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Der Israelit · 1899-06-22 · Heft 49 (22.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 49 (22.6.1899)
Date
1899-06-22
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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951 Witkowski, Herr Hugo Deutsch resp. HerrM. Metzenberg eintreten. Es folgen Bewilligungen bezw. Nachbewilligungen von Ausgaben. Zur Entsendung von Zöglingen des II. Waisenhauses in Ferien-Colonien werden 600 Mk. genehmigt, zur Herstellung einer Badestube in der Kastellanswohnung in der Lützowstraße 16 150 Mk., zu Neuanschaffungen von Inventar und Kleidungsstücken im II. Waisenhause 1525 Mk. — Zu baulichen Veränderungen in der Synagoge Oranienburgerstraße (Die Thüren müssen laut polizeilicher Verordnung nach außen aufschlagen) werden 3380 Mk. 30 Pf. bewilligt, dem Fortbildungsverein Montefiore, besten Förderung wir auch an dieser Stelle den Anhängern des gesetzestreuen Judenthums an das Herz legen, wird eine Subvention von 300 M. vom 1. Juli ab, auf ein Jahr gewährt. — Die Zinsen de« festen Fonds des II. Waisenhauses werden dem Kapital zugeschlagen. — Es folgen Rechnungsabschlüsse pro 1898/99. Der Rechnungsabschluß der alten Synagoge ergiebt einen Minderverbrauch von 1892 Mk. 91 Pfg., der Synagoge Kaiserstraße einen Minderverbrauch von 3122 M. 40 Pfg., des Reichenheim'schen Waisenhauses von 12'io M. 69 Pfg., der Waisen - Kommission von 5182 M. 52 Pfg. Damit schloß die öffentliche Sitzung. Heil uns, daß es uns nicht vergönnt war, der geheimen beizuwohnrn! Stratzvrrrg i. Elf (Skizzen von der Beerdigung des Oberrabbiners.) Jüngsten Sonntag führte mich eine Geschäftsreise nach Straßburg. Ich kam Vormittags an und traf alle meine Bekannten, nur von einem Gedanken beherrscht, an das Hinscheiden des noch im schönsten Mannesalter stehenden Oberrabbiners. Die auf den Nachmittag anberaumte Beerdigung bildete das allgemeine Gesprächsthema. Um die raa von ran nvbn zu erfüllen und, ich will offen sein, auch um mir die elsässischen Rabbiner und Honoratioren anzusehen, fand ich mich um 3 Uhr, mit Cylinder und Glaces bewaffnet, vor dem Trauerhause ein, wo sich eine große Volksmenge von Gaffern und Betheiligten angesammelt hatte. Hier will ich meine kritischen Bemerkungen anknüpfen, die ein Streiflicht auf die religiösen Zustände unserer elsässischen Glaubensgenossen werfen sollen. Es wird es jeder Leser menschlich finden, daß ich mich bei Ortskundigen, die neben mir standen, nach den Namen der einzelnen Persönlichkeiten erkundigte, die, aus dem Troß der gewöhnlichen Sterblichen hervorragend, mit eiligen Schritten im Portal des Trauerhauseverschwanden, und da erfuhr ich zu meinem nicht geringen Erstaunen, daß auch ouro ungeniert ihrer nrro irv in das ncn bnx eintraten und zwar — es klingt fast unglaublich — c\i7n und Dncrw 1 Es war dies ein alter Herr, srw in Saarburg, ferner einer der a’atn von Straßburg selbst und der smp von Niederrödern, der behauptete, sein Rabbiner habe es ihm erlaubt (!). Auch der erstgenannte wurde von einem Rabbiner zur Rede gestellt, daß er als pa in das Trauerhau» gekommen, und antwortete darauf klassisch mit dem einzigen Worte: iwira! Der Mann ist pn und tsm?! Kommentar überflüssig. — Gehen wir weiter! In imposantem Trauerzuge wurde da» re nach der Orgelsynagoge gebracht. In dieser soll — ich selbst ging trotz des Beispiels fast sämmtlicher orthodoxer Rabbiner nicht hinein — ein Psalm von Orgel und Chor aufgeführt und von Oberrabbiner Weil aus Kolmar eine Rede gehalten worden sein. Nach Schluß der Trauerfeier schloß ich mich dem Zuge wieder an, der sich nun zum bewegte. Dort sprach zunächst Oberrabbiner Ury aus Metz, aus dessen Rede ich nur hervorheben will, daß er dem verstorbenen Oberrabbiner nachrühmte, als sein Vorgänger in Metz ihm den Weg gebahnt zu haben, indem er in der Gemeinde Metz Einheit im religiösen Denken herbeiführt. Man überlege sich, welche Blasphemie! Mit dem Metz vor hundert Jahren wo ein 'in nm Rabbiner war und Tag und Nacht nnw gelernt wurde, wo kein Haus war, in dem nicht und ">vn weilte, mit diesem Metz vergleiche man das heutige mit seinem öffentlichen rav wn und man wird mit Entsetzen begreifen, was unter dieser Einheit im religiösen Denken zu verstehen ist. Dieselbe Tendenz lag in der Leichenrede des Präsidenten der Bnebrith-Loge, welcher der Oberrabbiner angehört hatte, und wir finden es nach Anhörung derselben noch unverständlicher als früher, daß auch orthodoxe Juden mit solchen wiev in einem Vereine zusammen sind. Doch ich will nicht schließen, ohne dem Oberrabbiner ein gutes Wort nachgesagt zu haben. Der Verstorbene war die Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit in persona. Jeder wurde von ihm gut ausgenommen, selbst die ihm religiös diametral entgegengestanden; jeden, das hörte ich ihm oft nachrühmen, suchte er zufriedenzustellen und selbst orthodoxen Rabbinern stand er mit Rath und Thal bei und stellte ihnen seinen Einfluß zur Verfügung. Von Intoleranz, wie sie so häufig neologe Herren, die im Besitze der Macht sind, zeigen, hatte er keine Spur in sich, er war ein Anbeter de» Friedens! rvaxan. Eßlingen (Württemberg), 16. Juni. Ein Leichenzua, wie ihn die Stadt Eßlingen noch selten gesehen, bewegte sich heute durch unsere Straßen. G» wurde die irdische Hülle des überall hochgeschätzten und sehr beliebten Oberlehrer» und Waisenvaters Leopold Stern, gebürtig aus Oberdorf bei Bopfingen, welcher plötzlich in Folge eines Herzschlags, im Alter von 54 Jahren gestorben, zu Grabe getragen. Das große Ehrengeleite, welches dem überaus gewissenhaften und pflichtgetreuen tüchtigen Beamten von seinen Vorgesetzten Behörden, seinen vielen i-rae-

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