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Der Israelit · 1899-06-05 · Heft 44 (5.6.1899) · p. Seite 838

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 44 (5.6.1899)
Date
1899-06-05
Page
Seite 838 (sequence 4)
Language
German
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838 Referent erläutert die in den betreffenden Anstalten für die Heranbildung der Vorbeter zu erfüllenden einzelnen Forderungen und untersucht eingehend die Frage, ob die bestehenden Seminarien diesen Forderungen genügen, was vom Referenten verneint wird. Deßgleichen werden die Schritte des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes zur Herbeiführung einer Befferung in diesem Punkte, sowie die Antworten der israelitischen Lehrerbildungsanstalten auf deffen Rundschreiben erwähnt und kommt Referent zum Schluffe, daß der Kandidat nach beendigter Seminarzeit nur im Besitze der elementaren Anfänge einer kantoralen Ausbildung ist, und dieselbe in der Praxis erst recht beginnen muß. Zu diesem Zweck fordert Referent die Einrichtung geeigneter Vorbereitungsanstalten für Kantoren und zwar in Großgemeinden, dem Sitze der Wirksamkeit tüchtiger Kantoren. Diese Anstalten müßten eine gediegene musikalische und kantorale Ausbildung für alle Zweige des Kantordienstes vermitteln, welche vom Referenten einer eingehenden Betrachtung unterzogen werden, und müßten sich darstellen in sogenannten Fortbilvurgskursen für die Lehrer der in engerem und weiteren Sinne, um die Großgemeinden liegenden Orte, und zweitens in besonderen Kursen für stimmlich befähigtere Kandidaten zur Verwendung in Großgemeinden, wobei die Ausbildung an Zeit entsprechend verlängert und an Gründlichkeit verlieft werden müßte. Solange jedoch solche durchaus nothwendige Anstalten nicht bestehen, müßte jeder Lehrer seine kantorale Ausbildung mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln betreiben. Referent gibt nun eingehende Rathschläge für diese Ausbildung, sowie eine würdige, kundige Bekleidung des Kantordienftes und erörtert unter Anführung mehreren Urtheile hervorragender jüdischer und nichtjüdischer Musikschriftsteller die Bedeutung der überlieferten synagogalen Melodien, zu deren Erhaltung alle öffentlichen Faktoren des Judenthums ihr Bestes einfetzen müßten, da dieselben ein hervorragendes Kulturelement irn Judenthum darstellen. Zum Schluffe untersucht Referent die Vorbedingungen einer gedeihlichen kantoralen Wirksamkeit und bespricht die Gefahren, welche derselben, sowie der Erhaltung der altüberlieferten synagogalen Melodien drohen, und zwar seitens der Gemeinden, der Kantoren selbst und des jüdischen Kultus überhaupt. Die Versammlung nahm die Ausführungen des Referenten beifällig auf, und der Vorsitzende dankt demselben für die eingehende sachliche Arbeit. Der Correferent, Herr Rabbiner Dr. Hirschfeld—Gießen, erklärt sich unter Ergänzung einiger Punkte mit der Arbeit des Referenten in jeder Beziehung einverstanden und wünscht, daß dieselbe der breiten Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Für die nächstjährige Generalversammlung übernehmen die Herren Spie r—Großzimmern und Rabbiner Dr. S ch l e s i n g e r—Bingen ein Referat beziehungsweise Correferat, deffen Thema den Herren Referenten beziehungsweise Correferenten noch Vorbehalten bleibt. Dagegen soll in den Provinzialkonferenzen das Thema: „Der nachbiblische Geschichtsunterricht in der Volksschule" behandelt werden, und übernehmen die Herren Tannenwald— Griesheim, und Dr. Barna ß—Pfungstadt für Starkenburg, sowie Herr K a u f m a n n—Schotten für Oberhessen das Referat bez. Correferat hierüber. Der Unterzeichnete beantragt im Anschluß an diese Vorträge auch eine Lehrprobe aus demselben Gegenstand zu halten, was von der Versammlung gutgeheißen wird. Nachdem der Vorsitzende der Direktion der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft den Dank der Versammlung für die Ueberlafsung des Saales ausgesprochen hat, schließt derselbe unter weiterem Dank an die Anwesenden für deren. Erscheinen, die anregend verlaufene Versammlung. I. A. des Vorstandes: I. Lebermann, Schriftführer. Hamburg. Herr M. W. Hinrichsen, ein um das öffentliche Wohl Hamburgs sehr verdienter Mann, beging den 17. Mai seinen siebzigsten Geburtstag. Als Sohn eines Kaufmanns in Güstrow in Mecklenburg geboren, kam Herr M. W. Hinrichsen im Alter von 21 Jahren nach Hamburg, das von ihm bald durch Gründung eines eigenen Geschäfts zum festen Wohnsitz erkoren, ihm zur zweiten Vaterstadt werden sollte. Herr Hinrichsen steht noch heute an der Spitze des von ihm begründeten Commijsionsgeschäfts, das auf solider Grundlage unter seiner energischen Leitung in kurzer Zeit zu kräftiger Entfaltung gelangte, und dessen fünfzigjähriges Jubiläum ihm hoffentlich noch in gleicher Geistesfrijche und Rüstigkeit zu feiern vergönnt ist, wie gestern seinen 70. Geburtstag. Im Jahre 1868 trat Herr Hinrichsen in das öffentliche Leben ein, indem er zum Mitglieds der Handelskammer erwäblt, von dieser als ihr Vertreter in die Bürgerschaft entsandt wurde. Ununterbrochen hat er seitdem unserer gesetzgebendcn Körperschaft angehörend auf Grund allgemeiner wie von Notablenmahlen, im Interesse Hamburgs, sowohl in den verschiedensten Commissionen und Ausschüssen wie als gewandter Redner in der Debatte, eine vielseitige Thätigkeit entwickelt, wobei ihm namentlich seine stets nur das Allgemeinwohl im Auge habende Objektivität, die Anerkennung aller Parteien sicherte. Neben seiner bürgerschaftlichen Thätigkeit hat Herr Hinrichsen auch in nicht wenigen Aemtern gewirkt, so als Mitglied der Deputation für Handel und

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