Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1899)
- Date
- 1899-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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1038 Er kannte keine Ruhe, er kannte keinen Schlaf, er war unermüdlich thäiig, um zu lernen und zu lehren, um zu leiten, anzuregen und zu schaffen. Er war die verkörperte Thätigkeit. Doch was dieser unermüdlichen Thätigkeit, diesem rastlosen Schaffen die Krone aufsetzte, das w r die Jirenzenlose Selbstlosigkeit, die beispiellose Uneigennütziges, die diesem edlen Mann zierte, den nur das einzige Streben beseelte, Gott und seiner heiligen Sache mit jedem Pul-schlage seines Herzen-, mit jedem Fünkchen seiner Thatkrast zu dienen. Jene- Wort unserer Weisen: nann *Dyy riN np’ rvrrK' hat sich an ihm voll und ganz bewährt. Für sich lebte er nicht, für sich war er über aupt nicht da — und darum lebte er erst recht und wird er stets im Angedenken aller leben. Und das ist es, rvaS dem tbeureu Verblichenen die Liebe und Verehrung aller verschaffte, selbst aller, die ihn aus's heftigste bekämpften. Unter „aller, die ihn aufs heftigste bekämpften", verstehen wir vorerst nicht nur die Gegner seiner Prinzipien, die Feinde de« göttlichen Gesetze-, verstehen wir zunächst diejenige», die mit ihm auf dem gleichen Boden des geoffenbarten göttlichen Gesetzes standen, und da schwebt uns zunächst seine Wirksamkeit in Ungarn vor, die zum großen Theil von den damals lebenden Thorafürsten diese- Landes auf's heftigste bekämpft wurde. Es steht uns nicht zu, zu entscheiden, auf welcher Seite das Recht oder Unrecht lag, wer der Sieger oder Besiegte war. Wir brauchen eS »licht, »vir wollen es nicht. Unser Judenthuul hat seine Großen nie vergöttert, nie als ganz makellos, frei von jeder menschlichen Schwäche bingestellt. In» Iudenthum galt stets als unumstößliche Wahrheit lener Ausspruch seines »vrien Königs: pfo pna 07n o MBIT dp. aiu nfc'y 7i£'N, daß stlbft beiin bemußtvollsteil Streben nack dein Guten ein Jrrthun» unvermeidlich. Sie bekämpften ihn aber die Liebe und Hochachtung haben sie ihm bei allen» und trotz allem nicht versagt. Sie wußten, sie erkannten, daß die Triebfeder in all seinem Thun, Lassen mrd Wollen nur das reinste, lauterste CP'7 □‘DSC war. Sie wußten, sie erkannten, daß seine nur nach dem Besten, Wahren, Kecksten strebende Person frei von dem blässesten Schein des Eigennutzes oder der Selbstliebe war. Sie »vußten. sie erkannten, daß, wie sic sich au-zu drücken pflegten, rria7injiD 73, seine Absicht stetdie beste, reinste, lauterste »var, daß jedes seiner Worte, jede seiner Thaten dem reinsten O.uell inniger, erhabener Gottesfurcht entsprang. So können »vir wohl jenes herrliche Lob, das die heilige Schrift unserem König David spendet, auch unserern theuren Verblichenen voll und ganz zuerlennen. 721 d.tjs7 nsv nid o “in hm aniN nmm 7M7L". Es steht nicht O'3,71M im Plural, »vie nacher I371'P7, sondern 37ir< im Singular. Der Ausdruck n?i srai' bezeichnet durchaus nicht nur die Heeresführung i»n Kriege. Als Salomo sich zur Erfüllung seiner Königspflichten ein Py nx Li£L'7 yvL' 37 y77 3P i'2 l'377 erbat, ohne ivelcheer zur Erfüllung seiner Obliegenheiten unfähig wäre, da bezeichnete er diese Unfähigkeit mit den Worten: nsa yis n7 pp ny: ’DJN N31. In Josua wird ausdrücklich 71121772 von nNa7 N27i unterschieden. N27i nwa7i non7D7 nny '71331 in 'ros N31 Mai' ist somit Ausdruck für die Gcsammtwirksamkeit eines an die Spitze eines Volke« gestellten Mannes. in rN 3m m mim trP 73i, ganz Israel und Inda liebten einir'üthig, ungetheilt den David. Und obgleich schon damals die Gegensätze zwischen Israel und Jehuva unverkennbar hervorgetrelen, herrschte doch in der Liebe gegen David Einmüthigkeit, in der Liebe gegen ihn waren sic alle einig, denn sie waren von der Ueberzeugung durchdrungen, o n ’j s 7 ssi’ Min '3, baß er nur und ausschließlich i h r Gesainmiinteresse zu fördern im Auge hatte. Würde die heilige Schrift heute das Lebensbild des Mannes, dessen