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Der Israelit · 1899-06-15 · Heft 47 (15.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 47 (15.6.1899)
Date
1899-06-15
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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918 seine Anwesenheit in Offenbach (1788) liegen wieder genauere Nachrichten vor. Frank bewohnte das Offenbacher Schloß, unterhielt auch in Offenbach eine glänzende Suite, die viel Aufsehen erregte. Grätz, Schenck-Rinck, Sacher-Masoch und v. A. beschreiben sein Auftreten ausführlich. Im Jahre 1791 erschien eine kleine Broschüre, die Frank als „Sabbatianer" bezeichnet; die Juden in Frankfurt nannten ihn und seine Anhänger „Schäbbslich."*) — Von Offenbach aus richtete Frank rothgeschriebene Briefe an die iSraelit. Gemeinden, die Aufforderung enthaltend, zum Judenthum überzutreten. Peter Beer bringt den Text des Brieses, nach Sacher-Masoch ist ein solcher im Archiv der Jüd. Gemeinde in Prag noch vorhanden. Daß diese Briefe keine Wirkung hatten, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Sonst ist Frank, während seiner Offenbacher Periode mit dem Judenthum äußerlich nicht in Verbindung gestanden, aber sein Hofstaat bestand meist aus Juden, die sich zu seinen Glaubensformeln bekannten. Nach einem Briefe Wolfg. Ernst v. Birstein an seinen Sohn Karl waren 1792 noch 800 „Polen in Offenbach", also eine ganz respektable Anzahl. Frank verstarb am 10. Dezember 1791 und erhielt ein pomphaftes Begräbniß. Seine Tochter Eva trat als „Rechtsnachfolgerin" auf, unterhielt den Hofstaat weiter, ohne indeffen von den Anhängern der Secte mit so ungeheuren Summen Geldes, wie ihr Vater, versehen zu werden, und ein Bankerott mit mehreren Millionen Gulden gab den Offenbacher und Frankfurter Geschäftsleuten noch lange Gelegenheit, der „Offenbacher Polen" zu gedenken. — Freilich wußte Eva Frank, sowie deren Brüder Roch und Josef, die niemals eine größere Rolle spielten, ihre Gläubiger oft und lange hinzuhalten, und von Interesse dürfte eine Proklamation, die an den Offenbacher Straßenecken angeschlagen wurde, sein, die hier im Wortlaut folgen möge: „Auf die so lange mit Sehnsucht erwartete Befriedigung unserer Gläubiger ist uns die allerhöchstgünstigste Antwort von Seiner Russischen Kaiserlichen Majestät, Selbstherrscher aller Reußen erfolgt. Ans Allerhöchst deren Einladung wird sich unser geliebter Bruder am 1. Juli nach St. Petersburg begeben und nach 0 monatlichem Aufenthalt zurückkehren und unter militärischer Bedeckung einen solchen gehörigen Geldtransport mitbringen, welcher alle unsere Gläubiger sowohl hier in Ossenbach als in Frankfurt und allen Orten, wo nur unsere Schulden vorhanden, befriedigen wirb. Sofort werden alle unsere hiesigen als auch auswärtigen Gläubiger um Geduld gebeten, ausgenommen unsere Bäcker, Metzger und andere brauchbare Leute, welche nach und nach abbezahlt werden." „Nach geschehener Zurückkunft werden unsere Ereditoren durch öffentllche Blätter und dem Schall der Trompkten eingeladen, ihre Zahlungen sammt kommenden Interessen, welche pünktlich bis auf den letzten Heller ansbezahlt werden, zu empfangen. Diejenigen aber, welche ohne es zu können, unserem Namen einen Schandfleck angethan, werden nach *) Wie auch die Anhänger Sabbathai-Zewiß genannt wurden. geschehener Auszahlung ihre gebührende Strafe öffentlich dafür erhalten. So geschehen. Offenbach den 17. Januarius 1800. (L. 8.) Eva von Frau k. Roch von Frank. Joseph von Frau k." Freilich — der Trompetenschall ertönte ebenso wenig, als die „öffentlichen Strafen" erlheilt wurden. Aber staunen muß man doch, über den Ton, in welchem dieses Aktenstück abgefaßt ist. Eva Frank ftarb 1817, ihre Brüder begaben sich nach Rußland, und die meisten Fcankiften hatten sich kurz nach dem Tode Franks nach ihrer Heimath zurückbegebrn. — Die Secte ist heute verschwunden, sie ist zum größten Theil im Katholicismus aufgegangen. — Ein grober Theil Frankiana ist vom Schreiber dieses gesammelt**) und zur Zeit im Schaufenster der A. I. Hofmann'schen Buchhandlung, Allerheiligenstraße 87, Frankfurt a. M. ausgestellt, und im folgenden Verzeichniß namentlich aufgesührt. Daß der geheimnißvolle Schleier, der sich um Frank und seinen Machenschaften lagert, trotz dieser großen Anzahl von Schriften vollständig gelüftet sei, kann noch nicht behauptet werden, denn wenn uns auch Vieles begreiflich und erklärlich ist — die neueren Aufklärungen find insbesondere dein mehrerwähnten Schriftsteller Prof. Kraushar zu verdanken — so ist doch noch manches Räthsel in dieser Sache vorhanden, und es kann wirklich nicht Wunder nehmen, wenn Jacob Franks Geschichte auch schon in belletristischer Weise (Beck, des Rabbi Dermächtniß, ein Werk, das auf einer nichts weniger, als geschichtlichen Basis beruht), gefunden hat. — Eine Sammlung „Frankiana" existirt auch im „Deutschen Haus" zu Brünn, vielleicht bietet sich Gelegenheit, auch darauf später zurückzukommen. — Ausstellungs-Gegenstände. A. Bücher. Nr. 1. Peter Beer, Geschichte, Lehren und Meinungen oller bestandenen und bestehenden rel. S.kten der Juden. Brünn 1828 2 Bände, Band 2, Seite 809 u. f. Peter Beer kann als erster Biograph Jakob Franks betrachtet werden. Ec unterhielt persönlich noch Verkehr mit Frankisten und seine Angaben über ihre Sitten und Gebräuche sind ausführlich und wohl auch größtentheils zuverlässig. Markus I. Jost hat sich bei der Behandlung des Abschnittes „Frankisten" in seiner Geschichte der Juden im Wesentlichen an die Angaben Beers gehalten *:) Ein Theil der aufgeführten Gegenstände wurde mir von versch'cdeuen Seiten, insbesondere auch von Prof. Dr. A. Kraushar in Warschau und Frau Emil Pirazzi Wwe. in Ossenbach zur Verfügung gestellt. Ick fühle mich verpflichtet, dies auch an dieser Stelle dankend anzuerkeunen.

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