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Der Israelit · 1899-07-10 · Heft 54 (10.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 54 (10.7.1899)
Date
1899-07-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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MWMWWWW 1047 folglich noch kein Anlaß für die Antisemitenpreffe zu dem schönen Schillerzitat, das von ihr mißbraucht wird: „O, so fange Feuer, männliche Gelassenheit, verwildere zum Tiger, sanftmüthiges Lamm! Dann recke sich jede Faser auf zu Grimm und Verderben!" Das antisemitische Lamm muß also vorderhand noch Lamm bleiben. -ä- München, 2 Juli. An die Fabel von dem sich aufblähenden Frosch wird man erinnert, wenn man sich so manche Glanzleistung antisemitischer Zungendrescherkunst und Phrasendreherei betrachtet. Im hiesigen Organ der Antisemiten hieß es vor etwa Jahresfrist, Dank der unermüdlichen, aufopfernden und zielbewußten Thätigkeit des hiesigen Führers sei es nunmehr gelungen, die Situation des Blattes so zu gestalten, daß es nunmehr in wesentlich vergrößertem Format und vermuthlich in Bälde statt als Wochenblatt als Tageszeitung erscheinen könne. „Vermuthlich" haben sich diese Erwartungen nicht buchstäblich erfüllt, denn in der neuesten Nummer des Antisemiten- Organs ist zu lesen: „Aus dem seitherigen Druckoerhältniß des „Deutschen Volksblattes" haben sich Unzukömmlichkeiten ergeben, die weite Entfernung von Offenbach hat es namentlich erschwert, den Tagesereignissen in wünschenswerther Raschheit zu folgen. Dies hat uns veranlaßt, den Druck unseres Blattes wieder nach München zu verlegen, wodurch wir aber um die Vortheile des seitherigen Druckverhältnisses in finanzieller Beziehung gekommen sind, die es uns ermöglicht hatten, das „Deutsche Volksblatt" seit einem halben Jahre in vergrößertem Formate erscheinen zu lassen. Wir müssen nunmehr wieder auf unser früheres Format zurückgreifen. Die Leser und Freunde unseres Blattes, welche die finanziellen Schwierigkeiten, mit denen judengegnerische Blätter zu kämpfen haben, kennen, werden diese Umstände berücksichtigen und werden mit erhöhtem Eifer darangehen, die Abonnentenzahl des „Deutschen Volksblattes" vermehren zu helfen, um uns in den Stand zu setzen, das „Deutsche Volksbtatt" recht bald wieder vergrößern zu können." Ob dieser recht bewegliche Appell den gewünschten Erfolg zeitigen wird, erscheint noch fraglich. Vielleicht würde es den — nach gedachter Darstellung — so verbesserungsbedürftigen Finanzen des Antisemiten- Organes mehr auf die Beine Hefen, wenn sich die hervorragendsten Maulhelden desselben in Gemeinschaft mit dem Grafen Pückler, der in diesem Blatte förmlich angebetet wird, auf dem in ca. 14 Tagen stattfindenden Jahrmarkt produciren oder im Panoptikum für Geld sehen ließen. In gewohnter Großsprecherei und in fast unerreichter Selbstüberschätzung heißt es dann am Schluffe des angezogenen Artikels: ' „So wollen auch wir im „Deutschen Volksblatte" den größten Befreiungskampf weiter vorbereiten helfen, den unser Volk jemals unternommen; es wird kein Kampf sein gegen Nachbarvölker, kein Kampf gegen Andersgläubige, sondern ein Kampf für die herrlichsten Güter unserer Nation, für die geistige und sittliche Befreiung von fremder Zwingherrschaft, ein Kampf auch nicht minder für den eigenen Herd und vas tägliche Brod. Berräther und Feiglinge mögen in diesem Kampfe zur Seite stehen oder in den Reihen der Gegner fechten, ein jeder brave Mann ist mit uns". Bum, Bum! Das „Deutsche Volksblatt" hat gesprochen und der ganze Erdball erzittert. Nun, das Volsverdict vom 16. Juni 1898 gab ja auch solchen Phrasen, wie „ein jeder brave Mann ist mit uns" vollständig recht. Damals — gelegentlich der Reichstagswahl — war die ganze Stadt besäet mit Plakaten. Keine der auftretenden Parteien habe einen Kandidaten präsentirt, dem man die Qualification eines Volksvertreters zubilligen könne, und daß deshalb jeder echte und rechte „deutsche" Mann für den „unerschrockenen, unermüdlichen Vorkämpfer" Ludwig Wenng zu stimmen verpflichtet sei. Derselbe erhielt denn auch von 18016 in München I abgegebenen Stimmen 90, sage und schreibe neunzig. Also so viel „brave Männer" gab es unter 16000, mehr kann man doch nicht verlangen! Oder betrachten wir die gekennzeichnete Phrase noch von einer anderen Seite. Noch nicht zwei Jahre sind es her, da himmelten sich die hiesigen Parteilöwen Wenng, Schilein, Schmalix, Scheidler noch gegenseitig an und zogen einträchtig an einem Strange. Und heute? Ehrenbeleioigungsprocesse fanden mehrfach statt und sind ^noch in der Schwebe, ein Jeder behauptet von sich, daß er ein echter, unverfälschter Antisemit sei und mit blankem deutschen Schwert kämpfe. Gegenseitig nennen sie sich Denuncianten, Jntriguanten, Verläumder und wie die zierlichen Bezeichnungen alle beißen. Wer ist nun „der brave Mann" und wer ist — das Gegentheil? Um Antwort wird gebeten. Aus der Rheinprovinz, im Juni. Die königliche Regierung zu Dttffeloorf hat folgende dankenSwerthe Verfügung vom 9. d. M. IIC. 2126 — betreffend Fürsorge für den jüdischen Religionsunterricht in den Volksschulen — an die Kceisschulinspektoren erlaffen: 1. Wie ist für den Religionsunterricht der schulpflichtigen jüdischen Kinder gesorgt? 2. Ist ein jüdischer, als Elemmtarlehrer geprüfter Religionslehrer vorhanden? Bei Verneinung der Frage zu 1 ist folgende Frage zu beantworten: 3. Ist es ohne unverhältnißmäßige Kosten möglich, für diejenigen Kinder, welche keinen besonderen Religionsunterricht durch einen jüdischen als Elementarlehrer

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