Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 55 (13.7.1899)
- Date
- 1899-07-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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1168 geblich zu diesem Ziele führender Schritte ist verderblicher Wahn."*) Israel, das Volk, das allen zivilisirten Nationen das große Geschenk der zehn Gebote gebracht hat, auf deren Grundlage die Völker sich entwickeln und immer höher in ihrer Cultur steigen konnten, Israel, das vom S nai herab die Verbote des Mordes, Diebstahls, Falscheids u. s. w. empfangen, das ist das Volk der Gerechtigkeit par excellence. Was ist daher das Nächste, wenn es sich aus allen Enden der Welt wieder zu einem Volke versammelt hat? Die Einsetzung von Richtern und Rathen „In der Zerstreuung fehlt dem jüdischen Volke diese richtende und berathende Oberleitung, und seine weithin versprengten Theile sind von der jüdischen Wahrheit und dem jüdischen Heile abführenden Einwirkungen ausgesetzt, unter deren Einfluß sich Zustände bilden, die die jüdische Brust mit Kummer und Seufzen füllen und vor Goltes Richterstuhl nicht bestehen."**) Daher: ''21 unseit? n:w. „Setze wieder ein unsere Richter, wie vormals und unsere Räthe, wie ehedem u. s. w." Aber wenn Gott auch noch so große Wunder an uns vollbringen wird, wenn er uns stark und kräftig und klug, sündenfrei und gerecht machen wird, wir verlangen nicht von Ihm, daß er unserethalben die Naturgesetze verändere, wie er es in jenen uralten Zeiten gethan, Greise, Schwache, Gerechte und Fromme, deren Hand nicht geübt ist im Kampf, wir verlangen nicht, daß sie plötzlich wieder jung und kompfessähig werden, für diese bitten wir Gott, daß^ er sich erbarmen solle, wenn einst die Stunde unserer Befreiung schlagen wird "21 cpnan 8j?. Sind erst alle unsere Wünsche erfüllt, d. h. haben wir uns selbst mit unserem Sein und Wollen des göttlichen Wohlgefallens nicht unwürdig erwiesen, dann erst bitten wir den Herrn "21 „Kehre zurück nach Jerusalem". p’at ’tax „Nur die um den Untergang des geistigen Heiligthums Trauernden sind auch die wirklichen, würdigen ’bsx, die um den Untergang des nationalen Gemeinwesens trauern, das um Zion als seinen Mittelpunkt aufblühen, und in welchem das in Zion niedergelegte Gottesgesetz seine Verwirklichung finden soll." Wir sehen, daß bevor der Gesalbte des Herrn erscheinen kann, eine Reihe vorr anderen Bedingungen erfüllt sein muß, dann erst lautet die allerletzte Bitte nach dem dauernden Träger der Staatsleitung: nes rx. Wird man uns von zionistischer Seite wieder die Zeit Esra's entgegenhalten, so brauchen wir nur *) Samson Raphael Husch, Israels Gebete, Frankfurt a. M. 1895. Unseres Wissens hat bis jetzt noch Niemand auf düse markante antizionistische Stellungnahme des genialen Religionsphilosophen aufmerksam gemacht. '*) ibid. aufßdas Achtzehngebet hinzuweisen. Ehe die in diesem Gebete ausgesprochenen Voraussetzungen erfüllt sind, kann von einer Erlösung im Sinne des wahren Judenthums nicht die Rede sein, dann aber rmnm D’erro pvb mögen unsere Augen schauen da Du zurückkehrst nach Zion mit Erbarmen und in dieser felsenfesten Zuversicht preisen wir schon heute den Ewigen pwb iruw ‘inner», der zurückbringt seine Majestät nach Zion. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Karlsruhe, 10. Juli. Unter großer Betheiligung wurde gestern ein Mann zu Grabe getragen, der vor 52 Jahren durch seine Energie und Entschlossenheit bei dem Hoftheaterbrande 36 Menschen das Leben gerettet hatte. Es war dies Moritz Reutlinger, der im Alter von 81 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben ist. Er gehörte zu den Gründern der Feuerwehr, die kurz nach der furchtbaren Feuerkatastrophe ins Leben gerufen wurde. Der alte Herr war eine der bekanntesten Erscheinungen der Residenz. Bei dieser Gelegenheit sei an folgendes Begebniß erinnert. An dein Tage, an dessen Abend das Theater abbrannte, erhielt Herr Jonas Durlacher den Besuch eines auswärtigen Freundes der ihn zur Abendvorstellung in's Theater einlud. Zu gleicher Zeit sollte aber auch das Begräbniß eines Glaubensgenossen in Karlsruhe stattfinden. Herr Durlacher überlegte einige Zeit, ob er mit dem Leichenbegängniß oder mit dem seit Jahren nicht gesehenen Jugendfreund ins Theater gehen sollte. Schließlich hielt er es doch für angemessener, dem Todten die letzte Ehre zu erweisen und er ließ den grollenden Freund allein ins Theater gehen. Der Freund fand seinen Tod in den Flammen. Es war Herr Karl Lehmayer, Sohn des damaligen Mainzer Vorbeters. Alts Baden. Die Versicherungsanstalt Baden hat bezüglich der Invalidenversicherung der israel. Schächter ein Rundschreiben an die Großh. Bezirksämter gerichtet, nach welchem über das Einkommen der Religionslehrer und Kantoren, welche zugleich Schächter sind, Erhebungen gepflogen werden sollen. Großh. Oberrath der Israeliten, welcher in diesem Betreffe von der Versicherungsanstalt Aufschluß erbeten hatte, wurde vom Vorstande dieser Anstalt mitgetheilt, daß nur solche Schächter bei der Invalidenversicherung in Betracht zu ziehen seien, die nicht als Religionslehrer oder Kantoren angestellt sind.