedikt die Tochter eines Mannes heirathet, dem man das Geschäft ruinirt und nach welchem man mit Steinen geworfen hat?! Solche Argumente hatte sie unzähligemal in den Kontroversen vorgebracht, die sie mit ihrem Manne über die heikle Angelegenheit gepflogen hatte; solche Argumente ließen die eifernde Frau schließlich schlankweg mit jener Erklärung vor das Angesicht Seligmann Feist's treten. Feist selber hatte etwas Aehnliches schon längst kommen sehen. Er, der Menschenkenner, hatte eine Natur wie Jeanette Kaufmann bald durchschaut. Aus ihrem ganzen Benehmen, aus der kühlen Art, mit der sie ihm und den Ihrigen in den letzten Monaten gegenübertrat, ersah Feist bald genug, was im Grunde ihrer Seele vorging. Er war daher von ihrer Eröffnung viel weniger überrascht, als F:au Kaufmann selbst gedacht hatte. Er sagte nur, kurz und bündig: „Es ist gut, Frau Kaufmann; setzen Sie Benedikt von der Sache in Kenntniß. Ich selbst werde mit Rifka sprechen In seinem Innern aber stieg der Gedanke an eine Person auf, die er gleichsam hinter Frau Kaufmann zu sehen glaubte, der Gedanke an Wegner. So war er denn auch für diesen schweren Schlag verantwortlich. In die Zukunst seines einzigen Sohnes hatte er bereits eingegriffen mit seiner wüthenden Hetze: nun packte er auch das Schicksal seiner einzigen Tochter an. Wahrlich! Es war eine theure Freundschaft gewesen, die Freundschaft mit Robert Wegner! (Fortsetzung folgt.) Der „J-raelit" erscheint wörhentllcb zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mivdeftens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend hoher. Man adonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen '1 estellungen an. — Vrr Vurhhandel verkehrt durch V. Zf. 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M. — Feuilleton: „Liebet eure Feinde." (Fortsetzung.) Anhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Corresvondenzen: Köln. Aus Baden. Randegg. Oesterr.- Ungar. Monarchie: Krakau. Rußland: Moskau. Afrika: Johannesburg. — Feuilleton: Juda Halewi's Klagelied p'2 ’Twn N?n. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. " Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Darmstadt. Stadtlengsfeld. Bad-Herr enalb. Thorn. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Lemberg. - Sprechsaal. Mittheilungen aus den jüd. Armenvereinen und für dieselben. — Vermischtes. Verantwortliche Redactton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. zwei Beilage». Vor Feist's Hause trennte sich Benedikt von seiner Braut, nicht ohne für den Rachrnittag noch eine zweite Zusammmenkunft verabredet zu haben, und begab sich in die Wohnung seiner Eltern. Es währte nicht lange, so war Benedikt davon unterrichtet, um was es sich handelte. Kurz gesagt, seine Mutter, von der wir bereits berichtet haben, daß sie eine leidenschaftliche impulsive Natur war, hatte Seligmann Feist vor wenigen Tagen erst rundweg erklärt, daß sie das Verlöbniß ihres Sohnes mit Rifka aufzuheben wünsche. Es waren diesem Schritte im Kaufmann'schen Hause selbst trübe Zeiten und schwere Kämpfe vorangegangen. Die beiden Eheleute empfanden wohl das Unehrenhafte ihres Vorhabens, waren aber doch andererseits von der Furcht, sich mit „Bettlern" zu verschwägern, so tief ergriffen, daß sie sich nach langen Verhandlungen, in denen sie bald das eine, bald das andere Moment hervorkehrten, doch endlich zu einem entscheidenden Schritte entschloffen. Hirsch Kaufmann selbst, ein einfacher, stiller Mann, seit je gewohnt, in allen wichtigen Angelegenheiten seiner Frau die Führung zu überlasten, blieb auch hierbei im Hintergrund. Frau Jeanette übernahm die schwere Mission. Die Furcht, ihre schönsten Träume zerfließen zu sehen, die sie an ihren Einzigen geknüpft, belebte ihren Muth. Ihr Benedikt, ihr Doktor, so sagte sie sich tausendmal, dürfe doch nicht ein Mädchen heirathen, das keinen Pfennig Geld besitze. Das bischen Aussteuer! Was will das sagen V Ihr Doktor muß ein Haus führen, ein großes Haus! Er muß von Pracht und Gediegenheit umgeben sein! Sie hat sich lange genug geplagt, lange genug dieses Leben in der Tiefe genossen, um ihm ein besseres Schicksal zu gönnen! Und dann hat sie nicht ein Anrecht darauf, sich in

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