Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 48 (19.6.1899)
- Date
- 1899-06-19
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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930 Prag, 2. Juni. Das Leichenbegängniß des verstorbenen Rabbiners und Predigers der israel. Cultusgemeinde in Smichow, Herrn Dr. Samuel Back, fand vom isr. Tempel in Smichow aus statt. Eine schier unübersehbare Menschenmenge gab dem Verblichenen, der 27 Jahre lang Seelsorger der isr. CulluSgemeinde in Smichow war, das letzte Geleite. Es waren u. A. erschienen: der gesammte Vorstand der isr. Cultu-gemeinde in Smichow, sowie fast alle Angehörigen dieser Gemeinde, die Rep'äsentanz der Landesjudenschast, die Vorstände der einzelnen isr. Gemeinden Prags und der Vororte, Abordnungen sämmtlicher isr. Vereine, Abordnungen zahlreicher isr. Cultusgemeinden aus der weiteren Umgebung Prags, fast sämmtliche Rabbiner Prags und der Vororte mit dem Oberrabbiner Herrn Dr. N. E h r e nfeld an der Spitze, die Spitzen der Behörden, der Landesschulrath und v. A. Auch der Bürgermeister der Stadt Smichow, Herr Elhenicky, war mit einigen Stadträthen im Tempel erschienen. Oberrabbiner Dr. Nathan Ehrenfelv pries in einer ergreifenden Anrede die hervorragenden Tugenden des Verblichenen. Zum Schluffe appellirte der Herr Oberrabbiner an die Cultusgemeinde in Smichow, sie möge sich der Hinterbliebenen Wiltwe und Waisen ihres verehrten Seelsorgers annehmen. Die Rede des Herrn Oberrabbiners brachte einen liefen Eindruck hervor und die Zuhörer waren zu Thronen gerührt. Hierauf bestieg Herr Rabbiner Dr. Weiner, der während der letzten Krankheit des Verblichenen diesen im Seelsorgeamte in Smichow substituirte, die Kanzel. Herr Dr. Weiner hob zuerst in czechischer, dann in deutscher Sprache die schriftstellerische Thätigkeit des Verstorbenen, sowie dessen unvergeßlichen Wirken im Dienste der Smichower Gemeinde und des Judenthums überhaupt hervor. Nachdem noch der Herr Vorsteher der isr. Cultusgemeinde in Smichow eine kurze ergreifende Ansprache gehalten hatte, wurde der einfache Sara, der bis dahin vor der Bundeslade aufgebahrt war, aus dem Tempel in den vor der Synagoge stehenden Leichenwagen gehoben, worauf sich der imposante Leichenzug zum isr. Frieohofe bewegte und die Beisetzung erfolgte. Budapest, 12. Juni. (Z u r ü ck g e w i e s e n e r Uebertritt.) Vor Kurzem war in den Blattern die Nachricht verbreitet, daß die durch ihre extravaganten Manieren bekannte „Schriftstellerin" Mariska Sim li zum jüdischen Glauben übertreten wolle. Thar sächlich hat sie den Budapester Rabbiner Dr. Samuel Kohn ersucht, er möge sie in die jüdische Gemeinde aufnehmen, sie wurde jedoch — wie „E. Hirl." meldet von Sr. Ehrwürden mit dem folgenden Schreiben abgewiesen: „Fräulei Mariska I. Sim li, Kafchau. Die Judenheit nimmt nur solche Leute auf, welche aus reiner Ueberzeugung übertreten, ich kann diese Ueberzeugung aber in einer solchen Person nicht vorauSsetzen, die, wie schreiben, den jüdischen Glauben, erst jetzt studiren will. In solchen Fällen sage ich jden Betreffenden gewöhnlich: „Bleiben Sie dort, wohin Sie durch Ihre Geburt gekommen sind." Daffelbe empfehle ich auch Ihnen. Mit besonderer Hochachtung Dr. Kohn." Mltthetlllvge» ans de» jiid. Armnvereinen unD sör dieselbe«. (Sämmtliche jüd. Wanderbettelvereine und Kassen für Durchreisende sind gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, znkommen zu taffen.) Die israelitischen Unterstützungsoereine werden hierdurch auf ein Individuum aufmerksam gemacht, welches dieselben, wahrscheinlich in der Richtung nach Bayern reisend, heimsuchen will. Der Mann gibt sich als Schlaffer aus, heuchelt Schmerzen am Bein infolge einer Verbrennung mit Scheidewaffer, citirt gerne das Schma, sagt aber am Schluß „ezod." Ec kam hier am Samstag zugereist und rauchte den ganzen Tag. Personalbeschreibung: Magere Figur, schmales Gesicht, lange, spitze Nase, blonde Bartstoppeln, unstätes Auge, grauer Anzug. Lehrer H o s m a n n, Meiningen. Feuilleton. iebet eure Weinde." Eine apologetische Erzählung Von Arnold Utann 21) Nachdruck verboten. Schon längst war Seligmann Feist von seinem Sitze aufgesprungen. Die innere Erregung trieb ihn empor. Endlich vermochte er sich einmal Luft zu machen, endlich einmal zu sagen, was er auf dem Herzen hatte! Wie ein rauschender Bergstrom, fortreißend und gewaltig, floß seine Rede dahin! Mit zermalmender Wucht kamen die Worte aus seinem Munde, und die rhetorischen Fragen, in die seine Rede ausktang, tönten gleich vernichtenden Anklagen in des Pfarrers Ohren. Der aber saß unbeweglich in seiner Sophgecke und hatte zunächst als Antwort auf Feist's Rede