Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-06-26 · Heft 50 (26.6.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 50 (26.6.1899)
Date
1899-06-26
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448999--48531-2498946
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

967 Beratherin, im Hinblick auf die er seine Schüler unsere Schüler nannte, und deren frühen Verlust er nie verwinden konnte. Diesen Gram hat er mit Heldenstärke niedergerungen, um ungeschwächt den zahlreichen großen Aufgaben gerecht werden zu können, die er sich gesetzt. Sein Wille war stark genug, um selbst den Schmerz zu meistern, doch seine Körperkraft reichte auf die Dauer für diesen stillen, innern, aufreibenden Kampf nicht aus. Vier Jahre nach dem Tode der unvergeßlichen Frau Henriette bv wurde unser Lehrer auf's Krankenlager geworfen. Als er sich vom Lager wieder erhob, war er gealtert. Wenige Jahre dann und unsere Sonne begann unterzugehen. Langsam aber unaufhaltsam verdichteten sich die Schatten des Abends, bis denn jetzt die schwarze trostlose Nacht über uns hereingebrochen ist. — Lernen wir von unserem starken Rabbi, den wir unseren trauten Freund nennen durften. Die Klage cnm „Wie sind die Helden gefallen," darf uns nicht allzusehr niederbeugen. Sein unbeugsamer Heldensinn, sein unvergleichliches Gottvertrauen möge auf uns übergehen, damit wir die verloren gegangenen '^2, die Geräthe des Krieges, die Waffen für den Kampf um's Höchste im Menschendasein, die seiner Hand entsunken sind, wieder auffinden und nach seiner Art führen lernen, u'to jr Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Berlin, 20. Juni. Die Louisenstädtische Brüdergemeinde „Ahabath reim“ hat durch den plötzlichen Tod ihres Ehrenmitgliedes Hermann Egers einen schweren Verlust erlitten. Derselbe war ein Bruder des als Jbn-Esra-Forscher noch in guter Erinnerung stehenden Gelehrten Dr. Jakob Egers. Hermann Egers hat sich um die Hebung des religiösen Sinnes bei der jüdischen Einwohnerschaft im Süden Berlins sehr verdient gemacht. Er war wie die „Allgem. Zeitung des Judenthums" berichtet, Mitbegründer des Louisenstädtischen Brüdervereins und länger als ein Vierteljahrhundert dessen hervorragendstes Vorstandsmitglied. Zu einer Zeit, als das religiöse Leben in jenem Stadttheil schwer darniederlag, trat er mit anderen warmsühlenden Männern zur Bildung eines Religionsvereins zusammen, der unter seiner Leitung zu hoher Blüthe kam. Die Religionsschule dieser Gemeinde ist die größte aller Privatgemeinden. Von Beruf Kaufmann, fand Egers in der Erfüllung seiner Geschäftpflichten kein volles Genügen Er war ein seingebildeter Mann, der modernes Denken und jüdisches Empfinden aufs glücklichste vereinigte. Mit regem Sinn verfolgte er verständnißvoll alle literarischen und wissen» schaftlichen Arbeiten unserer Tage. Die tiefste Neigung bewahrte er von Jugend auf der jüdischen Literatur. Es gab kaum eine Veröffentlichung in dieser Sphäre, die er nicht als einer der Ersten gelesen haben mußte. Der Tod eines solchen Mannes hinterläßt eine klaffende Lücke, die schwerlich von einem Anderen ausgesüllt werden kann. Seine Beerdigung legte Zeugniß für die Hochachtung ab, die er in weiten Kreisen genoß. Prediger Bleichrode widmete ihm einen tiefempfundenen Nachruf, in dem das ideale Streben, die lautere Gesinnung und die rührende Friedensliebe des Heimgegangenen in lebhaften Worten geschildert wurde. Er ruhe sanft! Berlin. Nach langem Leiden ist, wie die „Jsr. Rundschau" meldet, vor einigen Tagen im Alter von 59 Jahren Herr Dr. Michael Rawitzki gestorben. Sein Hinscheiden hat überall tiefe Trauer hervorgerufen. Nicht nur den pflichttreuen hochbegabten Arzt, den liebenswürdigen Freund und Helfer, den wackeren ehrenhaften Charakter beklagen wir in dem Dahingegangenen, sondern ganz besonders den glaubensstarken, streng gesetzestreuen Jehudi, dem das jüdische Schriftthum nicht minder vertraut und geläufig war, wie seine Berufswiffenschast. Dr. Rawitzki war ein sichtbarer Gegenbeweis für diejenigen, welche die irrige Meinung verbreiten, daß weltliche» Wissen, insbesondere die nüchtern rationalistische Heilkunde, im Widerspruch stehe mit religiösem Glauben und unverbrüchlichem Festhalten an Ritual und Zeremoniell. Nicht häufig sind leiber diese Männer, in denen Heiliges und Profane» zu solch' inniger Harmonie vereinigt sich vorfindet, und um so schmerzlicher ist daher ein solcher Verlust. Da» Andenken dieses Gerechten wird darum in der Erinnerung Aller fortleben für und für. Leipzig, LI. Juni. Ueber das Schächten hat jetzt Pfarrer Fr. Weichmann eine Broschüre veröffentlicht (Leipzig, I. C. Hinrichs), die der bekannte Prof. I). Dr. Herrn L. Strack folgendermaßen einleitet: „Für eine Hauptpflicht Dessen, der zur christlichen Religion sich bekennt, habe ich stets da» Neben von Gerechtigkeit gehalten. Wir neunen unsre Religion die Religion der Liebe. Wahre Liebe ohne Gerechtigkeit ist unmöglich; wer nicht Gerechtigkeit zu bethätigen sucht, hat keine wahre Liebe. Und weiter : Wer nicht ernstes Streben nach Gerechtigkeit als bei uns vorhanden erkennt, wird und kann nicht an unsere Liebe glauben. Daher haben wir die Pflicht, die Gedankenwelt anderer Einzelpersonen, Völker und Religionen kennen zu lernen, um sie, auch wenn oder gerade wenn wir sie nicht zu der unsrigen machen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.