Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 48 (19.6.1899)
- Date
- 1899-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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XI«. Iahrg<mtz. BrUlrge zu M 48 -es „Israelit". Leitender Artikel. Sur ffldjtntirpnciiilf] 8t. |snrt PDfsbtimtr (Fortsetznng.) s. Berlin, 15. >uni. In der bei weitem überfüllte»: Synagoge ergriff zunächst im Namen der Adaß Jisroel (Gemeinde Herr Dr. Berliner das Wort.' n?n om :>rm *>w o ijnn „Ihr »vißt es doch, daß ein Fürst und ein Großer in Israel an diese,:: Tage gefallen ist!" Die Steine aus diesen Pforten berki'iildei» es laut und eindringlich und die Balken bon der Decke dieses Gotteshauses rufen eö wehklagend aus: Ge fallen ist die hochragende <? eber deö Libanorr, gefall ei: ist die »nächtige Eiche Israels, sie liegt zerbrochen »utb zer schinettert da Wo ist unser Rabbi, wo ist unser hehrer Meister, ivo ist unser Führer? Wohin ist unser Freund gegangen? So ruft man in diesem Gotteshaufe, so ruft inan draußen. Stellt euch auf die Straße, auf die Wege, ziehet in die Ferne, in die iveiten Länder, allüberall, wohin die Trauerkunde gedrungen ist, wie a»»s einen: Munde erschallt der Ruf: ✓frTW’ 'San . . . . o Herrlichkeit Israels .... Ganz Israel steht n schüttert da und wie tausendfach stimmt inan in tiefer Wehinut die Tranerklage an, deren Grundton an jenen Midralch anklingt, worin Gott selbst bei»»: lode unseres heiligen Lehrers Mose ausruft Wer »vird in Zukunft für Dich auftreten gegen die Bosheit und Schlechtgefinntheit, »ver »vird mir standhalten gegen die Uebelthäter und Unheilsstifter? Der Schwerpunkt dieser Klage liegt in den: zweimal ausgedrücktcn „Li". Wer wird so frei von Ehr- und Selbstsucht sein, „Li" meinetwegen in den Riß zu treten. Gehet hin, »»»eine Theuren, forschet a»if allen Wegen, verfolget alle Richtungen, ob ihr noch einen solchen Mann findet, in welchern Alles so harmonisch vereinigt war, tiefe Gelehrsamkeit, lautere Fröu»migkeit, felsenfestes Gottvertrauen, erhabene reine Menschenliebe und vor Alle»»: heiliger Feuereifer, unbegrenzte Opferfähigkeit »mb Hingebung, ein Mann, un» den sich die tveitesten Kreise Israels voller Verehrung schaarten, ein Mann, dessen mächtiger und tiefgehender Einfluß auf die religiöse Be »vegung in: Iudenthun: »vährend e nes halben Jahrhunderts ganz deutlich gezeichm: werden kann. Die lebendigen Zeugnisse seiner Thatkraft sind mit unverlöschlichen Zügen in den Blättern der jüdischen Geschichte eingezeichnet. Mit ihn: hat eine bedeutungsvolle Epoche in der Geschichte des?udenthums ihren Abschluß gestutden, gottlob noch nicht ihr >»nde erreicht, und gerade dafür hat der theure Rabbi gesorgt. Jetzt wäre ich an den Punkt angelangt, der „»eine Schritte hierher gelenkt. Ich soll iin Namen der Geineinde Adaß- Jisroel uno ihrer Vertreter unserer tiefen Trauer Ausdruck leihen. Wie verntag ich aber in den wenigen Mintlten, die mir hierzu gegeben sind, »neiner Aufgabe gerecht zu werden? Daher nur ein einziges Wort, mit dem »vir in der Gemeinde uitser Dankgefühl für den theuren Lehrer und Führer bezeichnen wollen. Wie einst Rabbi Jochanan ben Satkai im Angesicht deS unter gehentun Heiligthurns eine neue Stätte begründet hat, so eilte auch unser vielgeliebter Rabbi vor 30 Jahren auf unseren Amtsrnf hierher, nnt das arg verwüstete Heiligthum wiederherznstellen. Damals warles nur ein geringes Häuflein, daS noch aller und jeder Organisation entbehrte, aber unser theurer Rabbi kan: trotzdem zu