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Der Israelit · 1899-06-12 · Heft 46 (12.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 46 (12.6.1899)
Date
1899-06-12
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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XX Jahrgang. Sktlage )U M 46 -es «Israelit". Leitender Artikel. Die (eiiintniimtioii der Mn in FrnndreH. 21 u 3 b c u Quellen bearbeitet von Prof. Emannel Leser. *) (Fortsetzung.) Es war am 21. Dceember, als ein Abgeordneter der Guyenne, Brunet de la Tugue, den der Tagesordnung naheliegenden Antrag stellte, die Akatholiken zu allen Aemtern der Gemeindeverwaltung zuzulassen; in einem zweiten Satz fügt er dazu die Forderung, daß dieselben auch zu den andern Stellen des Civil- und Militärdienstes befähigt'^) sein sollen. Die Motion hatte, wie cs ihre Fassung zeigt, und den bestehenden Verhältnissen in der Heimath des Antragstellers gemäß, nur die Reformirten im Auge; erst während der Debatte über dieselbe wird der Gegenstand weiter ausgedehnt, und der Juden gedenkt zuerst Rüderer von Metz, der die Aufhebung aller königlichen Gesetze und Verordnungen fordert, durch welche einzelnen Claffen und Ständen die politischen Rechte entzogen worden. Ein gleich entschiedener und liberaler Geist spricht sich in einem Gesetzentwurf aus, den Graf Clermont Tonnere beantragt, und den er statt des Brunet'schen anzunehmen empfiehlt^'). Den Ausführungen Röderer's gegenüber ergriff dann ein Deputirter des Elsaß, der Advoeat Rewbell, das Wort, der seine Opposition gegen Aenderungen in der bisherigen Stellung der Juden erklärte, indem er Allen, die eine staatliche Gleichstellung derselben anstrebten, offen den Fehdehandschuh hinwarf. Damit war die Sache der Juden zuerst Gegenstand einer ausgebrochenen Meinungsverschiedenheit in der Nationalversammlung abgebrochen; am 23. beginnen sie auf's Neue. Clermont-Tonnere erhebt sich, um ausdrücklich alle Folgerungen anzuerkennen, die man aus der allgemeinen Fassung seines Antrags gezogen und die *) Man vergleiche 91r. 34 des „ISraelit". . 45) 1. Que les uon-catholiques qui auront (Tailleurs rempli toutes les conditions prescrites dans les precedens decrets pour etres electeurs et eligibles pourront etre eins dans tous les (legres d'administration saus exccption. 2. Que les non-catholiques sont capables de tous les emplois civils et militaires commc les autres citoyens actifs. -4K) Cl.-T.’s Antrag will das Gesetz: Aucun citoyen actif reunissant les conditions d’eligibilite exigees par la loi ne pourra etrc ecarte du tableau de Teligibilite ni etre exclu d’aucun office emploi ou fonction a raison de la profession qu'il exerce ou du culte quil suit. man zunt Theil geglaubt hatte bekämpfen zu müssen. Von den Religionen, sagt er, solle keine durch den Staat beschränkt werden, deren Lehren mit der Moral in Einklang ständen. Diese Ansichten werden vertheidigt von Maximilian Robespierre, aber auch um so heftiger angegriffen, von dem redegewandten Vorkämpfer der geistlichen und feudalen Interessen, dem Abbe Maury. In seinen Worten ist gerade gegen die Juden Alles zusammengestellt, was sich an Scheingründen und halbwahren Behauptungen Vorbringen ließ. Maury weist den Anspruch, der zu Gunsten derselben auf die bürgerlichen Rechte erhoben worden ist, zurück, indem er sie als ein fremdes Volk darstellt, gegen das Frankreich keine weiteren Verpflichtungen als die der Menschlichkeit habe; er sucht zugleich darzuthun, daß es nicht rathsam sei, dieses Volk in den Staatsverband aufzunehmen, da sein Religionsgesetz wie sein Character keine dem Gemeinwesen nützliche Thätigkeit von ihm erwarten ließen. Diese Ausführungen werden natürlich unterstützt von den Worten des Bischofs von Nancy, der soweit geht, eine Revolution in Lothringen in Aussicht zu stellen, falls die Versammlung zu Gunsten der Juden beschlösse. Zlber die freisinnigen Mitglieder des Hauses fürchten selbst unter den vorgespiegelten Gefahren nicht, ihren Principien treu zu bleiben; auch wenn die Sachkenntniß fehlt, um die angeblichen Thatsachen in ihrer Unrichtigkeit bloszulegen, halten die Vertheidiger der Menschenrechte an den Geboten der Freiheit fest. Der Pariser Parlamentsrath Duport spricht den muthigen Satz aus: Wenn wir die ungerechten Schranken aufheben, unter denen die unveräußerlichen Rechte des Menschen leiden, so brauchen wir keine unangenehme Folge zu fürchten, die sich etwa daraus ergibt! Dieser Gesinnung gemäß schlägt er vor, ohne weitere Beschränkung die Ausübung der politischen Rechte unabhängig zu erklären von andern Bedingungen als den von der Versammlung besonders festgestellten47). Zu Gunsten dieses Antrags zog Clermont-Tonnere den seinigen zurück; ob er von dem Hause angenommen würde, oder ob man dem Entwürfe Brunet's den Vorzug gab, der nur den Akatholiken, dem Begriffe nach den Reformirten, die politischen Rechte zuerkannte: darin lag die vorläufige Entscheidung über die Ansprüche der Juden. Die namentliche Abstimmung ergab 408 Stimmen für den Antrag von Brunet dela Tuquo; für Duport hatten sich 47) 11 ne pourra etre oppose a aucun francais soit pour deren ir citoyen actif soit pour Teligibilitfe ü, aucune fonction publique d’autres motifs d’exclusion que ceux qui sont deja prononces par Tassemblee nationale, abrogeant toutes lois et reglements ä ce contraires.

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