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Der Israelit · 1899-06-12 · Heft 46 (12.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 46 (12.6.1899)
Date
1899-06-12
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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894 405 erhoben. Äm folgenden Tage ging man zur erneuten Prüfung und endgiltigen Redaction des Entwurfs über, der die Priorität erhalten. Es war dabei noch möglich, durch Amendements Aenderungen de- Inhalts vorzunehmen; aber zu Gunsten der Juden wurde kein neuer Antrag gestellt. Die liberalen Führer haben die Stimmung des Hauses kennen gelernt, das denselben die Rechte nicht zugestehen will, die es andern bisher zurückgesetzten Kulten und Berufsclaffen zu gewähren weniger abgeneigt ist; sie wollen sich mit dem Erreichbaren begnügen und willigen in die Vertagung der Frage der Juden, über welche sie die Entscheidung nicht herauszufordern wagen48). Aus der gleichen Ansicht über die Gesinnung der Mehrzahl der Mitglieder erklärt in gerade entgegengesetzter Weise der Bischof von Clermont, man müffe einzig und allein über die Juden beschließen; daß ihnen bei einer Abstimmung keine Rechte würden zugestanden werden, davon waren ihre Gegner überzeugt. Aber es wurde in der verhängnißvollen Sitzung des 24. Dezember doch auch ein Wort gehört des Schutzes für die Juden, eine Replique auf die Proteste, welche gegen ihre Besserstellung auf's Neue von der Gegenseite, von Rewbell, von Beaumetz erhoben worden. Mirabeau, mit der Kenntniß der in Frage kommenden Thatsachen ausgerüstet, unternimmt eS, einige den Juden nachtheilige Behauptungen in ihrer Unrichtigkeit bloszulegen; nachdem er namentlich die Insinuation von Beaumetz zurückgewiesen, als wünschten die Juden selbst keine Aenderung ihrer Lage, wendet er noch gegen den überwundenen Angreifer die eigenen Waffen und ruft: „Und wenn die Juden so erniedrigt wären, daß sie nicht wünschten, das unveräußerliche und unverjährbare Recht des Menschenthums wieder anzutreten, so müßten wir es ihnen geben, um sie aus ihrer Entartung und Versunkenheit zu heben." — Endlich schloß die Sitzung; ihr Ergebniß war ein Compromiß auf Kosten der Juden: alle bisherigen Beschränkungen französischer Bürger in der Ausübung der politischen Rechte sollen aufgehoben sein, nur in Betreff der Juden behält man sich weitere Entscheidung vor^). Sechs Monate tagte die Nationalversammlung, ohne die 48) Der Fürst von Broglie (Colmar-Schlettstadt) stellt den Antrag: Ajonrner la delib^ration sur le droit de eite r£clam6 en faveur des juifs et decreter au surplus qu'il ne pourra etre exige auouue autre condition d’6ligibilit6 ni admis aucun autre motif d’exclusion que ceux qni ont ete d&termin&s pour la Constitution derogeant X tous reglementfl et ordonances ä ce contraires. 49) Es wurde der ursprüngliche Antrag de 1» Tuque’s mit zwei Amendements von Beamnetz in folgender Gestalt angenommen: Be» non-catlioliques qui aurons d'aiileurs rempli toutes les conditions preserites dans les pr£cedens d&crets pour etre ilecteurs ou £ligibles pourront etreSlus dans tous les d£grfes Administration saus exception. Les non-catholiques sont capables de tous les emplois civils et Ideen der Freiheit und Billigkeit, welche die Zeit bewegten, im Jntereffe der Juden zur Geltung gebracht zu haben; für diese bestanden am Ende des Jahres 1769 die Zustände des alten Frankreich noch unverändert. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Die Statistik der Reichstagswahlen von 1698 in Bezug auf die für die einzelnen Parteien entfallenden Stimmen, geordnet nach der Größe der Gemeinden, ergibt das Resultat, daß bei den Antisemiten die größeren Gemeinden nur wenig von den anderen Gemeinden hervortreten. Im ganzen Reiche entfallen auf sie 3,67 v. H. aller Stimmen, in den kleineren Gemeinden 8,36, in den mittleren 3,17 und in den größeren 4,43. In 22 Großstädten vereinigten die Antisemiten Stimmen auf sich, doch ist ihr Antheil an der Gesammtzahl aller Stimmen meist nur sehr gering. Am größten war er in Dresden mit 20,07, dann folgen Barmen mit 12,66, Berlin mit 11,36, Leipzig mit 10,79, Magdeburg mit 9,40, Elberfeld mit 8,12, Hamburg mit 6,90, Altona mit 6,60, Hannover mit 5,04, Braunschweig mit 4,59, Charlottenburg mit 4,42, Frankfurt a. M. mit 3,92 und Stettin mit 3,45 v. H. Aachen, Düffeldorf, Chemnitz, Nürnberg, Stuttgart und Straßburg hatten gar keine antisemitischen Stimmen. Frankfurt a. M. Der Verein „Gumpertz'scheS Siechenhaus" hatte dieser Tage unter dem Vorsitze von Charles Hallgarten seine Hauptversammlung. Der Bericht gibt bekannt, daß die reichen Gaben, die im Jahre 1897 dem Verein zugefloflen sind, und zwar von Freifrau von Rothschild M. 30,000, von Gg. Speyw M. 5000 und von CH. Hallgarten M. 10,000, dem Vorstände den Muth gaben, sich nach einem geräumigen freigelegenen Platze zur Erbauung einer erweiterten Anstalt umzusehen. Hierzu spendete 1898 Frau Baronin Hirsch gleichfalls M. 20,000 und die Erben von Dr. S. H. Goloschmidt in Paris M. 15,000, andere Menschenfreunde kleinere Beträge. Zunächst wurde in Sachsenhausen am Wenoelsweg eine Liegenschaft erworben. Ehe zum Bau geschritten militaires comrne les autres citoyens, sans entendre rien pro juger relativement auxjuifssurlesquels 1’ass embl^e se reserve de prononcer,etau surplus sans qu’il puisse etre opposi X Tegibilite d’aucun citoyen d’autre exclusion que celle r£sultant des dd'crets con* stitutifs.

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