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Der Israelit · 1899-07-13 · Heft 55 (13.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 55 (13.7.1899)
Date
1899-07-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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1165 welches drei Juden mit langen Bärten, in langem Talar und Talles darstellt, die mit einem Chalis ein Mädchen abschlachten, während daneben eine Iran in einem Mctallbecken das Blut auffängt. Zu diesem Bilde wallsahrteten am 29. Juni (Feiertag) Tausende von Menschen und für Sonntag den 2. Juli war wieder eine Wallfahrt angesagt. Die ^Oesterreichisch-Jsraelitische Union" richtete sofort eine dringende Beschwerde an den Ministerpräsidenten mit der Bitte, telegraphisch die sofortige Entfernung des Bildes und die Ausforschung, sowie Bestrafung der Urheber dieses Frevels zu verfügen. Der Ministerpräsident hat dieser Bitte entsprochen und das Bild wurde Sonntag Früh vor Tagesgrauen von der Gendarmerie entfernt. Gleichzeitig hat der Verein Schritte unternommen, um die Eruirung der Thäter zu bewerkstelligen und weitere derartige Agitationen bintanzuhalten. In Polna und Umgebung wird von antisemitischer Seite eine intensive Agitation betrieben, um die Bevölkerung gegen die Juden aufzuhetzen und an einen Nitualmord glauben zu machen. Es werden massenhaft Flugschriften verbreitet, sowie Ansichtskarten mit den Bildern des ermordeten Mädchens und seiner Mutter, des Schauplatzes der That, des Geburtsortes der Ermordeten x. Auf die ländlich Bevölkerung machen diese Dinge begreisticherweise großen Eindruck und die durch so abscheuliche Mittel erzeugte Aufregung gibt zu lebhaften Besorgnissen Anlaß. § Trieft. Dem kürzlich in Görz verstorbenen Arzt D r. A n g e l o L e v i, der als Menschenfreund und Wohlthäter der Armen bekannt war, widmet jetzt der dortige katholische Priester Dr. Luigi de P a v i s s i a h einen Nekrolog in Form einer Broschüre, in der er dar Leben und Wirken dieses Philantropen schildert. Der ehwürdige Priester sagt in seinem Nachrufe, er glaube gar nichts Unrechtes dabei zu begehen, wenn er als katholischer Seelsorger einem Juden eine solche Ehre erweist, „da der Verstorbene doch denselben Gott anbetete, den ich anbete und da auch ich Moses, Aron, Samuel, die Propheten und Patriarchen so verehre, gleich wie es der Verstorbene that. Daher finde ich nichts Ungerechtes in meinem Vorgehen." Frankreich.? Paris. Von verschiedenen Seiten laufen jetzt Beschwerden bei der Polizei ein, daß ruhige Passanten von antisemitischen Krakehlern belästigt werden, noch häufiger sind freilich die Fälle, in denen die jüdischen Geschäfte durch Plakate bezeichnet werden, so daß die Besitzer von der durch und durch antisemitischen Gesellschaft gemieden werden und in ihrem Erwerbe Schaden erleiden. In einzelnen seltenen Fällen werden die Attentäter bekannt und bestraft, meist bleiben sie straflos. Die Antisemiten bemühen sich offenbar die Praxis von Algier auch hierher zu übertragen, doch können wir hoffen, daß ihnen die Polizei unter dem neuen Präfekten Lepine den Spaß verderben wird. Vorläufig ist es in Paris doch nicht wie in Algier möglich, die jüdischeu Geschäfte öffentlich zu denunziren und die Kunden, die in denselben kaufen, gesellschaftlich zu boykottiren, oder sie gar mit Gewalt vom Eintritt in die Läden abzuhalten, wie dies in Algier noch immer vorkommt. Uebrigens werden auch dort die Verhältnisse sich allmählich bessern, wenn die Juden selbst die neue Praxis befolgen in jedem juristisch greifbaren Fall zu klagen und die Gerichte anzurufen. Neuerdings find Max RegiS und Lasstte in drei Prozeffen verurtheilt worden und haben außer kleinen Gefängnißstrafen und den Kosten noch Geldbußen auferlegt erhalten, die zusammen mehrere Tausend Francs ausmachen. Konsequent fortgesetzt werden diese Prozesse die Antisemiten bald zwingen eine gelindere Tonart anzuschlagen. Italien. 8 Florenz, 7. Juli. Seitdem Dr. Margulies das hiesige Rabbinat angetreten hat, fängt auch in Italien das jüdische Bewußtsein neu aufzuleben an und auch dem Talmudstudium, das bisher sehr vernachlässigt wurde, beginnt man nunmehr Beachtung zu schenken. Zum Talmudstudium benöthigt man aber auch Talmudlehrer und diese sind leider in Italien nur in weniger Anzahl vorhanden. eirs' Dr. MargulieS hat daher seine Absicht kundgegeben, den durch den neulich erfolgten Tod des Rabbiners Racah erledigt gewordenen Lehrstuhl für den Talmud und seine Exegeten an der hiesigen Rabbinerschule durch einen deutschen Talmudisten zu besetzen und findet sein Vorhaben hier allgemeinen Beifall. Zwar hat ein jüvisch-italienisches Blatt schon Einsprache gegen dieses Vorhaben unseres Oberrabbiners erhoben, aber Dr. MargulieS ist nicht der Mann, der sich so leicht ins Bockshorn jagen läßt, und so dürfen wir hoffen, daß schon mit Beginn des neuen Schuljahres ein tüchtiger deutscher Talmudist an unserer Rabbinerschule lehren und wirken wird. Derselbe darf auf einen freundlichen und ehrenvollen Empfang in Italien rechnen. Rußland. Petersburg. (Aufent Halts re cht.) Das letzte Jahr erhielt Herr Simon Wiazewski, der Sohn eines Kaufmanns 1. Gilde den Befehl, St. Petersburg zu verlassen, und man schrieb ihm auf seinen Paß, daß er genöthigt sei, das Territorium ausschließlich zu bewohnen. Der Senat hat hierüber folgende Bestimmungen getroffen: 1. Was das anbetrifft, daß nach dem genauen

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