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Der Israelit · 1899-07-10 · Heft 54 (10.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 54 (10.7.1899)
Date
1899-07-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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i’V’ 1051 zu Muthewar?" fragte Rifka weiter, „welche Ahnungen mein Herz beschwerten?" „Und Hab' ich Dir sie nicht verscheucht, die Ahnungen?" fragte er nun seinerseits. „Damals — ja", nickte sie, wie traumverloren. „Nun — und —?" fragte er weiter. „Aber jetzt sind sie doch zur Wahrheit geworden!" Da blieb er stehen und sah ihr in die Augen. „Du meinst also", begann er fest, „daß irgend etwas trennend zwischen uns treten könne?" Sie nickte nur, ergriff aufs Neue seinen Arm und zog ihn weiter. „Hör' mich ruhig an", sagte sie sanft, „Du weißt, lieber Beni, wie es uns ergeht. Oder vielmehr, Du weißt es wahrscheinlich nicht. Es ist viel schlimmer, als Du wissen kannst. Ueberhaupt niemand weiß es, alle ahnen es bloß — es kann nicht so weiter gehen — höchstens noch wenige Monate — und dann —" Die Stimme versagte ihr. Auch ihm kamen die Thränen; doch er bezwang sich und sagte begütigend: „Gott kann helfen, Rifka — und dann, wir, wir halten doch zusammen, wie es auch kommen mag —" Sie schüttelte den Kops. „Deshalb habe ich Dir geschrieben, lieber Beni, weil ich anders denke —" „Rifka Der Ton, den er in ihren Namen legte, sagte ihr genug. Es war Zorn und Liebe zugleich. „Bleibe gelassen", begütigte sie, „ich weiß, was ich thue; aber es muß sein. Der Vater hat es mir zu verstehen gegeben, daß wir Deinem Glück nicht im Wege stehen dürfen, wir — die — Bettler-" „Rifka!" wiederholte er, „Du sprichst von meinem Glück und willst Dich von mir wenden?!" „Es muß sein", beharrte sie, „ich kann Dir das nicht alles so sagen, wie ich es empfinde; all die vielen Momente, die dabei mitsprechen, ich kann sie Dir jetzt nicht erklären: nur das Eine fühle ich deutlich, daß ich Dir Dein Wort zurückgeben muß. Sieh, lieber Beni, an das Heirathen können wir ja ohnedies nicht denken, jetzt nicht und in absehbarer Zeit auch nicht. Wozu das also?" „Und um mir das zu sagen, Haft Du mich zu Dir gerufen?" fragte Benedikt. „Nur deshalb!" erwiederte sie. „Und Du dachtest, ich würde ohne Weiteres einverstanden sein?" „Wenn ich das gedacht hätte, müßt ich Dich — nicht — kennen —" Sie stockte während sie das sprach; es war ersichtlich, daß sie sich anders, inniger ausdrücken wollte, sich jedoch mit Gewalt zurückhielt, ihrer Empfindung freien Lauf zu lassen. Es war ein heldenmüthiger Kampf, den dieses Mädchen in seinem Innern durchkämpfte. „Nun denn" begann er, „so wisse, daß ich an Dir festhalten werde, solange ein Athemzug in mir ist. Ich werde ausharren — und sollt' ich Dich auch nach Jahren erst heimführen können!" „Du wirft Dir's noch anders überlegen", erwiederte Rifka mit erkünstelter Kälte, „ein Arzt wie Du, in solcher Stellung und mit solcher Praxis kann jeden Tag eine Frau bekommen. Du lebst jetzt schon lange genug in dieser Einsamkeit; und darum wirst Du Dir recht bald eine hübsche, brave, reiche Frau nehmen, mich mußt Du vergessen; es ist meine Pflicht, das von Dir zu verlangen, und ich würde es mein Leben lang als eine schwere Sünde empfinden, wenn ich Dein Schicksal an das meine, an das unsere ketten würde. Dein Weg, lieber Beni, führt aufwärts, dem Glück, dem Gelingen entgegen; der unsere aber führt abwärts, ins Unglück, dem Mangel entgegen. Schon seit Jahr und Tag neigt er sich nach dieser Richtung, und ich sehe nicht, wie es anders werden soll; es wird jeden Tag schlimmer —" Wieder wurde sie vom Schmerze übermannt und schwieg mitten im Satze. „Ich glaube überhaupt", begann sie nach kurzer Pause aufs Neue, „der Vater hat schon einen bestimmten Plan, der uns ohnedies auseinanderreißt. Er machte Andeutungen, sprach von Auswandern — Amerika. Wir haben ja Verwandte drüben; ich glaube, der Vater hat schon an sie geschrieben, und wartet erst ihre Antwort ab. Vielleicht geht es schneller als wir denken —-" Benedikt sagte zunächst nichts, er fühlte, daß sie noch mehr sagen wolle. Diese neue Eröffnung verblüffte ihn völlig. „Ach —" fuhr sie dann fort, „wer hätte das gedacht, daß eine Zeit kommen würde, wo Göllheim, unser liebes Göllheim uns mit Gewalt aus sich hinaustreibt! Wie schön war's früher hier — wie ruhig und still — wir konnten uns nicht denken, daß es irgendwo schöner sei — und danndann kam die schreckliche Zeit — die häßliche Hetze — das wüste Geschrei — die scheelen mißgünstigen Blicke — o, und jener Abend — jener Abend, wo sie auf unseren guten Vater mit Steinen warfen und wie die wilden Thiere hausten-und seitdem ist es nicht besser geworden — nein, wir, wir ganz allein müssen es büßen, weil wir allein von allen abhängig sind-und sie haben's uns büßen lassen — der Wegner hat dafür gesorgt — ja, wir müssen fort — je eher, desto besser — vielleicht wird dann wieder Frieden in Göllheim-"

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