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Der Israelit · 1899-07-06 · Heft 53 (6.7.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 53 (6.7.1899)
Date
1899-07-06
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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1028 sie begraben. Aber — es war eine Schickung Gottes; Seligmann Feist fügte sich. So war mehr als ein Jahr vergangen unter trüben Erfahrungen und noch trüberen Aussichten. Allmählich griff das Schicksal, welches die Rachsucht des Holzhändlers über die Nachbarfamilie heraufbeschwor, immer tiefer und tiefer in das ehemals so friedvolle Familienleben des Feist'schen Hauses ein und knickte noch eine andere frohe Hoffnung seiner Bewohner. Der Frühling war übers Land gezogen. An Busch und Strauch entfalteten die ersten Knöspchen ihr zartes Grün, die ersten Veilchen lugten verstohlen aus saftiger Blättermaffe hervor, zum ersten Male war die Atmospäre von jenem balsamischen Dufte erfüllt, den der Mensch mit unbeschreiblichem Wohlgefühl einathmet, und in dem jede seiner Empfindungen sich vertieft, jede seiner Hoffnungen mit einem rosigen Schimmer sich umkleidet. An einem solchen duftigen, sonnenwarmen Frühlingstage war es, als zwei Menschenkinder zusammen den schmalen Weg entlang gingen, der an der Nordseite Göllheims zwischen Gärten und Feldern sich hinzieht. Eng aneinander geschmiegt, langsam wandelten sie Schritt für Schritt; der Frühling leuchtete nicht für sie, das neue Leben, welches sie knospend umgab, es bildete einen unsäglich traurigen Gegensatz zu dem todeswunden Gefühl, von dem ihr ganzes Wesen erfüllt war und deffen Wiederschein auf ihrem Antlitz lag. Es ist Dr. Benedikt Kaufmann und seine Braut, Riska Feist, die wir in den einsamen Wanderern erkennen. Zufällig waren die beiden Briefe, welche Benedikt nach Göllheim riefen, einer von den Eltern und einer von Rifka, zusammen bei ihm angelangt. Die Berichte, die er früher schon zuweilen von seinen Eltern bekam, sowie das, was er hie und da bei seiner Anwesenheit in Göllheim mit eigenen Augen sah, ließen in ihm eine dunkle Ahnung aufsteigen, daß die beiden Briefe in einem gewissen, wenn auch unbeabsichtigten Zusammenhang zu einander standen. Benedikt wußte, wie es Feist erging, er wußte auch, daß das Geschick, von welchem die Eltern seiner Braut betroffen waren, nicht ohne Einfluß auf sein Verhältnis zu Rifka bleiben würde; er kannte seine Eltern, namentlich seine Mutter zu gut, um nicht aus dem Umschlag in der Vermögenslage Feift's auch einen Umschlag in der Gesinnung seiner Eltern, zu befürchten. Längst hatte er einer Entscheidung entgegengesehen, und so innig und treu er auch, trotz des jahrelangen Brautstandes, an Rifka hing, so unerschütterlich bei ihm der Entschluß feststand, nicht von ihr zu lassen, komme, was da wolle — sein Herz hatte ihm dennoch geklopft, als er am frühen Morgen dieses Sonntags die Reise nach Göllheim antrat. Als er angelangt war, fühlte er zunächst das Bedürfniß nach einer Aussprache mit Rifka; er wußte die Aussprache mit den Eltern hinauszuschieben bis zum Nachmittag und eilte alsbald in das Haus seiner Braut. Nach kurzer Begrüßung hatte Rifka, um ungestört ihrem Herzen Luft machen zu können, ihrem Bräutigam einen kleinen Spaziergang vorgeschlagen und er ist's, auf dem wir das Brautpaar jetzt begriffen sehen. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag« and Donne' «lug«, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Vrv Vuchhandrl verkehrt durch D. Zf. Strinnckrr, Lrip.ig, Rohplatz Jß. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitze le oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclainetheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen ofterr., für'S Ausland 16 ReichS-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3784. Telephon 315. Girre Rücksendung der *t* die «edaction eingesandten Mannscripten findet nicht statt, «an bittei degyal», fich von allen Einsendungen eine Copie znrückzubehalten Gtellenfnchende erhallen ans Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang grätig und franco zugesandt. Inhalt (Hanptblatt) Leitender Artikel: Die Göttlichkeit der Thora. (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Würzburg. Hamburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. England: London. - Vermischtes. — Feuilleton: „Liebet eure Feinde." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilaae: Leitender Artikel: Die Nahrung des gesunden und kranken Magens. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Rußland: Petersburg. Türkei: Konstantinopel. Inhalt der zweiten Beilage: Dr. Israel Hildesheimer l“y. Frankfurt a. M. Burgkundstadt. Jnim. London. Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuckdruckerei-Actier-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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