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Der Israelit · 1899-06-15 · Heft 47 (15.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 47 (15.6.1899)
Date
1899-06-15
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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906 sihrift. — Die Eisenstädter Jeschibah wurde von der Statthalterei zu Oedenburg concessionirt und der Gymnasialunterricht behördlich gestattet. Dr. H. ertheilte denselben in den Oberklaffen persönlich, für die Unterklaffen gewann er Hilfskräfte, theils aus der Mtte der reiferen Schüler und zum Theil auch aus dem Lehrercollegium der Gemeindeschule. In seinen Jahresberichten konnte Dr. H. constatiren, daß zahlreiche Rabbiner innerhalb und außerhalb Ungarns in seiner Jeschibah ihre Vorbildung empfangen haben. Aber auch die Zöglinge, welche ins praktische Leben traten, wirkten belehrend und bildend innerhalb ihrer Gemeinde. — Bevor die Eisenstädter Schule blühete, wurden in Ungarn Bildung und Religiosität als Gegensätze betrachtet. Die Hildesheimerische Schule hat dieser Scheidewand den Boden entzogen. Dabei entfaltete Hildesheimer auf dem Gebiete der Äohlthätigkeit eine große Thätigkeit; feine Sammlungen für das heilige Land, für die Nothleidenden in Ostpreußen u. s. w. beschränkten sich nicht allein auf die lieben Getreuen, welche 2712 fasteten, und hat er diese Toleranz sein ganzes Leben geübt. Als am Wochenfeste 69 der „Israelit" in Eisenstadt anlangte und die Nachricht brachte, daß Dr. H. zum Dirigenten des Berliner Beth-ha-Midrasch gewählt wurde, und daß daselbst eine orthodoxe Religionrgesellschaft im Entstehen begriffen sei, die Dr. H. zu ihrem Rabbiner wählen werde, da gab es in der Gemeinde Eisenstadt und in der 160 Häupter zählenden Jeschibah keinen einzigen Mann, der an den Abgang des Dr. H. glauben wollte. Wie? sollte der Schöpfer eines gewaltigen Werkes seine eigene Arbeit zerstören? Sollte die Jeschibah und die Partei, die in H. allein ihr Oberhaupt anerkannte, gleich einer Heerde ohne Hirten, der Auflösung preisgegeben werden? Das schien Allen, Allen undenkbar. — Doch der Zeitpunkt, Ungarn verlassen zu dürfen, ohne die Conservativen Ungarns empfindlich zu schädigen, war für Dr. H. eingetreten, nicht minder aber auch die gebieterische Nothwendigkeit in dem emporstrebenden Berlin der Thora ein Heim zu -ründen. So fiel die Entscheidung zu Gunsten Berlins. Dr. H. schied, gestärkt durch das Bewußtsein der treuen Pflichterfüllung und getragen von dem zuversichtlichen Hoffen, daß Gott seinem schweren Werke, das er nunmehr in Berlin beginnen müsse, den Segen nicht versagen werde. Daß diese Hoffnungen sich erfüllt haben, das beweisen die reichen Erfolge in der Residenz des deutschen Reiches. Das Rabbiner-Seminar und die Gemeinde Aoaß Jisroel mit ihrer vortrefflichen Religionsschule ruhen auf sicherer Grundlage; beide Institute haben die königliche Sanktion empfangen und erfreue» sich, eines blühende« FoxtschpMß» erkennt diese Erfolge freudigen Sinnes an. Und nun ist auch er dahingegangen, er, der sie alle überlebt hat, feine treuen und wackeren Mitkämpfer, die Lehmann, Hirsch, Bamberger u. s. w., der in unsere Tage hineinragte, wie ein Denkmal aus großer Zeit, groß ist unser Schmerz und schier unheilbar unsere Wunde. — Möge sein Geist fortleben unter seinen Nachkommen und Nachfolgern, möge das Beispiel seines eisernen, felsenfesten, unerschütterlichen Charakters, durch das so oft das wahre, wirkliche Judenthum erhalten und wiedererweckt wurde, nacheifernd wirken, auf das gegenwärtige verwaiste Geschlecht — dann wird wahr werden das Wort de» Dichter», mit dem der „Israelit" vor nunmehr dreiuudzwanzig, Jahren den Bericht über die Feier des fünfunszwanzigjährigen Rabbiner-Jubiläums des nunmehr betrauerten Mannes begonnen hatte *) und das lautet: Laßt fahren hin daS allzu Flüchtige, Ihr sucht bei ihm vergebens Rath; In dem Vergangenen lebt das Tüchtige, Verewigt sich in schöner That. Zektttngsnachrichten und Gorresponderrzen Deutschland. Sttlitt, 14. Mai. Wie aus Petersburg geschrieben wird, hat sich dort dieser Tage au» der Mitte der Bevölkerung ein Damen-Komitee gebildet, welche» eine Geldcollecte veranstalten will und bereits die ersten Schritte hierzu, mit Genehmigung der Regierung, gethan hat. Aus dem zu erlangenden Capital soll in Petersburg ein Heimathshaus für jüdische Krankenpflegerinnen errichtet werden, die hier ihre Ausbildung, Wohnung und Verpflegung erhalten sollen. > Vermischtes. < Ethöneberg, bei Berlin. Der antisemitische Verlag „Deutscher Michel" ist in Konkurs gerathen. S«yrt«n«i Nach dem Bericht deS Rabbiner Herrn Dr. S. Bamberger über die rituelle Verpfbgung der vier jüdischen Insassen des Landarmenhaufes Hierselbst in der Zeit vom 1. Mai 1899 bis zum 30. April l. ZS. betrugen die Einnahmen 926,90 Mark, die bis aus 10,38 Mark verausgabt wurden. Warschau (Ein interessantes Stückchen russischer Rechtspflege.) Der Banquier Wilhelm Landau starb und testirte sein Vermögen feinen gesetzlichen Erben, nämlich seinen Kindern. Die russische Behörde verweigert jedoch die AuSfolgung des Vermögens unter dem Vorwände, daß der Erblasser nicht Wilhelm, sondern Wolf geheißen haben soll. Die Erben find daher verpflichtet nachzuweisen, daß der verstorbene Wilhelm mit dem Wolf Landau identisch war. Bei der Pronrptheit, mit der die russischen Behörden bekanntlich arbeiten, kann es lange dauern, bis die Sache entschieden ist. *) Israelit 1870, Nr. 37.

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