Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-07-10 · Heft 54 (10.7.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 54 (10.7.1899)
Date
1899-07-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2449003--48634-2499035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

*- r* ,5. 7 1050 Türkei. Safed (2-2M rivL), im Mai. (pvvV n^n '«ni' s2.) Wie schon seit Jahrhunderten, so wurde auch Heuer am vergangenen Lag-Boaumer (28. April) die übliche große Wallfahrt zum Grabe des heiligen Rabbi Simon Ben Jochai, Verfassers des berühmten kabbalistischen Werkes Sohar, abgehalten und haben an derselben nach Angaben arabischer Blätter etwa 36,0.0 jüdische Pilger. darunter auch solche, welche die weite Reise aus Persien, Bokhara, Arabien, Marokko und Tunis nicht gescheut haben, theilgenommen. Der Sammelpunkt dieser Pilger ist das Städtchen Safed, von wo dieselben in einer compacten Masse nach dem zwei Stunden entfernten Hügel Meron pilgern, wo sich die Grabesstätte dieses Heiligen befindet. Die Pilger führen mehrere Fahnen in allen Farben und mit Gold und Silber gestickt, die den Namen des Heiligen umgeben von Bibelversen in hebräischen Charakteren zeigen, mit sich. An der Spitze dieses Zuges marschirten heuer, wie erwähnte Blätter berichten, ein junger Mann aus Persien, der in einem Kaftan gekleidet war und von zwei Israeliten aus Kurdistan auf den Schultern getragen wurde. Dieser junge Mann, der so eine Art Stegreifdichter war, deklamirte nun fortwährend Lobsprüche auf den Heiligen in arabischer Sprache, die dann die Menge ehrfurchtsvoll und andächtig wiederholte. Gegen Abend langte man endlich in Meron an. Die Menge zündete nun die Lichter an, die sie aus Safed mitgebracht und Tausende von Flämmchen erhellten das Grab und seine Umgebung. In den Vorhof des Grabes wurden nun die auf Wagen und Reitthieren mitgekommenen Bresthaften und Kranken geschafft, die von dem Heiligen Genesung erwarteten. Die Grabesstätte selbst, vor der zwei türkische Gendarmen Wache hielten, war mit Wachskerzen garnirt, während ringsherum Pilger sich kauerten und Psalmen sangen. Einige derselben kratzten auch Mörtel von dem Grabe ab, da sie demselben Heilkraft zuschreiben. Auch auf dem Dache des Grabes standen Pilger, man schätzte deren Zahl auf 4000, und befanden sich dort auch zwei steinerne mit Oel angefüllte Wannen. Als Dochte dienten kostbare Tücher. Einem ehrwürdigen Greise, der eine bedeutende Summe dafür gezahlt hatte, ward nun die Ehre zu Theil, diese Riesendochte anzünden zu dürfen. Hierauf begannen die Pilger zu tanzen und zu hüpfen, während fromme Frauen kostbare Tücher, Kleider und Hauben und sogar auch Schmucksachen in die Flammen warfen und sie zu Ehren des Heiligen verbrennen ließen. Erst spät nach Mitternacht wurden die Lichter auf und vor dem Grabe und auch im Lager ausgelöscht, worauf man sich wohlgemuth auf den nackten Boden legte, um für einige Stunden zu schlafen. Als die Sonne dann am Himmel erschien, da erhoben sich die Pilger, wuschen sich bei einer nahen Quelle, hüllten sich in ihre Betmäntel und verrichteten inbrünnstig ihre Morgenandacht. Nachher wurden Hunderten von kleinen Kindern die Haare geschnitten und zwar von ihren Müttern selbst oder von ihren Anverwandten. Jedem dieser geschorenen Kmder wurde dann eine brennende Kerze in die Hand gegeben und sie begannen mit ihren Eltern zu tanzen und zu springen. Der Rest des Tages wurde von den Pilgern dazu benützt, um sich durch Speise und Trank zu kräftigen und sich sonst zu belustigen. Alsdann die Abenddämmerung heranbrach, verließen die Pilger die heilige Stätte und kehrten jubelnd und singend nach Safed zurück. Feuilleton. iebet eure Weinde." Eine apologetische Erzählung Von Arnold nimm 27) Nachdruck verboten. Gleichgültige Dinge waren es gewesen, von denen sie zuerst gesprochen hatten. Benedikt erzählte von seiner Praxis, unter anderem von einer Staaroperation, die er erst vor wenigen Tagen glücklich vollzogen. Rifka hörte ihm still, gesenkten Hauptes zu. Dann fragte er sie: „Nun, und Du, mein Lieb, wie geht es Dir? Weshalb hast Du mich gerufen? Hast Du was auf dem Herzen?" Es waren drei Fragen auf ein Mal. Rifka antwortete auf keine. Sie schwieg. Nur ein Zucken ihres Mundes verrieth, daß sie seine Fragen gehört hatte. „Willst Du mir nicht anworten?" fragte er nach einer kleinen Pause dringender. Ihm selbst wurde immer banger, immer ahnungsvoller zu Muthe. Da drückte sie sich fester in seinen Arm und sagte leise, mit zitternder Stimme: „Beni, denkst Du noch an die Sukkah?" Ob er daran dachte! An die Sukkah! An jenen süßen Augenblick, da sie das volle Vertrauen zu ihm wiedergewonnen hatte, nachdem er gesprochen, fest und edel: „Ich kann, was ich will!" Ob er daran dachte! „Jeden Tag, mein Lieb, denk' ich daran!" „Und weißt Du auch noch, wie mir damals

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.