unS. Wenn »vir nicht de»»: Grundsatz unserer Weisen zuwider handeln würden, müßten wir eben hier eine Votivtafel errichten mit den Worte»:: ■j’nftPD ront* -jmyi idh “p ’rroT, wir bleiben dir eingedenk der Liebe, die du nnS in einer Reihe von Jahren betviefen hast, deiner Zärtlichkeit, da du unS folgtest in eine Wüste, auf einen Boden, der noch ungepflegt und und unbebaut war. Denn erst mit ih»n und durch ihn konnte die Gemeinde aus kleinen Anfängen zur Entwickelung und weiteren Entfaltung geführt werden. Er half überall mit und »var jederzeit bereit einzugreifen, wo eS das Heil oder daS Interesse der Gemeinde erforderte. Und doch trat er bescheiden zurück, wo eS sich un: Angelegenheiten handelte, die in die Hände der Vertretung der Gemeinde gelegt wäre»:. Eigenes Verdienst lehnte er stets ab und suchte den Antheil seiner Mitarbeit stets in den Hintergrund zu stellen. Hier muß ich abbrechen, denn eine Fülle von Gedanken überkommt mich, wenn ich die verschiedenen Phasen in der Entwickelung der Gemeinde während seine- Schaffenmir vergegenwärtige. Daher will ich angesichts dieser Todtenbahre, nein, »vaS sage ich, dieser heiligen Gotte-lade nur den einen Gedanken h roorheben, wie die göttliche Vorsehung uns allinählich darauf vorbereitet hat, daß endlich einmal der Ruf kür uns ergehen wird: pldr.l yiDJD 'HM Es erinnert mich diese Jdeenverbindnng an jene Stelle, in der erzählt »vird, wie Bar Kappara den Todt Rabbi Jehudaö öffentlich mitzutheilen hatte und er diese Eröffnung mit den Worten begann: „Die Engel des Hiinmels und die Frontmen dieser Erde haben um die heilige Lade gestritten; el ftere siegten und bie Lade ward genommen. Der Himmel sollte sie empfangen tutb die Erde »sollte sie behalten, weil sie derselben nicht entbehren konnte. Auch hier, meine The»iren schwankte schon seit »nehreren Jahren der Kampf -wischen Himmel und Erde, bis endlich nach langem Kampfe der Himmel obgesiegt hat und die heilige Lade weg führte. U»:d nun, nachdem die Thoralade von uns zieht, wollen »vir feierlichst geloben, in diesem so erhebenden Augenblick wollen wir feierlichst gelobe»», festzuhalten an der BundeSlade Gotte- und, »vie er uns gezeigt und gelehrt, zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen an Gott »:nd seiner heiligen Lehre festzulialten. Ja, geliebter theurer Rabbi, wir geloben eS, d»» wirst uns immerdar vor Augen sein und immer unser großes Vorbild bleiben. Wir werden bei jeder Gelegenheit »»nS fragen, ob es in Deinem Sinn und Deine»» Geiste sei um so unsere Gemeinde und ihre Einrichtungen auf den: Wege fortzuerhalten, den Du uns gelehrt und gezeigt hast. Darum, ihr Mitglieder der Adaß Jisroel, verzaget nicht, verzweifelt nicht, unser Lehrer und Meister ist nicht gestorben, unser Rabbi lebt und wird in unserer Mitte sortleben und fortmirken und das Andeilken an ihn wird Segen verbreiten." Alsdann widmet im Namen des Rabbiner feininar- Herr Docent Dr. Ho ff mann dem Verstorbenen einen tiefempfundene»: Nachruf. „Meine Freunde ' Wie in einein Prachtgarten, so hat der himmliche Vater die Gerechten auf die Erde verpflanzt. L>o wie aber der Baum nur an einer Stelle die Wurzel in die Erde senkt, so hat auch jeder Gerechte seinen festen Standpunkt, einen Platz auf de»»: unermeßlichen Gebiete der Thauroh und Mizwah, de»n er besondere Sorgfalt und Pflege angedeihen laß». Bei mancher dieser edlen Gottes pflanzen ist diese Thätigkeit so vielseitig, daß es schwer fällt, herauszustnden, wo ihre Wrrrzel sich bestndet, aus der alle