Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 50 (26.6.1899)
- Date
- 1899-06-26
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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und zwar des geistig und sittlich höchst stehenden Kontignents, der Lehrerin, verdient in hohem Maaße die Antheilnabme aller Einsichtsvollen. Kein anderer Stand ist wie der der Erzieherin und Lehrerin berufen, an der Förderung des Menschengeschlechts mitzuarbeiten. Meist liegt ein Leben voll steter Entsagung, voll bitterer Mühen und Enttäuschungen gerade hinter diesen Damen. „Wer andere wohl zu leiten strebt, Muß fähig sein, viel zu entbehren," hat Göthe als Motto über den Stand des Erziehers gestellt. Er hat den Kernpunkt solcher Existenz, die völlige Selbstverleugnung, damit treffend erfaßt. Die Gründung eines Heims für Israelitische Lehrerinnen scheint in den Kreisen der Glaubensgenoffen mit wärmster Sympathie ausgenommen worden zu sein. Obwohl Frl. Münchhausen selbst, seit nahezu acht Jahren, unermüdlich für ihr edles Ziel wirkt, ist ein größerer Interessentenkreis erst seit einem halben Jahre zur Mitarbeiterschaft gewonnen. Es heißt, eine gute Sache empfiehlt sich von selbst, und nach dem Erfolg zu schließen, muß das Heim als ein wirklich gutes Werk aufgefaßt werden. Dicht in der Nähe Berlins, im besten Theil des hübschen Vorortes Steglitz, ist eine ungemein anheimelnde Wohnung gemiethet, die am ersten Oktober dieses Jahres ihre Thüren vorerst für sechs würdige Damen öffnen wird. Es ist in dieser Form wenigstens ein Anfang gemacht, denn noch reichen die Mittel nicht weiter. Bei der bedeutenden Anzahl weiblicher Lehrkräfte, deren Lebensabend trotz allen Fleißes der Noth preisgegeben bleibt, ist ein großer Zudrang zu gewärtigen. Deßhalb muß opferfreudige Güte das schöne Werk noch weiter fördern Helsen. Man hat die Altersgrenze für die Aufnahme auf 55 Jahre fetztgesctzt und den eintretenden Damen ist bei einer Anzahlung von 500 Mark ein angenehmes Heim er schloffen. Es wird viele heimliche Seufzer verstummen lassen und nach reicher Arbeit ein würdiges Alter gewähren. Wir wollen diesen Apell an alle Menschenfreunde ergehen lassen, daß sie auch hier helfen kommen, wo noch Hilfe dringend von Nöthen ist. Büna Cohn. Fürth, pbz vn>. Soeben, kurz vor p'r, hat sich das Grab über der Leiche eines Mannes geschlossen, dessen Andenken in den religiösen Kreisen der hiesigen Gemeinde allezeit das Bewußtsein schmerzlichen Verlustes wachrufen wird. — Herr Max Naumburger >1, ein in Gesinnung undThat wahrhafter '-nn', ist im Alter von 61 Jahren rasch und unerwartet aus dem Leben geschieden, das für ihn in jeder Beziehung ein Wandeln its”n -pm war. — Der in voller geistiger und körperlicher Frische zu früh Dahingegangene versah lange Jahre hindurch neben seiner geschäftlichen Thätigkeit die Stelle eines w an der Synagoge des hiesigen Waisenhauses mit seltenem Eifer, und als spätere jüngere Kräfte den in seiner öffentlichen Wirksamkeit hochverdienten Mann ablösten, da ließ er es sich nicht nehmen, an den cnr regelmäßig, und auch sonst, wenn das Bedürfniß hervortrat, für «nann '-irr in uneigennützigster Weife thatkräftig einzutreten. Herr Naumburger zählte zu den auch in unserer Gemeinde immer seltener werdenden Männern, denen «»iwt mrv*, jrtntp rB«n rvc Lebensgewohnheit und Bedürfniß war. Noch der Abend vor seinem Tode sah ihn im Gotteshause, dessen Besucher den Verlust des wackeren Mannes besonders schmerzlich empfinden. Aber auch wer sonst mit dem Verblichenen in näherem Verkehr stand, dem werden das von *n rwv getragene Wesen, die lautere Gesinnung und der aufrichtige Charakter desselben unvergeßlich bleiben. — Von der großen Beliebtheit des Verstorbenen legte die zahlreiche Vetheiligung an feiner irrt» Zeugniß ab. Möge die Aufrichtigkeit seines Denkens und Handelns, die der Heimgegangene im bescheidenen Lebenskreise offenbarte, Vorbild für alle sein, die für das Wohl der Gemeinde zu sorgen sich berufen fühlen. n-awn. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Boryslaw. Die Noth der Arbeiter in den Petroleum- und Erdwachsgruben in Boryslaw droht gefährliche Dimensionen anzunehmen. An 4500 christliche und jüdische Arbeiter gehen, falls nicht bald Hilfe beschafft wird, dem größten Elende und der Hungersnoth entgegen. Die von verschiedenen Seiten betriebenen Privatsammlungen reichen bei weitem nicht aus, auch nur den Hunger dieser Tausende von Unglücklichen, die ihre Arbeit verloren haben, zu stillen. Abg. Dr. v. Rappap ort, der bei der Hilfsaction für die Unglücklichen eine sehr dankenswerthe Thätigkeit entwickelt, sprach gestern beim Minister-Präsidenten Thun vor, um die Regierung auf diese unglücklichen Arbeiterfamilien aufmerksam zu machen und unter Darlegung der höchst bedauerlichen localen Verhältnisse die Hilfe des Staates für sie in Anspruch zu nehmen, die sich als höchst dringlich erweist. Es müßte versucht werden, für einen Theil dieser Grubenarbeiter an anderen Orten Arbeit zu beschaffen und für Jene, die Boryslaw zu verlassen nicht in der Lage sind, eine andere Verwendung zu finden. Der Minister-Präsident nahm diese Darlegung und das ihm unterbreitete Material mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntniß und sagte zu, die Angelegenheit einer eingehenden Prüfung unterziehen zu lassen. (Von den von uns gesammelten Geldern haben wir am 31. Mai Mk. 600. — an Herrn Dr. Salz in Tarnow und den Rest von M. 114.—