Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 49 (22.6.1899)
- Date
- 1899-06-22
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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n Jahrgang. Erste Srilage,» M 49 des »Israelit". Dr. Israel Hildesheimer JTJ* Die Trauerfeier in -err Gemeinden. Hamburg, 18. Juni. Heute Sonntag,' Nachmittag 7 Uhr, fand in der großen Synagoge Kohlhöfen eine erhebende Trauerkundgebung für den dahingeschiedenen Rabb. Dr. Israel Hildesheimer sn statt. Trotz des schönen Wetters, welches insbesondere heute am letzten Sonntag vor den „Drei Wochen" Vielen zu Ausflügen Veranlassung gegeben, war die Synagoge schon vor der festgesetzten Zeit voll besetzt. Nach nmv trug der Oberchasen Herr Dreiblatt nros a«n' in würdig ergreifender Weise vor. Dann bestieg unter feierlicher Ruhe der Oberrabbiner die Kanzel, den nacn mit dem Verse jwim kn ist sjid beginnend vtwfö rx pywö kn cnx inan pjid. Der Redner schilderte in seiner meisterlichen Weise, wie die Welt selbst große Männer erst nach deren Ableben voll anerkennt und richtig beurtheilt; so erzählt uns auch der Talmud, daß beim Ableben unseres Stammvaters crrox sich alle Fürsten und große Männer zusammenfanden und ausriefen ''x ',;i -aus' nz'vob :x im» nsx» oSiyS „Wehe der Welt, sie hat ihren Fürsten verloren, wehe dem Schiffe, es hat seinen Steuermann verloren!" worauf die Frage aufgeworfen wird: „Ist denn der Weltenführer nicht mehr als der Schiffsführer, weshalb denn der zweite Ausruf, der doch den ersten zu übertreffen pflegt?" Die Erörterung dieser Frage, machte der verehrte Redner zur Basis seiner Trauerrede. Einer unserer Weisen deutet den Vers: vemn nin m, jedes Zeitalter habe den Führer, den es verdiene, während ein anderer meint, der Führer beeinflusse und bestimme das Zeitalter. Der Redner verstand es, diese beiden, anscheinend entgegengesetzten Meinungen, als sich ergänzend zu erklären. Wie Awrohom erkannt hatte, daß sein Zeitalter in Nacht und Finsterniß versinken und so unterzugehen drohe, da schaffte er sich mit kleinen Anfängen ein Neues nt?x PBjn nxi uro 'i'b' iaw nx p*m — pra wv, er baute sich sein Schiff, versah es mit Mannschaft, denen er zum Führer wurde, ihnen Anweisungen ertheilte, wie man sich und andere zur Zeit der Gefahr, wenn die Wogen hochgingen und der Abgrund sich austhue, erhalten könne. Damit gelang es ihm, viele vor dem Untergänge zu erretten, die sich ihm mit Hingebung anschlossen, deßhalb konnten die Großen seiner Zeit ausrufen nytob ix nbtsh ix. Gleich wsx orrox war das Leben und Wirken unseres allverehrten Bin pxm y: w'noiH'rn bxnw nur», er war ein Führer gegen die Verführer, ein Erretter den Untergehenden, seinem Wirken war es zu danken, daß die Nacht sich aufthat kH pbnv und überall Licht verbreitet wurde. Aber auch in seiner Eilfertigkeit und Un* Verdrossenheit, in seiner Ausdauer und Energie, glich er unserem Stammvater dttqx men —’npm tamaxoaem. Wie hat Hildesheimer es verstanden, die bjm anj zu begeistern, ihnen das manchmal enge Herz zu erweitern, daß sie freudig beistanden, das allein von ihm Geschaffene gemeinsam zu erhalten, so versammelten sich denn auch die rrnw 'iv> und oyn um Zeugniß abzulegen von der Größe und dem segensreichen Wirken dieses hervorragenden Führers in bxnv" n^tcb nx i:hjd nzsy cbwb ix. Mit Recht konnte man auf ihn anwenden nnm bv kixa — knxs tw n nnx. Den Brunnen, den er gegraben, den auSgehölt die Edlen des Volkes vom Gesetze geschützt, nmvn 1x2 orvoytraa ppincn cm an: nrö onr er wird nicht versiegen, das Institut, das er geschaffen, es wird Hiwis weiter segensreich wirken und somit wird am besten sein Andenken geehrt und hochgehalten werden. Es ist selbstverständlich, daß Vorstehendes nur als ein dürftiger Auszug von dem ausgezeichnet schönen und inhaltsreichen, wie nicht minder ergreifenden Trauervortrage betrachtet werden möge, da es kaum möglich, die zahlreichen und umfangreichen Talmud- und Midraschcitate aus dem Gedächtniß wiederzugeben. Den vielen Schülern und Verehrern des mB;n Bin wäre es gewiß willkommen, wenn dieser nvvn im Druck erschiene. — Unmittelbar nafy Beendigung der Rede intonirte der Oberchasan, Herr Süßkind, B'am xk b* in ergreifender Weise, wobei seine selten schöne Tenorstimme zur vollen Geltung gelangte. naiv nkn und Schluß 8*/, Uhr. Hamburg. 18. Juni. Auch in der „Reuen Dammthor Synagoge" nahm Herr Rabbiner Dr. Grunwald Veranlassung, das Andenken des entschlafenen Rabbiner D-'. Hildesheimer zu ehren. In einer glänzenden Rede, die mit geistreichen Midraschim und gut angewandten Bildern durchleuchtet war, zeichnete er die so erfolgreiche Zusammenwirkung der beiden hervorragendsten Eigenschaften des Heimgegangenen Meisters, die der Jugendbildung und die des Wohlthuns. Die Rede, die mit einem Gebet für den Verstorbenen schloß, verfehlte nicht, einen tiefen Eindruck auf die Besucher der Synagoge zu machen. Marburg (Hessen), 18. Juni. Da» Hinscheiden des großen Mannes in Israel, R. Israel Hildesheimer b'D, hat für unsere Gemeinde eine mehr als allgemeine Bedeutung. Wir denken hier nicht allein an den unersetzlichen Verlust, den der