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Der Israelit · 1899-06-22 · Heft 49 (22.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 49 (22.6.1899)
Date
1899-06-22
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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9S2 litlschen und christlichen Kollegen, früheren Schülern, Freunden und Bekannten von Nah und Fern gegeben wurde, lieferte den schönsten Beweis, in welch hoher Achtung der sanft Entschlafene gestanden. Dem imposanten Leichenzug schloffen sich außer den städtischen Beamten auch das Rektorat des Kgl. Schullehrerseminars und der Präparandenanftalt Eßlingen nebst den Herren Lehrern, Seminaristen und Präparanden an. Die h. Kgl. Israel. Oberkirchenbehörde war durch ihr theologisches Mitglied Sr. Ehrwürden Herrn Kirchenrath Dr. Kroner vertreten. In tiefster Trauer versunken, folgten die Waisenkinder der Wilhelmspflege Eßlingen hinter dem Sarge, denen der Verblichene ein zweiter Vater gewesen. Die erhebende Leichenrede hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. S t ö s e l—Stuttgart. Unter Zugrundelegung des Bibelsatzes „wohl dem Manne, der Weisheit gefunden", schilderte der tüchtige Redner den sanft Entschlafenen als einen Mann von gediegenem Wissen, edlem und segensreichen Wirken und Schaffen in und außerhalb seines verantwortungsvollen Berufes, als einen liebevollen und zärtlichen Gatten und guten Vater, als einen Mann biederenfesten und edlen Charakters. Herr K>rchenrath Dr. Kroner—Stuttgart, sprach im Namen der Kgl. Israel. Oberkirchenbehörde dem viel zu früh dahingeschiedenen Meister der Schule für seine großen Verdienste, welche sich der Verblichene auf dem Gebiete der Pädagogik, speziell auf dem Gebiete de- Religionsunterrichts erworben, in wahren Perlen der Rhetorik seinen wärmsten Dank aus. Im Namen der Wilhelmspflege Eßlingen zollte deren Vorstand, HerrM. H. Goldschmidt—Stuttgart, dem treuen Waisenvater für seine 26jährige aufopfernde Thätigkeit wohlverdiente Worte des Dankes und der vollen Anerkennung. Herr Seminarrektor G u n d e r t— Eßlingen, dankte dem verewigten Oberlehrer Stern für seinen segensreichen Unterricht, welchen er in den religiösen Fächern den israelitischen Seminaristen und Präparanden zu theil werden ließ. Im Namen des Volksschullehrervereins sprach Lehrer Wagner, Eßlingen, im Namen des israelitischen Lehrervereins, deffen Vorstand der Verewigte eine lange Reihe von Jahren war, Lehrer Schmal—Ludwigsburg und im Namen seiner Promotion Lehrer H ä h n l e i n— Schwäb.-Hall. A. in A. Personalien. ReckArvischofsheim, 18. Juni. Am letzten Dienstag, non 'n, verschied nach kurzem Kranksein das älteste Mitglied unserer Gemeinde, Herr Aron Daniel Bär im 92. Jahre seines Lebens. Mit ihm hat seine Familie ihr theures, treubesorgtes Haupt, seine Gemeinde ihr treue- Mitglied, da- Judenthum einen überzeugten, von der Wahrheit seiner Lehren im Sinne der altüberlieferten Tradition tief durchdrungenen Sohn verloren. Zum Theil aus weiter Ferne waren Verwandle und Freunde des Entschlafenen herbeigeeilt, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die hiesigen Einwohner, ohne Unterschied des Glaubens, folgten in sehr großer Zahl seinem Sarge, u. A. die beiden evangelischen Ortsgeistlichen, die Lehrer, der Bürgermeister. Alle schätzten sie an dem Verblichenen, der, wie selten einer, hervorragende Güter des Geistes und des GemütheS in sich vereinigte, die Geradheit und Aufrichtigkeit seines Wesens, seinen Edelsinn und seine Charakterfestigkeit. Bis zum letzten Tage feines gotthesnadeten Lebens beschäftigte er sich in völliger Frische deS Geistes mit allen Vorgängen im Leben seiner Familie und der Gesammthett. Alles, was das Judenthum anging, hatte in ihm einen aufmerksamen Beobachter, dessen klare, verftandsfcharfe Meinungsäußerungen den Hörer ungemein fesseln mußten. Als guter Sohn seines Volkes erfüllten ihn alle Bestrebungen mit tiefem Schmerze, die darauf hinzielten, mit dem echten, unverfälschten Judenthume zu brechen. Unvergeßlich werden jedem feiner Bekannten, der das Glück hatte, ihn erzählen zu hören, die dabei verlebten Stunden bleiben; leuchtenden Ailges berichtete der theuere Greis n"j/ noch häufig in den jüngsten Tage« seines Lebens von dem Judenthum früherer Tage, von seinen ihm so theueren Lehrern, unter denen er die hiesigen Rabbiner, Rabbi Moscheh Bamberger und Rabbi Koppel Bam berger 7"Lt, den nachnialigen Wormser Raw, nannte. Ein halbes Jahrhundert hatte er das Glück in seiner Gemeinde als Bak Tokeah zu fungiren, und viele Jahre war er am m und D"’. Jeder, der ihn hierbei beobachten konnte, war tief ergriffen von der Ehrfurcht und dem heiligen Eifer, der ihn erfüllte. Verstummt ist für immer der liederreiche Mund, dem die uralten, anheimelnden Melodien seine- Volkes so geläufig waren. Bei der Beerdigung gab der stellvertretende Rabbiner des Bezirks, Herr Dr. Eschelbacher, Bruchsal, in schönen Worten dem Verluste beredten Ausdruck, den alle erlitten, die ihn gekannt haben. Was sterblich war an ihm, ist nicht mehr, seine Seele aber wird im py p des Lohnes theilhaftig werden, die nach der Lehre unseres Volkes allen Gerechten dort zu Theil wird, rr'ayjn 8. F. Briefkasten der Redaetion. Rhenus: 1. Eine derartige Stiftung ist uns nicht be kannt. Sind Sie nicht Mitglied der Achawa? 2. l. Rov. 1886 gleich 3. Ehefchwan 5647. Wenn der Junge am 1. Nov. bei Tag geboren wurde, ist die Sidra nj, bei Nacht *]7 ”]7. A. H. in ft.: 3. Oktober 1886 gleich 4. Tischri 5647. Tie Sidra ist N A.: Poetische Ergüsse nehnien wir, wie Sie bei der Lektüre unseres Blattegewiß schon beobachtet haben werden, nur in den seltensten Fällen auf und nur hervorragende Leistungen, wir lehnen daher dankend ab. H. B.: Wir möchten aus verschiedenen Gründen die Diskussion über diesen Gegenstand nicht wieder aufnehmen. Briefkasten der Expedition. 9t. R: Betrag von Mk. 10,50 dankend empfangen. WWf* Die Beilage der „Sprüche der Bitter" in Buchform mutz wegen Raummangel heute zurückgestellt werden. Red. d. Jsr.

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