Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1899)
- Date
- 1899-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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1025 überhaupt noch als solche erkenntlich, verwahrlost, g der Obhut der Glaubensgenossen entrückt und entbehren L des Schutzes vor Entweihung. Und wenn nun auch F die Ursache dieser Erscheinung nicht sowohl auf rohe f Gewalt als die veränderten Zeitverhältnisse, auf die . freiere Gesetzgebung, namentlich auf die Freizügigkeit, ' durch welche sich die Landgemeinden entleeren und ' neue Stadtgemeinden entstehen, zurückzuführen ist, , immerhin wirkt der Anblick solcher verwaister Orte pnns tc rmnn, verstimmend und der Gedanke an entschwundene Herrlichkeit läßt Gefühle der Trauer zurück. Und in Wirklichkeit hat das wahre Judenthum bei dieser Veränderung, wenn auch social zu begrüßen, gewonnen? Herrscht in den meisten dieser neuen Gemeinden noch jener echtjüdische Geist, jene Frömmigkeit, jene Liebe und Begeisterung für mm naiBW, jene Pietät vor allem Heiligen, allem Herkömmlichen und geistig Ererbten wie in den ehemaligen Gemeinden? Sind ste noch die Etrc: tide» tmnpn n&np es9T) wHp bv, die alles Hingaben, was ihnen lieb und theuer war, für die Heiligung des göttlichen Namens? Der Vergleich fällt wahrlich nicht zu Gunsten der Gegenwart aus und hat wenig Tröstliches! Und nun von dieser Allgemeinheit zu einem besonderen Bilde. Eine Gemeinde in unserer Nähe, die zwar nicht durch ihre Größe glänzte, wohl aber durch das echt jüdische Leben, das dort sich concentrirte und zum Ausdruck gelangte, durch deren Mitglieder, die zwar nicht bedeutend an Zahl, desto mehr aber an Einfluß, den sie zu gewinnen und in unserem heiligsten Interesse zu gebrauchen verstanden — auch diese Gemeinde theilte das Loos so vieler ihrer Schwestern, auch sie hat aufgehört zu existiren, nachdem die letzten Mitglieder derselben in jüngster Zeit nach hier verzogen sind. Ich meine das in der jiidischen Welt nicht unbekannte Zell bei Würzburg. Wer von jüd. Sinne erfüllt, hätte es versäumt, wenn sich ihm die Gelegenheit geboten, dieses jüdische Dorado sich anzusehen, kennen zu lernen das wahrhaft jüdische Leben dort, den Eifer für ma» 1 mm, die Gestalten der D'D’Bnm BH'cm eines Vm cmjsnio bv^m ’m, mehr bekannt unter dem Namen bbv'Z fjnjye h, dieses für unsere mempn mm begeisterten Mannes, dieses bei hohen und höchsten Personen für seine Glaubensdrüder, dessen Einfluß auch die Besetzung des Würzburger Rabbinats durch pattA*: n rmn umysoic und der daraus folgende große Segen zu verdanken, und seiner von gleicher Begeisterung erfüllten, als mm "z hervorragenden Söhne n ‘rm EvENMi “r "ms* bxz- und des in Frömmigkeit und Charakter ausgezeichneten Schwiegersohnes ‘rm etebh^j NB>E Männer, von denen man sagen konnte E^p pan ns: ri"inE' nniwo? Wie viele haben zu ihrer Thorakenntniß und späteren Wirksamkeit hier den Grund gelegt? Nun t ist es leer geworden in diesen geweihten Räumen, ist der Geist daraus entflohen und die äußere ruinenhafte Erscheinung erinnert an die innere Leere und Verwaisung. Und Du, lieber Leser, wenn Dich je das beflügelte Dampfroß an dieser Stätte vorüberführt, sende in raschem Fluge Deine Blicke hinüber über den schönen Mainstrom, nicht nach den jenseitiigen Waldeshöhen, sondern nach der Stätte jener Geisteshöhen und Glaubenshelden my onm bx und zolle ihnen stille Bewunderung und Verehrung. Uns aber möge die Erinnerung an die Dahingegangenen an unsere eigene Aufgabe erinnern und zu dem Bestreben erwecken, es ihnen nachzuthun, damit man auch von uns dereinst sagen könne: Sie haben nicht umsonst gelebt, sie sind des Gedächtnisses werth geworden. Dann werden uns die Tage ernster Betrachtung und die Erinnerung an verlorene geistige Güter zum Heile werden und uns Tage des Trostes und der Freude bringen! Hamburg, Juni. (Goldene Hochzeit.) Ein aus der alten und guten Zeit des Hamburger Bürgermilitärs bekannter, von seinen Mitbürgern hochgeschätzter und geachteter Glaubensgenosse, Herr L. Bielefeld, beging dieser Tage mit seiner Gemahlin das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten, Herr Bielefeld steht im 76., seine Gemahlin im 86. Lebensjahre, erfreuen sich voller geistiger und körperlicher Frische. Im Aufträge des preuß. Gesandten erschien Herr Oberrabbiner Hirsch, um dem Jubelpaar die von dem Kaiser gestiftete silberne Ehejubiläumsmedaille nebst einem Anerkennungsschreiben aus dem Kaiserlichen Civilkabinet zu überreichen. Bereits in früher Morgenstunde erschien eine Deputation der Exerzierabtheilung des „Vereins ehemal. Bürgermilitär," um dem Kameraden ihre Glückwünsche darzubringen. Der Verein „Talmud Thora," dessen Vorstand Herr Bielefeld seit einer Reihe von Jahren angehört, überreichte einen prachtvollen Spazierstock mit silberner Krücke. Um 11Uhr rnarschrrte das Musikkorps der Jäger des Vereins ehemal. Bürgermilitärs in voller Uniform auf, um dem Jubelpaar ein Ständchen darzubringen. O e ste rr.- U n g a r. Monarchie. Wien. In einem interessanten, in der „N. Fr. P." veröffentlichten Vortrag des berühmten Strafrechtslehrers Professor Franz v. Liszt über „Das Verbrechen als sozial-pathologische Erscheinung" finden wir eine Bemerkung, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Es heißt dort: „So findet die oft besprochene günstige Stellung der Juden in den kriminalistischen Tabellen sowie^die^auffallend starke Betheiligung der Katholiken am Verbrechen ihre ausreichende Erklärung in der allgemeinen wirth- H <f.