Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 51 (29.6.1899)
- Date
- 1899-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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998 und Gurken der Fall ist, zu gemessen. Aber auch die Art ihrer Zubereitung ist danach angethan, ihren Genuss für Magenkranke einzuschränken. Um sie nämlich schmackhafter zu machen, werden ihnen Zusätze von Essig, Zwiebeln und anderen scharfen Gewürzen beigefügt, welche Magenkranken nicht zuträglich sind. Dagegen finden viele dieser Erdreichprodukte bei chronischen Verstopfungen eine berechtigte Verwendung. Da sie nämlieh im Darme schlecht ausgenutzt werden und grössere Rückstände liefern, üben sie auf die Darmwände einen mechanischen Reiz aus und regen diese so zu Bewegungen an. In solchen Fällen ist Magenleidenden am meisten empfehlenswerth der Genuss von gesottenen jungen Spargelköpfen, von Blumenkohl und Spinat in Breiform. Doch den meisten Produkten dieser Gruppe kommt weniger die Bedeutung von Nahrungsmitteln zu; sie spielen vielmehr wegen ihrer scharf und angenehm schmeckenden Stoffe, welche den Appetit anregen und die Magenschleimhäute zur Absonderung von Säften reizen, als Genussmittel eine Rolle. Genussmittel in diesem Sinne sind Knoblauch, Kopfsalat, Kraut, Meerrettig, Radieschen, Rettig, Zwiebel. Es ist darum geboten, ihre Verwendung in Fällen, wo die Magenschleimhäute an und für sich schon gereizt erscheinen , bei den Magenkatarrhen, einzuschränken, wenn nicht gar zu meiden; dagegen bilden sie dann, wenn die Absonderung der Magensäfte Noth leidet. ein bequemes Unterstützungsmittel; aber auch hier heisst es Maass halten! Gurken, zumal in der Form des rohen Gurkensalats sowie die Krautarten, vor Allem Sauerkraut geben im Darm zu heftigen Gälirungsvorgängen Anlass und erzeugen gar oft starke Diarrhoeen; sie sind schon aus diesem Grunde Magenkranken zu untersagen. Dasselbe Schicksal theilt eine andere Gruppe der Erdreichproducte, die Schwämme, mögen es Champignons, Trüffeln, Pfefferlinge oder Steinpilze sein, da sie allesammt ein derbfilziges, schwer verdauliches Gewebe haben und gar oft bei Gesunden, geschweige denn bei Magenkranken Beschwerden hervorrufen. Der Nährwerth der Pilze ist übrigens ein so geringer, dass sie eigentlich nur als Genussmittel zu gelten haben, als Genussmittel, welche Magenkranke sehr leicht entbehren können. Viele Pilzarten enthalten überdies, wie bekannt, gefährliche Giftstoffe; es ist darum bei der Auswahl derselben die grösste Vorsicht geboten. Ja, es kann Vorkommen, dass sich unter gewissen Umständen selbst in den Pilzarten, welche hygienisch zum Genüsse zulässig sind wie die obengenannten, Giftstoffe entwickeln; um diese unschädlich zu machen, ist es unter allen Umständen gerathen, das erste AVasser, in welchem die Pilze abgekocht wurden, fortzuschütten und sie erst dann mundgerecht zuzubereiten. Ebensowenig wie die Pilze hat die kleine Gruppe der Samenflüchte für die Ernährung Magenkranker eine irgendwie nennensvverthe Bedeutung; sowohl die Nüsse, seien es Haselnüsse, AVelschiüisse, Kokusnüsse oder amerikanische Nüsse, als auch die Mandeln, seien es süsse oder bittere Mandeln, fallen für den Genuss Magenkranker fort, weil diese Fruchtarteu sieb wegen ihres reichlichen Fett- und Fasergehaltes als schwer verdaulich erweisen. Es kommen allenfalls aus der Gruppe der Samenfrüchte für Magenkranke in Erwägung die Kastanien, welche, einerseits arm an Fett und andererseits reich an Stärke und Eiweiss, durch leichte Verdaulichkeit und hohen Nährwerth sich auszeiclmen; am besten werden sie in gekochtem Zustande als sogenannter Kastanienpi'u ee in nicht zu grossen Mengen, etwa 2 3 Esslöffel voll, genossen. Ist den bisher erwähnten Bodenerzeugnissen ein gewisser Nährwerth nicht abzusprechen, so kann der grossen Schaar der Obstsorten eine Bedeutung für die Ernährung nur in der Eigenschaft als Genuss- und Erfrischungsmittel zuerkannt werden. Das Obst enthält nämlich ausser einem überwiegend grossen Wasserreichtum und ganz minimalen Mengen von hliweiss einen beträchtlichen Prozentsatz von Zucker, von Säuren und aromatischen Stoffen, welche eben dem Obste den erfrischenden und appetitanregenden Geschmack verleihen. Wegen seines Säuregehaltes sollte vom Genüsse des Obstes in allen Fällen, in denen der Magen schon ohnedies zu viel Säure absondert, Abstand genommen werden. Dagegen macht man bei Stuhlträgheit von der gelinden abführenden Wirkung des Obstes vorteilhaften Gebrauch; darum ist bei chronischen Stuhlverstopfungen eine methodisch durchgeführte Obstkur, zumal eine Traubenkur, so sehr anzuratben, da diese den Darm zu Bewegungen anregt und stuhlfördernd wirkt. Andererseits ist in allen acuten entzündlichen Krankheitsfällen der A7erdauungsorgane, vor allem solchen, die mit Diarrhoe einhergehen, der Genuss von Obst zu meiden; nur der Saft der Heidelbeeren besitzt die Eigenschaft, dass er verstopfend wirkt; er findet darum bei Entzündungen des Darmes, zumal bei chronischen Diarrhöen, vielfach Verwendung. Es ist natür-