Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1899)
- Date
- 1899-06-15
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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XL. Jahrgang. Erste Beilage |tt M 47 des „Israelit". Zeitungsnachrichten «nd Eorrefpoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 14. Juni. Polizeilich aufgelöst wurde die vom deutschen Antisemitenbund im Buggenhagenschen Lokale veranstaltete Volksversammlung, in welcher der durch seine Reden bekannte Graf Pückler-Klein-Tzschirne zum ersten Male vor einem Berliner Publikum auftrat. Der Zudrang war so stark, daß der Saal lange vor Beginn der Versammlung polizeilich abgesperrt werden mußte. Nach einigen einleitenden Worten des Vorsitzenden Herrn Kretzer, nahm Redacteur Wilberg das Wort, um den Widerspruch zwischen der Freisprechung des Grasen Pückler und seiner eigenen Verurtheilung wegen Abdrucks der Reden des Grafen zu kennzeichnen. Ihm folgte, von Freund und Feind mit Spannung erwartet, Graf Pückler. Die Berliner Bewegung, etneZeit lang zurückgedrängt, werde wachsen und den Sieg erringen, dafür sorge schon das Gebühren der Juden und ihr überwuchernder Einfluß auf allen Gebieten. Jüdische Richter drängten sich in immer größerer Zahl in die Justiz, der Anwaltsstand sei bereits vollständig verjuvet. Das Ansehen der deutschen Gerichte leide schwer darunter, alle Nationalgesinnten empfänden es als eine Schmach, von Juden abgeurtheilt zu werden. Das deutsche Vaterland müffe von dem Gesindel befreit werden und dürfe nicht länger ein Tummelplatz für ein fremde» Hirtenvolk sein. In der Literatur und Kunst, in der Medizin und dem Theater, überall w^rde der ehrliche bescheidene Deutsche von gewissenlosen, herrschsüchtigen und habgierigen Juden verdrängt. Der deutsche Michel soll nicht länger ruhig zusehen, er müßte den Knüppel nehmn und so kräftig dreinhauen, daß die Fetzen fliegen. In diesem Augenblick erhob sich der überwachende Beamte und erklärte die Versammlung auf Grund des §. ft des Vereinsgesetzes für aufgelöst. Berlin, 13, Juni, avn ’s:x .tws e»x Am |”d ra hauchte ein weit und breit bekannter, thatenreicher Mann, Herr Fischl Hirsch seine reine Seele aus. Ec scheute weder Mühe noch die Strapazen der weitesten Rersen durch den unwirthlichen Orient in seinem Streben, die jüdische Literatur zu pflegen und bitfer durch eine reichhaltige Sammlung der ältesten Handschriften und Inkunabeln werthvolle Schätze zu erhalten und wieder zugänglich zu machen. Er unterzog sich den größten Entbehrungen, welche bei seinem streng frommen Leben unzählige waren, scheute nicht bis in sein höchstes Lebensalter lange» Fasten und die schwersten Unbequemlichkeiten, wenn e» galt, irgend ein derartiges Werk aufzufinden und zu erwerben. Er durchzog Arabien, Syrien, Persien, Kleinafien und das heilige Land, für da» sein Herz besonder» warm schlug. Rührend war e», seine Schilderungen von dem grenzenlosen Elend unserer Brüder, da» er mitansehen mußte und nach besten Kräften zu beseitigen sich bemühte, mitanzuhören. Den größten Bibliotheken der Welt, dem britischen Museum, Sammlungen zu Oxfort, Pari», Petersburg, Wien und Straß bürg wurden durch ihn die werthvollsten Hebraika zugeführt. Eine stattliche Sammlung der seltensten und schönsten Exemplare von alten Handschriften, der ältesten Ausgaben von Bibel, Talmud, Decisoren, Machsor und vieler Orientalia befindet sich in seinem Nachlasse und zeugt von seinem bienenartigen Sammelfleiße. Ec veranstaltete eine neue Ausgabe der npn px rv mit vielen D'nvc, bis noarr cnx mit dem c-ix rra und noch anderen Druckwerken und machte sich dadurch auch um die Litteratur wohlverdient. Mit ihm geht einer der bedeutendsten jüdischen Bibliographen, der die umfang-reichste Bücherkenntniß besaß, zu Grabe. Die immerwährende Beschäftigung mit den jüdischen Sprachwissenschaften führte ihn auch in eine tiefe Kenntniß der theologischen Schriften ein, so daß er bei seinem klaren, scharfen Verstände und rascher Auffassung bald auch hierin sich ein so hervorragendes Wissen erworben hat, daß er unter die v'van zu rechnen ist. Aber alle diese geistigen Vorzüge, welche ihm die Achtung und Anerkennung vieler gelehrten Koryphäen verschafften, vermochten nicht den bescheidenen Mann zu veranlassen, aus seiner Einfachheit herauszutreten, still und ohne Aufheben verfolgte er seine großen Ziele. In ruhiger Stille, entsprechend den bescheidenen Ansprüchen, die er an das Leben stellte, verschied er sanft nach längerem Leiden, umgeben von seinen Kindern und Enkeln, die seinen Heimgang tief betrauern und beweinen. Sein Andenken wird ein ruhmvolle» und ständiges ftin und bleiben. Frankfurt, 12. Juni. (Strafkammer.) Am 15. Mai (dem jüdischen Pfingstfest) wurde in der Synagoge am Börneplatz ein grober Exzeß verübt von drei heute vor Gericht stehenden Marmorarbeitern:. Asfr. P.LI^chMWbek^Z^'BMMust. Bettge. Sie scheinen m der Trunkenyett dort Unfug gemacht zu haben und mißhandelten die einschreitenden Kirchendiener mit Marmorschleifsteinen, indem sie