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Der Israelit · 1899-05-31 · Heft 43 (31.5.1899) · p. Seite 828

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 43 (31.5.1899)
Date
1899-05-31
Page
Seite 828 (sequence 18)
Language
German
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828 Und daher von einer Rothwendigkeit dieses Beitrags zur Ausgleichung eines Gemeindehaushaltes allerdings keine Rede sein kann, hat man doch auf diesen Beitrag deßhalb besonderen Werth legen zu sollen geglaubt, weil durch denselben die staatliche Fürsorge auch für den israelitischen Kultus zum äußeren Ausdruck gelangt, und andere Religionsgemeinschaften mit verhältnißmäßig höheren Zuwendungen aus Staatsmitteln bedacht werden. Der Gemeinderath hat unter Bezugrnahme hierauf dem Ministerium gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß auf Fortgewährung des, wenn schon geringen, Beitrages aus Staatsmitteln seitender Gemeinde doch besonderen Werth gelegt werden müsse. Die Vermögenslage der Gemeinde war eine günstige. Die Einnahmen betrugen 55075 M., die Ausgaben 51,117 M. — In Sachsen wohnen nach der letzten Zählung 9802 Juden. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 23. Mai. (Einen Ritualmord um jeden Preis!) Die Antisemiten von der Blut-Couleur des Mechanikers Schneider, wollten durchaus einen jüdischen Ritualmord zu Stande bringen — sie brauchen eine thatsächliche Bestätigung ihres Blutmärchens. Es wurden doch leider in letzter Zeit so viele grausame Morde verübt, die allgemein Entsetzen und Entrüstung erregten — aber bei keinem wollte es trotz der eifrigsten Bemühungen gelingen, ihn zum Ritualmorde zu stempeln. Der Mädchenmord bei Polna schien allerdings die günstige Gelegenheit zu bieten, und Alles war bereits vorbereitet — in den antisemitischen Blättern wurde schon der angebliche Mörder mit Namen genannt und die Volkswuth gegen ihn aufgestachelt; die Schächter von Kolin und Goltsch-Jenikau wurden als Mitschuldige bezeichnet, obgleich keiner von ihnen zur Zeit der That auch nur in der Nähe von Polna war, und der ganze zum Ritualmord nöthige Thatbestand war bereits konstruirt — da machte die Prager Polzei- Direction den Antisemiten einen Strich durch die Rechnung, indem sie den Handschuhmacher-Gehilfen Janda verhaftete, auf den alle Umstände als den Mörder Hinweisen. Es war also wieder nichts mit dem Beweise des Blutmärchens. Kaum hatte sich die Kunde von der Auffindung der Leiche der kleinen Mizzi Winter im Keller des Hauses Nr. 5 der Payergaffe verbreitet, da eilte Mechaniker Schneider hinaus nach Ottakring, um alle Umstände des Verbrechens sorgfältig zu erheben, aber bevor er noch hinauskam, war der Thäter bereits verhaftet, und aus Joseph Kopetzky ließ sich beim besten Willen kein Ritualmörder machen. Aber es muß doch einen solchen geben — die Antisemiten brauchen ihn dringend nothwendig. Da wurde denn in der Mordchronik zurückgeblättert, um nachträglich einen geeigneten Fall zu finden. In der That wurde ein solcher entdeckt. Vor einigen Wochen wurde im Leichenhause des Central - Friedhofes in Salzburg die Leiche eines noch kindlichen Mädchens mit durchschnittenem Halse aufgefunden, und die gerichtliche Untersuchung ergab, daß an dem armen Opfer ein Lustmord verübt worden war. Es wurde auch ein der That verdächtiger Mann verhaftet, der aber wieder freigelaffen werden mußte. Da hatte man also einen Mord, dessen Thäter noch nicht entdeckt ist und der daher die Gelegenheit bot, daraus einen Ritualmord zu machen. Das ist auch schon geschehen, aber auffallenderweise in keinem der einheimischen antisemitischen Blätter, sondern die Entdeckung wird aus benachbartem reichsdeutschen Gebiet importirt. Das in Traunstein in Bayern erscheinende Wochenblatt brachte vorgestern eine Correspondenz aus Salzburg, worin kurzweg erklärt wird, es könne keinem Zweifel unterliegen, daß man es bei dem Morde auf dem Salzburger Central-Friedhofe mit einem Ritualmorde zu thun habe. Nach Aussage des Arztes Dr. Brebiß sei die Todeswunde des armen Opfers ein ganz regulärer Schächterschnitt gewesen Wer dieser Dr. Brebiß ist, wird nicht gesagt, auch wird nicht beigefügt, welches Gutachten der obducirende Gerichtsarzt abgegeben. Dagegen wird noch beigefügt, zwei Personen wüßten sich bestimmt zu erinnern, „daß sie kurz vor der kritischen Zeit auf dem Friedhofe einem Juden mit einem Talmud begegnet sin)." Dieser Blödsinn müßte, wenn er nicht so widerwärtig wäre, Heiterkeit erregen. Man will glauben, daß der Jude, der den angeblichen Ritualmord im Leichenhause verübt haben soll, sich mit einem Talmud — mit einem Werke, das aus etwa 15 starken Bänden besteht — versehen habe. Aber für die antisemitische Heerde ist bekanntlich nichts dumm genug, um nicht geglaubt zu werden, und wenn das Schlagwort vom Ritualmorde einmal ausgegeben ist, findet es rasch seinen Widerhall von allen Seiten. Man muß sich auch die Quelle des neuesten Blutgerüchtes etwas genauer ansehen. Das „Traunsteiner Wochenblatt" ist nicht etwa ein privates, antisemitisches Winkelblättchen, sondern es bezeichnet sich selbst stolz als das „Amtsblatt für das k. Amtsgericht und den Stadlmagistrat Traunstein." Also das Amtsblatt eines königlichen, bayrischen Amtsgerichtes, das Organ einer reichsdeutschen Justizstelle, hält sich für berechtigt, solche aufreizenden Gerüchte in das benachbarte österreichische Gebiet zu importiren. Aber auch der übrige Inhalt des sauberen Blättchens läßt erkennen, daß es ganz von bayrisch-clerikalem Geiste erfüllt ist, und daraus erklärt sich auch die Salzburger Hetzcorrespondenz von selbst. Polna. (Zum Morde in Polna.) Vor einigen Tagen wurden von einer Commission, bestehend

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