Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 46 (12.6.1899)
- Date
- 1899-06-12
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448995--48447-2498858- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
werden konnte, bot sich Gelegenheit, ein noch gesunder gelegenes Gelände auf dem Röderberg zu erwerben, in dem sich ein Haus mit schönen Gartenanlagen befand. Das Grundstück in Sachsenhausen wurde wieder veräußert und brachte einen Gewinn von M. 17,600. Da die Mittel nur zum Kauf des Geländes, aber nicht zum Umbau reichten, so wurde vorläufig in dem neuen Hause eine Anzahl Kranker untergebracht, der Betrieb in dem alten Hause an der Ostendstraße aber gleichzeitig fortgeführt. Im Jahre 189/ wurden 2*, im letzten Jahre 37 Personen verpflegt. Oester r.-Ungar. Monarchie. Graz. (Ein Antisemit.) Ein Obergymnasialschüler wurde vom Einzelrichter des Bezirksgerichtes Stadt Graz vom Gerichts-Secretär Ritter von Goll zu einer Geldstrafe von fünfzig Gulden eventuell fünf Tagen Arrest verurtheilt, weil er ohne jede Veranlassung einen jüdischen Mitschüler in der Schönaugaffe mit den Worten „frecher Saujud" beschimpfte und demselben zweimal in das Gesicht gespuckt hatte, so daß ein in der Nähe stehender Arbeiter sich zu einer sehr abfälligen Aeußerung gegen den fanatischen Jüngling veranlaßt sah. Der Angeklagte war vollkommen geständig und entschuldigte sein Benehmen nur dadurch, daß er aus nationaler Begeisterung so gehandelt habe und durch den Genuß von Bier hochgradig aufgeregt gewesen sei. In der Urteilsbegründung hob der Richter als besonders erschwerend die Rohheit der Angeklagten hervor. Budapest (Ein jüdischer Friedhof.) In der Gemeinde Jgaz im Weißenburger Comitate wohnen insgesammt drei jüdische Familien; diese besitzen weder ein Bethaus, noch eine Schule, da die Mittel der kleinen Gemeinde hierzu nicht ausreichen, noch aber auch einen Friedhof, da ein solcher bisher noch gar nicht nothwendig war. Vor einigen Tagen starb jedoch das Oberhaupt der einen Familie und die armen trauernden Angehörigen kamen in nicht geringe Verlegenheit, da der Leichnam in eine Ortschaft mit jüdischem Friedhofe hätte transportiert werden müssen. Die Vorftehung der Gemeinde machte aber bald diesen Sorgen ein Ende, indem sie vom Grundbesitze der Gemeinde ein kleines Gebiet den jüdischen Familien zur Benützung als Friedhof anwies. Erwähnenswerth ist auch, daß bei der esten Bestattung in diesem Friedhofe der Pfarrer der reformierten Gemeinde die Grabrede hielt. Frankreich. Paris, 8. Juni. In der „Aurore" richtet Bernard L a z a r e einen Brief an T r a r i e u x als Präsident der „Liga der Menschenrechte." Lazare betont, daß die Liga bei ihren Dankesbezeugungen manchen verdienten Mann vergessen habe wie Lebloi», Forzinetti, Mathieu Dreyfus und schließlich Lazare selbst. „Ich gehöre", sagt Lazare, „jener Raffe an, die nach Renan zuerst die Idee der Gerechtigkeit in die Welt einführte. Der Glaube an die Herrschaft dieser Gerechtigkeit hat alle meine Glaubensgenoffen beseelt seit den Propheten und den armen Dichtern, welche die Psalmen sangen bis zu Jenen, die, wie Marx und Laffalle, die Rechte des Proletariats erstritten, bis zu jenen demüthigen Märtyrern der Revolution, die ihren Glauben an das Gleichheitsideal unter Knute und Galgen des Zaren sühnten. Für meine Glaubensgenoffen will ich, daß man e» erzähle : Der Erste, der sprach, der Erste, der aufstand für den jüdischen Märtyrer, war ein Jude, ein Jude, der in seinem Blut und Fleisch die Leiden fühlte, die der Unschuldige duldete; ein Jude, der wußte, welchem Volk der Parias, der Enterbten, der Unglücklichen er angehörte, und der aus diesem Bewußtsein den Willen schöpfte, zu kämpfen für das Recht und für die Wahrheit." England. London, 24. Mai. (Absage an den Zionismus.) Der türkische Gesandte in Washington, Ali, Ferrough Bey, hat einigen Zionisten gegenüber die Stellung seiner Regierung zu dem Plane, ein Stück von Palästina käuflich zu erwerben, entwickelt. Er hat nunmehr, nach der „Israelitischen Wochenschrift", die amerikanischen Zeitungen ermächtigt, seine Auslassungen in folgendem Wortlaut wiederzugeben: „Hier scheint die Meinung vorzuherrschen, daß die in jüdischen Kreisen angeregte Frage über den beabsichtigten Ankauf von Palästina nur eine Geldfrage sei. Ich habe wohl bemerkt, daß die Zeitungsberichte auf die Thatsache Gewicht legen, die Juden könnten Millionen ad infinitum aufbringen, und mit diesen Millionen wäre der Ankauf von Palästina gesichert. Ich kann dem amerikanischen Volke die Versicherung geben, daß dies nicht der wirkliche Sachverhalt ist. Die hohe Pforte hat durchaus nicht die Absicht, irgend einen Theil ihres Besitzes zu verkaufen, und dieser Entschluß wird durch das Angebot noch so vieler Millionen Goldes nicht erschüttert werden. So lautet die offizielle Antwort aus Konstantinopel auf verschiedene Anfragen, die den Zweck gehabt haben, die Regierung zu diesem Punkte zu sondiren. Man scheint hier in Amerika der Ansicht zu sein, daß unsere Regierung finanziellen Beistandes bedürfe. Das ist ein schwerer Jrrthum. Seit dem Krimkriege ist die Türkei in Bezug auf ihre Finanzen nie in so guter Lage gewesen, wie eben jetzt. Unsere öffentliche Schuld ist von Jahr zu Jahr geringer geworden und beträgt jetzt nur noch eine Kleinigkeit. Unsere Einnahmen wachsen so