Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1899)
- Date
- 1899-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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Mrthodoxe MuderrthumÄ oses vo.- 15. Juni 1899] lNr. 8. am isamnaarp; Mil (Lirre eigellartige Ausstellung. Beitrag zur Geschichte Jacob Franks und seiner Anhänger. Von Louis Lamm, Frankfurt a. M. Vor 100 Jahren herrschte große Aufregung in der Frankfurter und Off-mbacher Geschäftswelt. Es wurde bekannt, daß über das „Frank'sche Vermögen" unvermeidlich der Concurs verhängt werde. Wer war nun Frank? Bei der verhältnißmäßig starken Literatur, die über ihn entstanden ist, darf wohl vorausgesetzt werden, daß sein Name den Lesern dieser Blätter nicht ganz unbekannt ist, und eS genügt ein kurzer Abriß, um ihn zu charakterisiren. Jankew Leibowicz — dies war Franks eigentlicher Name — ist im Jahre 1726 zu Karolowka (Podolien), als der Sohn eines talmudisch gebildeten Mannes geboren, und kam als Jüngling nach Smyrna, wo er Handel mit Pretiosen getrieben haben soll. Dort lebten noch Anhänger Sabbatai Zenn's, mit welchen sich Jankew — er nannte sich nunmehr Frank — sehr bald befreundete. Frank versuchte nun eine neue Lehre, die eine talmudfeindliche Tendenz entwickelte, zu schaffen, wodurch er mit Rabbinen in Streit gerieth; er fand aber Beschützer in hohen katholischen Geistlichen, die eine Aehnlichkeit seiner Lehre mit dem Christenthume zu erkennen glaubten, und sich vielleicht schon den beseeligenden Gedanken ausmalten, durch Frank das gesammte Judenthum zu bekehren. Frank besaß denn auch in Glaubenssachen eine Scrupellosigkeit, die ihres Gleichen sucht. Geboren als Jude, wurde er in der Türkei ein Anhänger Mohameds, und ließ sich später wiederholt katholisch taufen, ohne indeffen nur den katholischen Ritus auszuüben. Trotzdem fand er Anhänger, über die er eine despotische Gewalt ausübte, und von welcher er mit ganz ungeheuren Geldmitteln versehen wurde. Es versteht sich fast von selbst, daß er auch „Wunder" wirkte, wozu ihn hauptsächlich auch seine Tochter Eva, die eine auffallende Schönheit gewesen sein soll, behifl ch war. Seine Emissäre durchzogen Mähren, Böhmen, Podolien, ja nach Moskau sandte er deren sogar, um mit dem russischen Ministerium über die Bekehrung der Juden zu unterhandeln. Doch diese „Abgesandte" wurden des russ. Landes verwiesen. Im Jahre 1772 finden wir nun Baron Frank — wieso er zum Barontitel kam, ist noch nicht ganz aufgeklärt, wogegen nach vorhandenem Material festzustellen ist, daß er sich vergeblich um den Grafentitel bewarb*) — in Brünn, wo er einen prächtigen Hofstaat unterhielt. Eine bildliche Darstellung davon baden wir durch den Kupferstich „Fe Laren äe Franck allant se promener en voiture.“ Daß er zu dieser Zeit Beziehungen mit dem österreichischen Kaiserhaus unterhielt, ist Thatsache, die jedoch von Prof. K r a u S h a r—Warschau, einem bedeutenden Frankisten-Forscher, auf die Schwärmerei Jos'pH II. für das „Ewig Weibliche" — es wurde schon b tont, daß Eva Frank eine üppige Schönheit war — zurückgeführt werden Doch auch in Brünn war seines Bleibens nicht lange, und nach Krausdar's Angabe übersiedelte er 1780 nach Frankfurt a. M. Ueber seinen dortigen Aufenthalt ist nicht das geringste bekannt, und erst über *) Alexander Kraushar Frank i. Frankisai Polsky.