Heimgang wir so bitter beklagen, zu verzeichnen haben, so »vürde unstreitig darin unter den vielen herrlichen Zügen ganz besonders der Zug hervorleuchten: iniM 3 m n mim 7N1KT 731. Alles liebte ihn, in der Liebe gegen ihn war alles einig, denn alles hatte die felsenffste Ueberzeugung, an'.] £2 N2i Näi’ NM ’3, daß ihn» nur das Fnlcrcsse der Gesaiumtheit am Herzen lag. Ja, iniM 3,7 in mim ^7^’ 731, nicht nur diejenigen, die mit ihm auf gleichem Boden der Gottesgesetze standen, liebten ihn. auch diejenigen, die dem Heiligthum des GotteSgesetzeö, dem er sein ganzes Leben geweiht. den Rücken kehrten, und die er Zeit seines Lebens heldenini'uhig bekämpfte, konnten ihm ihre Liebe und Hochachtung nicht versagen. Und nun sind »vir, in. Br. u. Sch., an einem Punkte angelangt, der lins die herrlichste Seite seiner glanzvollen öffentlichen Wirksamkeit vor'S Auge führt. Z»»r klareren Veranschaulichung sei es uns gestattet, auf einen Psalmvers und eine hierauf bezügliche Midraschstelle hiuzurvcisen: Ptsw PL' t“7n dh7s "pro p 7y ytsn nphi pis narw p3kiv du liebst das Rechte und lassest das Unrecht, darum hat Gott dein Gott dich gesalbt mit heiterer Weihe vor deinem Genossen. Hierzu bemerken unsere Weisen: y"7 DrP3N2 'np 7n£ Rabbi E. deutet diesen Vers auf unseren Stammvater Abraham. 7y D'Dm ffp37 n"n IDyv nytSQ OpnDn, Als Abraham vor Gott hintrat, um Erbarmen für die Sodomiter zu erbitten, pn 3’ro HD, in »velcher Weise hat er dies gethan^ '131 Hin ->373 nwyo *p H7’7n. Und nun schildern unsere Meisen in folgenden», »nit welcher Wärme und Begeisterung Abraham zu Gunsten der Sedomiter eintrat. 17” 2 p,7 7"N darauf rief ihm Gott zu : DH73N, p’Ttfo »-npi nrnnnw p7a7 r»3,7N ytsn njbtii pix rariN Abraham, du liebst das Rechte und hassest das Unrechte, d. h. du liebst, die Menschen zu veriheidigen und hassest, sie zu verurtheiten. F73NO 731 -rpp p 7y, darmn hat Gott dich vor deinen Genossen ausgezeichnet. ,-73170 mo, ivorin besteht diese Auszeichnung? 711717 '' paN 7yi IIP 7N '7 70N7 3'.737 ■py N7N lPO 7I7N Dy '71737 N^ ]7D01 1’3N Tl’201 “}n77PD1 “|S7N0 "J7 p D73N. Unter den zehn Generationen, die seit M waren, Hobe ich außer mit Dir, »nit keinem Menschen gesprochen. Denn so heißt rS: Gott sprach zu Abram: Gehe für Dich allein von Deinem Lande, Deinem (Geburtsorte und den» Hause Deines Vaters. — Offenbar wollten unsere Weisen nicht im entferntesten die Paraphrase '131 pia7 rons als Erklärung des Verses: '131 p7y tohn gelten lassen, die dern Wortlaut desselben ganz und gar nicht entspricht, soirdern, »vie überall auch hier, blos d»»rch geistreichen Wortanklang die tiefere Bedeutung dieses VerseunS verstehen lehren. In diesem ersten an Abraham ergangenen Gottesrufe '131 -7 “p erblicken unsere Weisen eine der TllJi’Dj mitfy, der zehn schlveren Prüfungen, die er zur Verherrlichung deS Gottesnainens zu bestehen hatte. Als den Schiverpunkt dieser Prüfung ni»n»nt »nan gewöhnlich die Thatsache an, daß Abraha»n Vaterland, Geburtsort und Vaterhaus und damit alle die aus diesen sich ergeberrden Wohllhaten aufgab, u»n sich auf Gottes Geheiß in ein fremdes Land zu begeben. Dagegen spricht jedoch die vorher erwähnte Thatsache, daß Abraham bereitfrüher Aran» verlassen und sich in Ehoron niedergelasserr, ferner »vird ja die etlvaige Härte einer solchen Prüfung durch die Zusicherung der Fülle von Segnungen »vie 731717J) ’1J)7 ■pyNi nicht wenig abgeschwächt: denn wer rnöchte nicht gerne auS- »vandern. wenn ihn: von Gott folck^reiche materielle Segnungen in Aussicht gestellt tverden? Der Schwerpunkt dieser Prüfung ist »vohl darum zunächst nicht in der räumlichen Entfernung und den damit verbundeiten rnateriellen Opfern, als vielmehr in erster Linie in der geistigen Entfernnng und den damit verbundei-en geistig-sittlichen Kämpfen zu sllchen, wie ja dies in dem Woxsx "-p -pf/ jum klaren Zlusdruck kommt. "7 heißt: für sich gehen, sich isolieren, der ganzen Welt gegenüber einen isolierten und isolierenden Standpunkt einuehmen. — Den Anschauungc,» einer ganzen