Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1899)
- Date
- 1899-06-05
- Page
- Seite 842 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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842 stacheln. Daß er" in seinen Gesinnungen der ihre bleiben würde, dafür war ja genügend gesorgt, aber eS galt, ihn auch äußerlich feftzuhalten und so hatten sie ihn zu bestimmen gewußt, diese Versammlung esnznberufen, seinen Namen unter den von Biesfeld verfaßten Aufruf zu setzen, der schon seil acht Tagen an allen Mauerecken Gollheim's prunkte. Wegner war nicht wenig stolz auf seine Fortschritte. Immer noch klang es unaufhörlich in ihm, doppelsinnig und mahnend: „Du wirst an mich denken —Auch jetzt, wie er in der Mitte des Vorstandstisches Platz nahm, sein Auge über die gespannten Gesichter da unten hinglitt und für einen Moment der Gedanke in ihm auftauchte, wie er sich doch binnen kurzer Zeit so ganz verändert habe — auch da schlug jenes Wort mit einem Male alle seine Gedanken nieder und beruhigte das Herz, das ihm einige Augenblicke schwer und bang gepocht halte. Robert Wegner hob die Klingel und eröffnte die Versammlung. Biesfeld hatte zwar von ihm verlangt, er solle einige einleitenden Worte sprechen. Allein dem hatte sich Wegner energisch widersetzt. An ein solches Auftreten in der Oeffentlichkeit war er doch zu wenig gewohnt. Und so begnügte er sich mit der äußeren Repräsentation, die er auch mit einer gewissen Würde festhielt. Er heuchelte sich selber in eine gewisie feierliche Stimmung hinein: Die patriotischen Phrasen Biesfeld's wirkten in ihm nach. Er redete sich in der That ein, eine Art Vaterlandsretter zu werden. In Wahrheit trieb ihn, wie wir wissen, die Rachsucht, zu der sich übrigens in letzter Zeit auch noch der Neid hinzugesellte. Sein eigenes Geschäft war immer mehr zurückgegangen. Der Verlust an den bei Rubo gekauften Hölzern hatte bald andere Verluste nach sich gezogen, dazu war er selbst nicht mehr mit Leib und Seele beim Geschäft, die Agitation nahm seine meiste Zeit in! Anspruch. Tage lang hatte er in H. verweilt und sich von Biesfeld und Görbig in die Geheimnisse der Judenhetze einweihen lasien. Das Trinken hatte er dabei auch nicht verlernt, und so neigte sich sein Weg bereits auch in geschäftlicher Beziehung bedenklich abwärts. Dafür sah Wegner seinen ehemaligen Freund — über dessen Verhältnisse er sich trotz allem genau auf dem Laufenden hielt — immer weiter iortschreiten in seinem Wohlstand und jetzt hatte er gar gehört, daß Rifka's Verlobung mit Dr. Kaufmann perfekt geworden war. Der Jude sah überall Gelingen und Erfolg und er nur Mißlingen und Mißerfolg-! „Herr Biesfeld hat das Wort" rief Wegner mit lauter Stimme, und alsbald erhob sich der Agitator zu einer fulminanten, schlau berechneten Rede, deren Gänge nnd Wendungen ein freundlicher Leser aus allem, was wir bisher von Biesfeld gehört, selbst wird ermessen können. Neu an dieser Rede war nur ihr Schluß uub Höhepunkt. Mit unvergleichlich gut gespieltem Pathos sprach Biesfeld von der werbenden Kraft des Antisemitismus und ging zunächst dazu über, seinen Zuhörern als lebendiges Beispiel dieser Kraft, den Vorsitzenden der Versammlung, Herrn Holzhändler Robert Wegner, zu präsentieren. (Fortsetz, folgt.) Wochen - Kalender. Donnerstag, 8. Juni, 30. Sivan, n"~n 's ov. Freitag, 9. Juni, 1. Thamnö, n"-n ‘3 nr. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. * Uhr 15 Min. Samstag, 10. Juni, 2. Thamus, ‘3 's 'd ,mp. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min. — Berlin 9 Uhr 23 Min. — München 9 Uhr 02 Min. — Hannover 9 Uhr 36 Min. — Stuttgart 9 22 Min. — Prag 9 Uhr 05 Min. — Straszburg 9 tlhr 25 Min. — Posen 9 Uhr 09 Min. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags and ()onnerstne«i, jedesmal in mindestenzwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Au-land eulsprechend hoher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. 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