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Der Israelit · 1899-06-05 · Heft 44 (5.6.1899) · p. Seite 841

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 44 (5.6.1899)
Date
1899-06-05
Page
Seite 841 (sequence 7)
Language
German
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841 idealeil Höhe der Juden comme il faat nod) sehr weit entfernt zu sein. Er wirft die Flinte sofort ins Korn, wenn er einige Male mit religiösen jungen Leuten schlechte Erfahrungen gemacht hat, alS ob ihm das nicht auch bei unreligiösen jungen Leuten passiren könnte. Mit der Dankbarkeit, welche nach der Meinirng des Herrn Einsenderspeziell einen religiösen jungen Mann gegen seinen Prinzipal beseelen soll, ist eS ein eigen Ding. Wer auf Dankbarkeit reflektirt, der thut am besten, auch die geringste gute That zu unterlasseil. Ist selbstloses Handeln schon für den gewöhnlichen Menschen die Bedingung zum Gutsein, lim wieviel mehr für einen treuen L>ohn der jüdischen Gesetze. Jude sein, heißt ein „Held der Pflicht" sein. Was ich verlange, daS ist die richtige Gesinnung. Ohne eine reine, selbstlose Gesinnung, werden wir auf Schritt und Tritt den Interessen des Judenthums zuwiderhandeln und unsere kleinlichen persönlichen Fragen bevorzugen. Statt die Heiligkeit des göttlichen Namens zu verbreiten, werden wir ihn dann i"n entweihen. Ich bin mir voll und ganz der Verantwortlichkeit meiner Worte bewußt. Die innigste Liebe zu meinem Judenthume hat sie mir eingegeben, und da sie und das unverfälschte Judcnthum eins sind, so wird ihnen die Zukunft gehören. Ihr ergebener Salv Geis. Feuilleton. iebet eure Weinde." »üc «in« apologetische Srz-Htung Von Arnold Hann. 17) Nachdruck verboten. Der Tisch wurde abgeräumt, man brach auf. Feist wollte sich noch etwas auf den Abend vorbereiten, obwohl er sich im Großen und Ganzen klar war über die Art, wie er auftreten würde; die Frauen wandten sich ihrer Wirthschaft zu, Hirsch Kaufmann mußte noch einen Weg machen. So blieb das Brautpaar mit wenigen noch zurückgebliebenen Gästen in der traulich-dunklen Hütte zurück. „Mir ist so bang —" flüsterte Rifka und lehnte ihr schwarz gelocktes Köpfchen an Benedikts Brust. Er streichelte ihr sanft Haar und Wange. „Wovor denn?" fragte er leise. „Vor der Zukunft!" war die rasche Antwort. „Ist denn die Zukunft nicht unser Glück?" Es lvar ein leiser Groll aus dem Tone herauszuhören, in welchem er das sagte. „Ja, Beni!" Sie hob beseeligt das Auge zu ihm empor. Aber rasch umflorte es sich wieder, „— und doch —" setzte sie mit sanfter Festigkeit hinzu, weiter kam sie nicht, zwei schwere Thränen lösten sich von ihren Wimpern und rollten wie zwei Perlen über die rosigen Wangen. „Närrchen!" scherzte er und küßte ihr die Thränen fort. „Weißt Du, baß Du mich beleidigst? Vertraust Du mir nicht? Lebt nicht in Dir die süße Gewißheit, daß ich jeden Schleier und Nebel, der düster unser Glück verhüllen will, zerreißen, daß ich jeden Stein der Sorge, der uns im Wege liegt, zur Seite schieben werde, daß damit unser Weg eine freie Bahn werde, von einer verheißungsvollen Sonne warm und hell beschienen, der Sonne unsrer Liebe? Weißt Du das nicht?" „Daß Du w i l lst, weiß ich", gab sie sanft zurück, „aber wirst Du's auch immer können?" „Ich kann, was ich will!" erwiderte er mit edlem, männlichen Stolze. „Gott gebe es!" bekräftigte Rifka, von neuem Muthe erfüllt. Durch das grüne Gezweig der Sukkah brach ein Strahl der späten Oktobersonne und spiegelte sich golden in den blanken Rinnen der Sabbatlampe, welche von der Decke mitten in einem hölzernen, von farbigem Papier belegten Mögen David herabhing. Der Wiederschein dieses Sonnenstrahls fiel auf die verklärten Angesichter eines glücklichen Brautpaares. Der niedrige, aber langgestreckte Saal im oberen Stockwerk des Gasthauses zum Löwen war dicht gefüllt. Eine lebhaft diskutierende, rauchende und trinkende Menge saß an zahlreichen kleinen Tischen, deren der dicke, behäbige Löwenwirth immer neue herbeischaffen mußte, um die fort und fort anrückenden Menschen unterzubringen. An der schmalen Wand, die der Eingangsthür gegenüber lag, befand sich ein nothdürftig aus mehreren Brettern gezimmertes Podium, auf dem der Vorstandstisch mit mehreren Stühlen gerade Platz hatte. Auf dem Tisch war eine große, gelbe Klingel gestülpt. Sonst war zunächst noch nichts auf dem Podium zu sehen. Der Vorstand, der Einberufer der Versammlung und der Redner wartete in einer kleinen Nebenstube, bis die Uhr genau auf acht, den Beginn der Versammlung, weisen würde. Aus der lebhaften, mit erregten Gestikulationen geführten llnterhaltung, in der die wartende Menge beisammen saß, war deutlich das tiefe Interesse herauszuhören, welches diese Leute hergeführt hatte. Es schien ein wohlvorbereiteter Boden, in welchen nun die letzten, aber wirksamsten Keime einer giftigen Aussaat gesenkt werden sollten. Die Thür der Nebenstube ging auf. Aus ihr schritt Robert Wegner, gefolgt von Paul Biesfeld und Theodor Görbig. Der Holzhändler hatte es in diesen Sommermonaten zu einer leitenden Stellung innerhalb der antisemitischen Agitation gebracht. Biesfeld und Görbig hatten es verstanden, seinen Ehrgeiz anzu-

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