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Der Israelit · 1899-06-19 · Heft 48 (19.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 48 (19.6.1899)
Date
1899-06-19
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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934 Zweige Nahrung saugen und die mit besonderer Sorgfalt gehegt und gepflegt wurde. Meine Freunde! Ein Fürst auf allen Gebieten wie kaum einer je zu finden war, ist lins entrissen worden und wenn wir uns hier versammelt haben, um uns an diesem Musterbilde von jüdischer Größe Belehrung für unser Leben undWtzke» jtt suchen, wer vermag so wie er in so hervorragendem Weste eine fast übermenschliche Thätigkeit zu entfalten, wer stvjmqg so wie er in beispielloser Bescheidenheit seine Größe zu verbergen, wer vermag in der vordersten Reihe zu Achen, um unS zu bewachen und zu beschützen, seinen rahlrÄchen Schülern Lehrer, Freund, Vater und Wohlthäter zu sejn?' Wir müssen matt die Hände sinken lassen, wenn wir versuchen wollen, ihm nachzustreben. Nur seinen Hauptstandpünkt lassen Sie.mich bezeichnen, um zu lehren, ähnlich .wie er, wenn auch nicht in gleicher Weise thätig zu sein. Im Seminar war seine Hauptthätigkeit zu suchen. Bei aller rastlosen Thätigkeit für alle Zweige war doch stets sein Laupjaugemerk aus seine Schüler gerichtet. Hier ist die Wumel seiner beispiel-losen Wirksamkeit zu suchen. Hier nmssen wir verwesten, wenn wir uns ihn als Muster nehmen wollen. Er hat es selbst bei der Eröffnung des Rabbinerseminars ausgesprochen, daß die Lehrthätigkeit den Schwiüyünkt süne-Leben-beruses bilde. Dieser Thätigkeit zu Liebs verließ er die Heimath und folgte dem Rufe, und der dringenden Bitte seiner Verwandten und Freunde, sie nicht zu verlassen, gab er zur Antwort: „Die Wünsche und Interessen de- Einzelnen müssen stetvor den Interessen der Mehrheit oder gar der Gesammtheit zurücktreten." So kam er nach einem Lande, wo die Thora bereitin den Hintergrund gedrängt war durch die modernen Bestrebungen. Er schuf eine Vermittlung zwischen denen, welche durch gänzliche Hingabe an die neuzeitlichen Bestrebungen bereits abgestorben waren, und den treuen Anhängern des Juden- Ihutt^ Er zeigte selbst und leitete mit unermüdlicher Ausdauer feine Schüler, wissenschaftlicher Streben mit strengem, gesetze-treuen Leben zu vereinigen. Aber nicht nur das, auch diejenigen, die dem Tode verfallen waren, hat er wieder zu neuem Leben erweckt. Jur Midrasch find die Mittel angegeben, durch welche er wirkte. Sein ganze- Leben, nicht nur int Lehrhause, sondern auch inmitten seiner Frunde und seiner Famile war die Bethätigung des göttlichen Willen-. Der wahre Lehrer J-raeldarf sich nicht im Familienkreise anders zeigen, »ie auf der Kanzel. Es ist nicht nur Thauro dasjenige, waer im Lehrhause lehrt, sondern Alles, waer spricht und was er thut. Ein solcher Mann war unser Rabbi, er war stetdarauf bedacht. ni<bts von dem, was er that, hatte einen audern Zweck. Erschien etwa-, oberflächlich betrachtet, nicht al- Thauro, man brauchte nur zu fuchim und man fand darin die göttliche Belehrung. Er seufzt« «egen der Ehre Israels. Das Heil des gesammten J-rael lag ihm stetam Herzen. Meine Freunde! Der Jünger der Thora soll sich nicht in feine Studlerstub« einschlteßen. so lehrte unser Meister. Er soll in der vordersten Reihe stehen. Die Erfahrung hat gezeigt, wie unser Rabbi in seiner Schule die Macht und Kraft gewonnen hat, stets in der vordersten Reihe der Kämpfer zu streiten. Zahlreiche Schüler wirkten und wirken noch im Sinne und der Lehre unsere- Meisters. Auch sie sind gleich ihrem Lehrer wiederbelebend geworden für den jüdischen Geist, wo er bereits abgestorben war. Das dritte, wodurch unser Rabbi gewirkt hat, ist seine Wunderkraft, die ihn in Liebe und Freundschaft mit seinen Schüsse» und Freunden verband. Er liebte sie, wie ein Vatu seine Kinder liebte; tote er stets ihrer Roth abzuhelfen oereÜ war, das kann Niemand sich vorstellen, der enicht