Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1899)
- Date
- 1899-06-05
- Page
- Seite 840 (sequence 6)
- Language
- German
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840 hat, die vom jüdischen Religionsunterricht ferngehalten werden. Die Kultusgemeinde sah sich infolge dessen veranlaßt, auf die Eltern Ln der Weise einzuwirken, daß die Schüler, die keinen Religionsunterricht erhalten haben, im Schulzeugniß gar keine Rote, oder die Note „ungenügend" bekommen, was zur Folge hätte, daß sie nicht „aufsteigen". Eine Abordnung der Eltern dieser Schüler sprach beim Kultusminister vor, um gegen dieses Vorgehen Abhilfe zu suchen. Der Minister erklärte aber, der Religionsunterricht fei das autonome Recht der Kultusgemeinde, und er könne in dieser Angelegenheit nichts thun. Rumänien. Bukarest, 29. Mai. (Antisemitische Unruhen in Jassy.) Bereits in heutigen Morgenblättern waren kurze telegraphische Berichte über gestern in Jaffy vorgefallene Antisemiten-Unruhen enthalten. Da aber leider die konservative Regierung betreffs Unterdrückung aller ihr unangenehmen Depeschen vollständig in die Fußtapfen ihrer nationalliberalen Vorgängerin getreten ist, so haben erst die heute Nachmittag aus Jaffy eingetroffenen Briefe nähere Mittheilungen über diese Exceffe zu bringen vermocht. Weit entfernt, auch nur annähernd vollständig zu sein, laffen dieselben doch erkennen, daß gegenüber der gestern Nachmittag durch die Straßen der moldauischen Hauptstadt tobenden antisemitischen Revolte die Bukarester antisemitischen Pöbelexzesse vom 5. Dezember ein reines Kinderspiel gewesen sind. Wie diesen, so war auch dem gestrigen Jaffy'er Antisemitenkrawall ein Meeting des sogenannten studentischen National-Komitees vorangegangen, auf welchem mehrere Redner, darunter auch eine Dame und ein Major a. D., sich in den heftigsten Angriffen gegen die Israeliten ergingen. Nach dem Meeting wälzte sich ein aus dem Pöbel der Vorstädte gebildeter Menschenhaufe unter Vorantragung nationaler Fahnen und antisemitischer Plakate durch die von zahlreichen Israeliten bewohnten Straßen der Stadt, allenthalben die Fenster der israelitischen Wohnhäuser und die Läden der Geschäftslokale zertrümmernd. Unweit des Domes „Drei Esarchi" stießen die Tumultuanten auf eine Compagnie Fußgendarmen, welche von ihnen mit Steinen beworfen und in die Flucht gejagt wurde. Bei diesem Straßenkampfe wurden mehrere Personen, darunter der Gendarmeriekapitän und ein Polizeikommiffär, durch Steinwürfe schwer verwundet. Hier erst trennten sich die Studenten, nachdem sie ihre von der Gendarmerie abgenommene Fahne wiedererobert hatten, von den Tumultuanten und zogen sich in das Lokal des Studenlenvereins „Solidarittea" zurück. Trotzdem gegen die demonstrirende Pöbelmafleauch Kavallerie aufgeboten wurde, gelang es doch nicht, die Tumultuanten zu zerstreuen. Sie sammelten sich vielmehr auf dem Tirgul Cuculiu (Kukukmarkt), einem ausschließlich von Israeliten bewohnten Stadttheil in verstärkter Aazahl, wo sie bis zur Ankunft von einer Compagnie Gendarmen und zwei Compagnien Dorobanzen die brutalsten Ausschreitungen egen Eigenthum und Personcn begingen. Erst nach Uhr Abends konnte den volle vier Stunden andauernden Krawallen ein Ende gemacht werden. Zahlreiche Theilnehmer an den Skandalen wurden verhaftet: in den Spitälern wurden viele Verwundete untergebracht. Unter der Jasiy'er Judenschaft herrscht auch heute noch eine leicht begreifliche Panik. Die israelitischen Geschäftsleute hatten ihre Verkaufslokale geschloffen, und ein heute an den in Piatra weilenden Distriktspräfekten abgegangenes Telegramm der israelitischen Bevölkerung Jassy's verlangt die Verhaftung der studentischen Urheber der Revolte und Bürgschaft für die Sicherheit des Eigenthums. Vermischtes. Arankfurt a. M. Am vergangenen nipw^- Feste wurde der hiesigen Klaus-Synagoge eine herrlich von nsiD Buno in owitz geschriebene min “1DD, die zu schreiben M. 1500 kostete, von Frau Judith Wertheimber, geb. Dusries, zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten, Herrn Zacharias Wertheimber, übergeben. Ferner erhielt letzthin die Synagoge der isr. Religionsgesellschaft von Herren Gebr. L ö w e n st e i n zum Andenken an ihren verstorbenen Pater ein kostbares ro~©. Sprechsaal. (Für diesen Theil übernimmt die Redaktion dem Leserkreis gegenüber nur die Vreßgeseyliche Verantwortung.) Geehrter Herr Nedacteur! In einer Ihrer jüngsten Nummern brillgen Sie eine Erwiederung auf meinen seinerzeitkgen Artikel „Unsere jungen Leute". Ich will meinem Gegner nichts nachgeben und so liebenswürdig sein, an die redliche Absicht „des im praktischen Leben stehenden Geschäftsmannes" zu glauben: aber auch ich habe nicht pro clomo geschrieben,, sonderil bin gleichfalls ein im praktischen Leben stehender Geschäftsmann. Es hat mir auch uicht, wie der Herr Anonymus aunimmt, ein be stimmter Fall bei der Abfassung rrieines Artikels vorgegeschwebt: eine Kette von Vorfällen veranlaßie mich, das endlich einmal auszusprechen, was sich schon längst die Spatzen auf dem Dache pfeifen. Ich leugne es durchaus nicht, daß meine Wünsche sich beim besten Willen nicht immer verwirklichen lassen; doch muß ich fest darauf bestehen, daß die in meinein Artikel zur Ausführung gebrachte Anschauung in einem streng religiösen Juden zu leben hat, wenn er im Geiste unserer heiligen Thora und zum Segen des jüdischen Volkes wirken will. Freilich, mein geehrter Herr Gegner scheint von dieser