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Der Israelit · 1899-06-05 · Heft 44 (5.6.1899) · p. Seite 839

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 44 (5.6.1899)
Date
1899-06-05
Page
Seite 839 (sequence 5)
Language
German
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839 '-nH^uch Schifffahrt, der Deputation für indirekte Steuern und andere Behörden, während er in der Berathungsbehörde für das Zollwesen zur Zeit noch thätig ist. Im Jahre 1888, fast gleichzeitig mit seinem Eintritt in die Bürgerschaft, wurde Herr Hinrichsen durch das Vertrauen seiner Mitbürger als Vertreter des ersten Hamburgischen Wahlkreises in das deutsche Zollparlament und den Norddeutschen Reichstag entsandt, dem er bis zum Jahre 1871 angehörte. Hier vertrat er mit ganz besonderer Energie die Erhaltung der Freihafenstellung Hamburgs und, nachdem er zur Erleichterung des Verkehrs des hamburgischen Handels mit der Industrie der norddeutschen Bundesstaaten die Errichtung der Zollvereinsniederlage mit veranlaßt, gehörte er dem Verwaltungsrath dieses Instituts bis zu deffen Uebergang an den Staat in leitender Stellung an. Auch seinen Wohlthätigkeitssinn hat Herr Hinrichsen oft und gern in ganz hervorragender Weise zu bekunden Gelegenheit genommen, als langjähriges Mitglied des Vorstandes der deutschisraelitischen Gemeinde und namentlich als Vorstandsmitglied der Abtheilung der Alliance Jsraelite. Daß es dem hochverdienten Manne an seinem Geburtstage an Ovationen und Sympathiebezeugungen aus den weitesten Kreisen der Hamburgischen Bevölkerung nicht fehlen würde, war wohl vorauszusehen. So erschienen nach den vielen Familienangehörigen und Freunden des Jubilars im Laufe des Vormittags zunächst Deputationen des Vorstandes der deutschisraelitischen Gemeinde, des Vorstandes des Alliance Jsraelite und andere Wohlthätigkeitsinstitute, um Adressen zu überreichen. Ebenso überbrachten der Vorstand nnd viele Mitglieder der Bürgerschaft ihre Glückwünsche, und zahllose Glückwunschtelegramme liefen von nah und fern ein. Herr Bürgermeister Dr. Vermann stellt sich um die Mittagsstunde ein, um den ihm seit langen Jahren befreundeten Jubilar persönlich zu beglückwünschen. Groß war die Zahl der überreichten kostbaren Ehrengeschenke, unter welchen sich auch ein mit den Wappen von Hamburg und Güstrow geschmückter Pokal und der WivmungSinschrift: „Dem hochverdienten Vorsitzenden des Comite für die russischen Juden in Hamburg" befand. Eine große Freude bereiteten dem Jubilar die Bismarckbriefe von „Horst Kohl", Herr Hinrichsen war während seiner Thätigkeit als Reichslagsabgeordneter von dem Fürsten Bismarck stets zu den parlamentarischen Abenden deffelben geladen. Nordenburg, 28. Mai. Unter außerordentlicher Betheiligung der gesammten Einwohnerschaft wurde in unserer Stadt das Fest der Grundsteinlegung zu einer Synagogegefeiert. Nach einem Festesten im Hause des Vorstehers Herrn B. Sandelowsky fand eine feierliche Andacht im Saale des Adlerhotels statt, wobei vor dicht gedrängtem Auditorium — die Honoratioren der Stadt waren vollzählig erschienen — der Kreisrabbiner Dr. Beermann— Insterburg in gewohnter Meisterschaft die Festrede hielt, die einen liefen unvergeßlichen Eindruck auf alle Hörer machte. In geistreicher Ausführung wies der verehrte Redner nach, daß nur dann das neue Gotteshaus eine Himmelspforte werde, wenn es aufgefaßt wird als „rechtes Bet- und Lehrhaus, als heiliges Weihe- und Wehrhaus." Auf dem Bauplatz, wo sich trotz der Ungunst des Wetters ein zahlreiches Publikum versammelt hatte, wurde mit der Grundsteinlegung unter Segen und Gebet des Rabbiners die erhebende Feier beendet. Afchaffenvurg, 4. Juni. Von einem unserer Mitarbeiter, welcher mit den hiesigen Verhältniffen seit vielen Jahren vertraut ist, erhalten wir zur Notiz Aschaffenburg in einer der jüngsten Nummern unseres Blattes, die Mittheilung, daß die jüdischen Schüler des hiesigen Gymnasiums sich niemals wegen des Mangels eines Religionsunterrichts an dieser Anstalt beschwert und in letzterer Zeit sich gewiß nicht beschwert haben. Beschwerdeführend trat nur der uneigennützige Distriktsrabbiner Simon Bamberger in dieser Beziehung auf, der sogar das Anerbieten machte, den Religionsunterricht unentgeltlich zu ertheilen, wenn dieser Unterrichtsgegenstand obligatorisch erklärt würde. Der damalige Rektor der Schule verhielt sich ablehnend, wodurch das Ministerium den Antrag zurückweisen mußte. Das Gymnasium Aschaffenburg wird nämlich nicht aus Staatsmitteln unterhalten, ist vielmehr eine Stiftung mit geistlicher Verwaltung. Nach dem Heimgange des unvergeßlichen Rabbi Simon Bamberger wurde die Rektorstelle in Aschaffenburg dem s. Z. in Münnerstadt amtierenden Rektor übertragen. Dieser Rektor hatte schon in Münnerstadt auf den Antrag des Herrn Distrikts-Rabbiners M. C. Bamberger n in Bad-Kissingen hin den jüd. Religionsuntericht eiugeführt und war daher selbstredend auch in Aschaffenburg einem solchen Anträge geneigt. O e ste rr.- U n g a r. Monarchie. Budapest, 21. Mai. Zwischen der hiesigen Kultusgemeinde und der schottischen Religionsgemeinde ist ein ungewöhnlicher Konflikt ausgevrochen. Die erftere forderte nämlich die Eltern der Kinder, welche die Volksschule der letzteren besuchen, zur Meldung derselben auf, da sie dort ihrer angestammten Religion entfremdet werden und der jüdische Religionsunterricht aus dem Unterrichtsplane eliminirt wurde. Dieser Aufforderung gemäß blieb ein Theil der Schüler aus. Doch den verschiedenen Lockmitteln der Missionsanstalt konnten nicht alle widerstehen, so daß die Volksschule noch immer jüdische Schüler

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