Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1899)
- Date
- 1899-06-08
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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solche nach außen Sinn und Berechtigung. Aber auch dann wäre weniger mit Worten als durch Thaten zu kämpfen. Das was an der Schechita an und für sich von deren Gegnern bemängelt wird, ist durch das fast einstimmige Votum der größten wissenschaftlichen Autoritäten so glänzend widerlegt, daß sich die Agitation gegen das Schächten, nicht mehr gegen den eigentlichen Schächtakl, sondern gegen die Vorbereitungen dazu wirst. Da die Vorschriften des Rituals, welche diese Vorbereitungen, also das Niederlegen der zu schlachtenden Thiere zum Gegenstand haben, lediglich den Zweck verfolgen, das Thier vor einem plötzlichen Fall zu schützen, der eine Verletzung zur Folge haben könnte, so ist uns jede Art des Niederlegens, welche diesen Zweck am besten erfüllt, nicht nur gestattet, sondern sogar geboten. Sollte sich dafür eine bessere Methode als die vom Ritual vorgeschriebene finden, so wird sie jederzeit dankbar von uns begrüßt und acceptirt werden. Seitdem die Agitation gegen das Schächten en vogue st, schießen neue Vorschläge und Methoden des Niederlegens der Schlachtthiere wie Pilse aus der Erde. lWir sind der Ansicht, daß die allgemein eingeführte Methode durch Winden das Thier zum Fall zu bringen, wenn sie mit der erforderlichen Umsicht gehandhabt wird, die beste von allen ist und jedenfalls keinen berechtigten Grund zur Klage über Thierquälerei bietet. Als besonders mustergiltig verdienen die Windeeinrichtungen im Schlachthause zu Frankfurt a. M. bezeichnet zu werden. Dort funktionirt eine neue Art von Winden (die sogenannte Sicherheitswinde), welche das Niederlegen der Thiere so rasch und leicht bewerkstelligt, daß auch die übelwollendste Kritik nichts daran auszusetzen hat. Ihre allgemeine Einführung wird erschwert durch die Kostspieligkeit der Anschaffung, ferner durch eine gewiffe nicht unbeträchtliche Höhe des Schlachthauses, die für eine gute Funktionirung erforderlich ist. Neuerdings wird vielfach die Methode des Niederschnürens der Thiere empfohlen, wie sie schon seit vielen Jahren in den Thierarzneischulen für Operationszwecke üblich ist. Sie hat den Vorzug, daß dafür keinerlei Vorrichtung, sondern nur ein 12—14 Meter langes Seil erforderlich ist, und daß zwei Personen genügen, um auch das größte Thier leicht niederzulegen. Diese Methode wird von dem Thierschutzverein in St. Petersburg als die geeignetste empfohlen und ist auf Anregung des Hofrath Dr. Dembo mit Zustimmung der russischen Rabbiner neuerdings allenthalben an Stelle der bisherigen Fällungsmethode in Rußland für das Schächten eingeführt worden. Dieselbe ist von den Professoren der Thierarzneikunde Guolt und Hartwig und findet sich in Dr. Eduard Hering's Handbuch für thierärztliche Operationslehre (1866) S. 25 eingehend beschrieben. Eine Broschüre, „Das Niederfchnüren den Rindes" von Prof. Dr. Heß an der Thierarzneischule zu Bern behandelt den Gegenstand besonders ausführlich. Die allgemeine Einführung dieser Methode, w o man an dem bisherigen Verfahren mit Recht oder Unrecht Anstoß nimmt, dürfte der Agitation gegen das Schächten ein wichtiges Agitationsmittel entziehen. Die Methode ist jedem Thierarzt bekannt und aus seiner Praxis geläufig. Es ist daher rathsam, bei ihrer Einführung einen solchen zu Rath zu ziehen. Damit wäre aber auch alles erschöpft, was wir nach außm hin der Agitation gegen das Schächten entgegen zu setzen hätten. Dagegen bleibt nach innen noch so viel zu thun übrig, daß wir dem noch eine Schlußbetrachtung widmen wollen (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin. Die neuen Erschwerungen für jüdische Kaufleute, die nach Rußland reisen wollen, haben selbstverständlich auch die Centralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen beschäftigt und diese Körperschaft veranlaßt, sich mit einer Eingabe an den Reichskanzler zu wenden, in der es über den letzteren Punkt heißt: „Die verfassungsrechtliche Gleichstellung in Deutschland zeigt, daß soweit deuifche Untertanen jüdischen Glaubens in Frage kommen, keinerlei Veranlassung vorliegt, ihnen weniger Vertrauen entgegenznbringen, als den Angehörigen irgend einer anderen Religionsgemeinschaft." Die Eingabe bittet darum, daß eine Milderung der härtesten Bestimmungen im Wege diplomatischer Verhandlung herbeigeführt werde. Die Hoffnung, daß der Reichskanzler diesem Ersuchen stattgiebt, ist nicht ausgeschloffen, wohl aber jede Aussicht auf eine Zustimmung der maßgebenden Behörden in Petersburg. München, 1. Juni. Eine fromme und gottesfürchtige Frau, ein nm in des Wortes vollster Bedeutung ist aus unserer Mitte geschieden. Frau Hanna Rachel Rabinowitz, die Wittwe des großen, weithin berühmten Gelehrten, der im Jahre 1888 so jählings aus seiner genial schöpferischen, ruhmvollen Geistesarbeit herausgerissen wurde, verstarb p'v "2 plötzlich in Reichenhall, wohin sie sich begeben hatte, um dort ihren leidenden, einzigen Sohn bester pflegen zu können. Man muß sich das Bild eines