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Der Israelit · 1899-06-15 · Heft 47 (15.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 47 (15.6.1899)
Date
1899-06-15
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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903 glänzenden Verhältnissen lebte, ermüdete nicht, um den muthvoll vorwärts strebenden Jüngling von allen materiellen Sorgen zu befreien. Es war ihr höchster Genuß das Licht der Thora, das mit dem Hinscheiden ihres Mannes in ihrem Haufe erloschen war, wieder hell aufl uchten zu sehen. — Doch sollte die wackere Frau bald aller Sorgen überhoben werden. Eines Tages erschien bei ihr der Chef der Firma Aron Hirsch u. Sohn, Commerzien« rath Josef Hirsch V-xt, und bat sie um eine Unterredung. Er habe, wie der joviale Herr zu scherzen beliebte, ein gutes Geschäft vor, daer mit der lieben Freundin abschließen wolle. Die kluge Frau hatte für diesen harmlosen Scherz nichts als ein freundl.ches Lächeln. Nach einigen launigen Redewendungen fragte endlich der biedere Josef Hirsch b'w, wie sich Frau Golde zu einer verwandtschaftlichen Verbindung beider Familien verhalten würde, ob es der Mutter genehm wäre, wenn deren Sohn Esriel um die Hand Jettchens, (einer Schwester Josef Hirsch's), anhalten würde. — Daß die fromme Frau der göttlichen Fügung allein vertraute und ihrem Sohne die weiteren Schritte überließ, versteht sich von selbst. — Die Verlobung erfolgte. — Durch die verwandtschaftliche Beziehung zum Hause Hirsch trat eine neue Aera für den genialen Jüngling ein. Während zahlreiche Talente von der Fülle des Reichthums geblendet, ihr Ziel erreicht glauben und dem süßen Nichtsthun verfallen oder die Pflege der Wissenschaft nur als angenehme Abwechslung gelten lassen, der man bei der dampfenden C garre und in wohliger Behaglichkeit einige Stündchen widmet, verharrte Hildesheimer in seinem rastlosen Eifer, sich in den heiligen und profanen Wissenschaften zu vervollkommnen. Er wanderte im Jahre 1840 nach Berlin, trieb an der dortigen Universität Philosophie und Orientalia, pflegte auch die klassischen Sprachen, und versäumte nicht in den Tempeln der Kunst zu erscheinen, um das Wahre, Schöne und Gute auf fein jugendliches Gemüth wirken zu lassen. — Jedoch mw ftst blieb stets sein erster und oberster Grundsatz. Die der Thora zugemessme Zeit durfte keineswegs geschmälert werden. Die Schiurim im Bet-ha-midrasch und die Privatschiurim wurden pünktlichft eingehalten; sie durften keiner andern noch so nützlichen Arbeit weichen. Der fleißige Student, der die Minuten auszunützen verstand, erübrigte auch Zeit, um dem Hegelianer Prof. Werder näher zu treten, um aus dem Born der Wellweisheit die Kraft für seinen künftigen Beruf zu schöpfen. Trotz der emsigen Pflege der Wissenschaften wurde die Erwählte des Herzens nicht vergessen, und ein stattlicher Band, in welchem uns Einblick zw nehnun gegönnt war, belehrte uns, daß ein Briefwechsel zwischen zwei ließedurchglühten Seelen nicht immer in Tändeleien ausarten müsse. Ernst und Würde mit Scherz gepaart, ergießen sich gleich einem würzigen Duft über die eifrig gepflegte Correfpendenz zwischen dem jungen Gelehrten und der für den Jünger der Gott es Wissenschaft schwärmenden Braut. Studiengang, Tagesfragen und vieles Wiffenswerthe wird in diesen Briefen berührt und meist auch der Rand mit geistreichen Bemerkungen versehen. Oft vernehmen wir bittere Klagen Über die Heranwachsende Jugend, die sich im Absprechen und Verleugnen alles Heiligen gefällt, doch leuchtet auch die Hoffnung durch, daß neben den Wunden die Heilung erblüht. Das junge Geschlecht, das Thora und Wissenschaft auf seine Fahne geschrieben, werde heranreifen und der unduldsamen, ja verfolgungssüchtigen Reform die Stirn bieten. — Rach zweijähriger mühevoller Arbeit in Berlin begab sich H. nach Halle, um die bedeutendsten Orientalisten G e s e n i u S und R ödige r aufzusuchen. Die Schrift „über die rechte Art der Bibelinterpretation", die H. als Inauguraldissertation der Universität vorlegte, gibt uns einen Beleg für den Ernst, mit welchem derselbe auch diesen Zweig des Wissens kultivirte. Gegen Ende 1844 erhielt H. von der Un versität Halle die Doktorwürde. — Nun kehrte er nach Halberstadt zurück, um in den glücklichen Stand der Ehe zu treten. Kaum war die erste fröhliche Zeit verstrichen, da dachte H. an seines Lebens höchste Ziele. Er begann vor einem Kreise gesinnungstüchtiger Jünger das Wort Gottes zu lehren. Um diese Zeit saß der theuere, Heimgegangene Begründer dieser Blätter m zu den Füßen H.'s und schlürfte au» dem heiligen Brunnen, den die kundige Hand des jugendlichen Meisters geöffnet. Um die gleiche Zeit (1848) erschienen auch in der Zeitschrift „Orient" die „Materialien zur Beurlheilung der Septuaginta", welche einer Rechtfertigung der biblischen Massora gegenüber den Varianten der Septuaginta dienten. Neben den fleißig betriebenen wissenschaftlichen Forschungen und den regelmäßigen Talmudvorträgen, bewahrte sich H. seinen Antheil an praktischer Wirksamkeit. Auf einer Versammlung der Vertreter der Synagogengemein' den des Regierungsbezirkes Magoeburg, die im Jahre 1847 in M. stattfand, traf H. als Delegirter seiner Vatergemeinde, den zur Zeir für die sogenannte Reformirung des Juoeuthum» schwärmenden Dr. Philippsson. Hier stand er einem bet„ heißesten Gegner de» überlieferten Judenthum» per-/ fönlich gegenüber und kouyw-, iMe.KräNA. M dem. wurden damals nod> angejubelt, und der Reformator selber träumte ein neue» Judenthum, da» unter

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