Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 51 (29.6.1899)
- Date
- 1899-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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984 3. Daß das C.-K. einen Theil der Thüren und Fenster aus Europa bezogen hat, geschah nach reiflicher Ueberlegung mit unseren Sachverständigen, und mußten in dem Falle, wo das Interesse des Baues in Frage kam, die Interessen Einzelner zurücktreten. Daß dies Vorgehen richtig war, beweist das nachstehend verzeichnete Gutachten de- Kgl. Regierungsbaumeisters Groth, der die Kirche in Jerusalem, bei deren Einweihung der deutsche Kaiser zugegen war, gebaut hat. Für einzelne zerbrochen angekommene Sprossen hat die Fabrik gratis Ersatz geliefert. Nach Ansicht Sachverständiger in Jerusalem sind die aus Europa bezogenen Fenster re. zur vollsten Zufriedenheit ausgefallen. Im vorigen Jahre war das C.-K. gezwungen, eiserne Träger von einem deutschen Hüttenwerk zu beziehen, und war mit der Ausführung gleichfalls sehr zufrieden. Der Bezug eines Theiles der Thüren und Fenster aus Europa ist vom C.-K. in Frankfurt a. M. veranlaßt worden, und haben sowohl Herr Dr. Wallach als auch Herr Rabbiner Sonnenfeld in Jerusalem damit nichts zu thun gehabt. Gutachten d. Herrn P. Groth, Kgl. Reg.-Baumeist. i. Jerusalem. Gelegentlich meiner letzten Besichtigung des Neubaues des deutsch-jüdischen Hospitals (Sitz des Central-Komitee's in Frankfurt a. M.), über den ein umfassender Bericht in Kürze folgt, sind mir auch die von Deutschland hergesandten Fenster für den Bau zu Gesicht gekommen. In Bezug auf die Güte des Materials und der Arbeit derselben kann ich nach näherer Untersuchung erklären, daß das verwendete Holz ein recht gutes, glattjähriges, astfreies Kiefernholz ist, und die Arbeit eine durchaus d i ch t s ch l i e ß e n d e und saubere zu nennen ist. Jedenfalls kann erwähnt werden, daß ein ebenso gutes Holz und gleich gute Arbeit unter hiesigen Verhältnissen bei entsprechenden Preisen nicht geliefert werden kann, da das hier gewöhnlich eingeführte und verwendete Holz ein weiches und weniger widerstandsfähiges Tannenholz ist. Wenn auch eine geringe Beschädigung an dem Transport naturgemäß nicht zu vermeiden ist, so kann diese doch in Kauf genommen werden, da auf Grund mehrjähriger Erfahrungen es unbedingt vorzuziehen ist, besonders bei der großen Anzahl gleicher Stücke, diese nicht hier, sondern in einer bewährten Fabrik des Auslandes Herstellen zu lassen. Jerusalem, den 18. Mai 1899. gez. P. Groth, Kgl. Reg.-Baumeister. Leider haben die unberechtigten Klagen der Palästinensischen Handwerker durch ihre Verbreitung in deutsch-jüdischen Blättern den Antisemiten willkommenen Stoff geboten. (Vgl. Staatsbürgerzeitung v. 27. dss.) 8. Berlin, 22. Juni. In einer gutbesuchten Versammlung, welche der Verein „Israelitisches Lehrerinnenheim" heute nach dem Logensaale, Wilhelmstr. 118, einberufen hatte, wurde über die bisherige Thätigkeit des Vorstandes und der Commissionen Bericht erstattet. Rektor Dr. Adler leitete die Versammlung. In seiner Eröffnungsrede legte er noch einmal die Phasen der Entwickelung de» Plane» dar, der, je mehr da» Loo» der jüdischen Lehrerinnen und Erzieherinnen Beachtung gefunden, um so größere Begeisterung erweckt und schöne Erfolge gezeitigt hätte. Da» israelitische Lehrerinnenheim werde sich wesentlich von ähnlichen Instituten unterscheiden. E» verlange nur 500 Mark als Eintrittsgeld und dieser geringe Betrag könne noch gekürzt oder sogar vollständig erlassen werden. Dafür werde nicht nur Wohnung und Heizung, sondern auch vollständiger Unterhalt gewährt, der in den interkonfessionellen Instituten bt sonders bezahlt werden müsse. Damen, die ein größeres Vermögen besäßen oder im Genuß einer Rente ständen, sollen ein höhere» Eintrittsgeld zu entrichten haben. Jedoch sollen dieselben nicht gezwungen werden, ihr Vermögen dem Heim zu verschreiben. Da» Heim werde ein so behagliches sein, daß die Damen, falls nicht bedürftige Anverwandte vorhanden seien, aus eigenem Antriebe ihr Vermögen der Anstalt hinterlassen werden. Ein israelitisches Lehrerinnenheim wäre ferner nothwendig gewesen, da der größte Theil der bestehenden Heime auf christlich konfessioneller Grundlage aufgebaut fei und die wenigen interkonfessionellen Anstalten naturgemäß überfüllt und nur in den seltensten Fällen Jüdinnen zugänglich seien. In das israelitische Lehrerinnenheim werde nicht der konfessionelle Hader und Streit dringen, hier allein sei den Damen die Möglichkeit gegeben, getreu ihren Traditionen zu leben, Ceremonial- und Ritualgesetz zu beobachten. Da» Heim werde ferner eine Erholungsstätte bilden für alle diejenigen, die im Kampfe ums Brod verwundet seien und der Ruhe und der Erfrischung bedürfen. In Steglitz sei eine aus 7 Zimmern bestehende Wohnung zunächst gemiethet, um vorläufig 5—6 Damen Aufnahme zu gewähren; die Eröffnung des Heims sei zum 1. November dieses Jahres vorgesehen. In Stettin sei bereits ein Zweigverein unter dem Vorsitz der Frau Rabbiner Dr. V o gelstein begründet worden. Dr. Adler schloß mit einem herzlichen Dank für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die mit bewunderungsvollem Eifer an die Ausführung dieses schönen Werkes herangetreten seien. Nachdem die Schriftführerin, Frl. Jda Z u cker, die Protokolle der bisherigen 10 Sitzungen de» Vereins verlesen und mitgetheilt, daß an Stelle de» Privatdozenten Dr. Mayer auf allgemeinen Wunsch Frau Neichenheim in den Vorstand eingetreten