selbst erlebt hat. Wie könnte jemand, der eS nicht gesehen, über diese herrliche Naturerscheinung Zeugniß adlegen. Ich dachte, noch lange wird der Tod keine Macht haben über ihn, nun, da es anders gekommen ist, rufe ich klagend aus: vstnsi ddi ’jn ’JN Wir haben mit unserem Rabbi zugleich unseren Vater verloren. Diese hell leuchtende, lichtspendende Thatkraft, wo werden wir sie finden, was könnte uns Ersatz dafür bieten? Auf wen anderals auf dich, o Gott, können wir jetzt vertrauen! Dtl hast uns deine Gnade bereits gezeigt, daß du uns nicht auf einmal das Licht dieses leuchtenden Gestirns entzogen hast. Wir ständen sonst in finsterer Nacht rathles da, wäre uns auf einmal diese Leuchte entzogen worden. Wir vertrauen auf dich, daß du uns beziehen wirst auch ferner in seinem Geiste." Dann ergriff Herr Rabbiner Dr. Au erb ach—Halberstadt das Wort, um im Namen des Kuratoriums des Rabbinerseminars in wenigen innigen Worten dem Aus druck zu geben, was die Mitglieder des Kuratoriums und die Gesammtheit Israels in dieser Stunde empfinden müssen hinsichtlich der Thätigkeit, der der Verklärte nmtmehr entrückt sei. Als der kostbarste Stein, so führte er etwa aus, habe in der Krone der Anerkennung bereitsein Wirken für das Rabbinerseminar hervorgeleuchtet. Er sei nicht nur der Schöpfer des Seminar- und dessen Erhalter gewesen, er sei nicht nur der Schöpfer der Idee gewesen, sondern auch der praktische Ausführer derselben. Nur er vermochte die Mittel zur Gründung und Erhaltung dieses grandiosen Werkes herbeizuschaffen, nur er, der durch seinen begeisterten und begeisternden Einfluß dte Herzen wachrief, und die Hände herbeilockt'', um sie zum Mitwirken zu veranlassen. In ihm sei vereinigt gewesen Idee und Thal, Plan und Ausführung, erhabenster Standpunkt und unermüdliche Kleinarbeit zur Herbeischaffung der nothwendigen Mittel. Die schwachen Mithelfer an dem großen Werke konnten ihn nur bewundern, seine Vielseitigkeit erkennen, die praktische Belehrung neben der Größe seines Geiste-, und konnten sich sagen, daß sie ihm auch nur zu folgen nicht im Stande seien. „Sein Werk ist unser Werk, so können wir sagen, unser, für uns gemacht. Denn er war unser, wird zunächst das Rabbinerseminar uttd Kuratoriunt mit stolzem Bewußtsein sagen können." Niemand habe es, so wie er verstanden, Theorie und Praxis anszugleichen. Nur, wer die größte Bescheidenheit und Demuth habe, könne es zu einer solchen Größe bringen. In dem Augenblick, wo sich alle zum Abschied von der theureu Hülle rüsten, rufe er alle Freunde im Kuratorium und allenjGönnern und Freunden deS Seminars, insbesondere allen Schülern des Rabbi hagodaul ztrr Erinnerung und Belehrung daS Wort zu: „Manschetstirbt als Diener Gottes, aber er lebt als der große und größte Meister und Lehrer." Sterben könne auch unser Rabbi und doch sebe er fort und fort als der große Lehrer und Meister, wie er den Anfang der Begeisterung zur Gotteslehre bilde, wie er das unerreichte Muster im Sinne Gottes sei. Das kostbarste Vermächtniß. das der Rabbi hinterlassen, das Rabbinerseminar, werde an dem erstarken, was er als Beispiel vorgelegt und vorgelehrt. Möge sein Geist sich als die helfende und fördernde und zur Ausdauer führende Kraft erweisen, welche das Rabbinerseminar bisher durch feine That erfahren, die es aber in erhöhtem Maße und vor allem der göttlichen Gnade und Hilfe verdanke. Als letzter Redner bei der Synagoge,tfeier sprach Herr Rabbinatsassefsor Dr. Btb erfeld im Namen der Schüler des Seminars wenige Worte des Nachrufes. Er betonte, daß kein Opfer sich mit dem messen könne, was die Schüler heute darbrächtenwas sollte er auch sagen, könne doch die Ehre de- Dahingegangenen nicht durch Worte erhöht oder vergrößert werden. Aber ein Wort des Dankemüsse er Nachrufen für das, was der theure Rabbi den Schülern gewesen sei, dessen Unersetzlichkeit ihnen nun klar werde. Gott müsse er Dank sagen für den unverdienten Chessed,

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