Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1899)
- Date
- 1899-05-31
- Page
- Seite 821 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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821 O e st e r r.- Un g a r. Monarchie. Budapest. (Versammlung des Pester israelitischen Frauenvereins.) Unter überaus reger Theilnahme der Mitglieder wurde im Sitzungssaale der israelitischen Cultusgemeinde die Generalversammlung des Pester israelitischen Frauenvereins unter Vorsitz der Vicepräsidentin Frau Marie Herzl abgehalten. Hauptgegenstand der Versammlung war die Präsidentinwahl nach dem Tode der Frau Johanna v. B i s ch i tz. Das allgemeine Vertrauen für die Präsidentinstelle wendete sich der bisherigen verdienstvollen Vicepräsidentin Frau Marie Herzl zu, welche auch ohne Gegencandidation nahezu einstimmig mit der obersten Leitung des Vereins betraut wurde. Nicht so glatt verlies die Wahl einer Vicepräsidentin, um welche Ehrenstelle mehrere Damen bereits durch längere Zeit ambitionierten. Doch erhielt keine der Candidalinnen die absolute Stimulenmehrheit, und muß demgemäß eine Stichwahl zwischen Frau Friedrich v. Neu mann (die l37 Stimmen erhielt) und Frau Moriz Heidelberg (105 Stimmen stattfinden. Vor Eingehen in die Tagesordnung wurde des Ablebens der Königin gedacht, ferner des unermeßlichen Verlustes, welchen der Verein durch den Tod seiner größten Wohlthäterin, der Baronin Clara von Hirsch-Gereuth erlitten hat. Nach dem zur Verlesung gebrachten Jahresberichte wurden 34.46:; fl. als Unterstützungen vertheilt, 54 gänzlich verwaiste Kinder im Mädchenwaisenhause, 50 Kinder im Baronin Hirsch-Halbwaisenasyle erzogen, und betrugen die Ausgaben für beide Anstalten, sowie für 51 eitern erhaltene Waisenmädchen 35.428 fl. 14 kr. In der Volksküche wurden vom 1. April v. I. bis 1. April d. I. 174.047 Personen, darunter 21.243 vollkommen gratis gespeist! Die Gesammtausgaben des Vereins betragen 94.984 fl. 35 kr. Es wurden sodann jene zahlreichen Stiftungen, Legate und Spenden aufgezählt, welche im Vorjahre eingefloffen sind, besonders der von Frau Baronin Hirsch gestifteten 350.000 fl., deren Erträgnis für Zwecke des Halbwaisenhauses bestimmt ist, sowie der Spende von 115.000 fl. zum Baue eines Mädchen-Waisenhauses. Nach Wahl von Ehrenmitgliedern, darunter des Unterrichtsministers Dr. Wlassics, wurde die Wahl der Vereinsfunctionäre mit dem eingangs erwähnten Resultat vorgenommen. Budapest. Die Pesther Chewra-Kadlscha hielt unter dem Präsidium Moses Ehrlich'- und bei lebhafter Betheiligung seitens der Mitglieder ihre Generalversammlung ab. Aus dem vom Vereinsfckretär Dr. Franz Mezcy vorgelegten Jahresberichte gelangte auf Antrag eines Mitgliedes nur der Nachruf üver weiland Königin Elisabeth zur Verlesung. Die Bildung einer Stiftung von 25,900 Krone,: zum Andenken an die verstorbene Königin, welche Stiftung mit allerhöchster^Erlaubniß "den'Namen der Königin tragen wird, wurde genehmigt. Dem Vorstände wurde das Absolutorium ertheilt. Universitäts Docent Dr. Max Schächter gab seiner Anerkennung über das umfassende und humane Wirken der „Chenna-Kadischa" Ausdruck und wünschte, der Vorstand solle die Institution des Krankenpflegerinnenwesens regeln. Paul Tencer stellt den Antrag, diese Angelegenheit, welche die Vereins Leitung bereits wiederholt beschäftigt habe, der Spitalscommission zuzuweisen. Nach einigen Bemerkungen Ludwig Strauß'« wurde der Budgetvoranschlag für 1899, welcher die Ausgaben mit 205.789 fl., die Einnahmen aber mit 198 880 fl. beziffert, acceptirt. Aus dem vorgelegten Jahresberichte heben wir folgende Daten hervor: Das von einer unter der Leitung Baron Sigmund Schoßbergers stehenden Commission verwaltete Siechenhaus hat im Vorjahr 17.442 fl. beansprucht. Zur Erkaltung des israelitischen Spitaler hat der Verein 20 000 fl. beigetragen, außerdem ließ der Verein viele Kranke in ihren Wohnungen behandeln. An Unterstützungen wurden 80.028 fl. vertheilt. Im Vorjahre wurden 2529 Todte beerdigt; für die Beerdigung von mittellosen Verstorbenen wurden 29.100 fl. verausgabt. Zu Rechnungs-Revisoren für das Jabr 1899 wurden gewählt: Jakob Fürst, B. Herzmann, August Kohner, Paul Sandor, Armin Schwarz de Zimony, M. I. Weiß und Josef Wolfner. Italien. Rom, 29. Mai. Mehrere Zeitungen berichten : Ein siebenarmiger Leuchter des Tempels zu Jerusalem ist von den Leuten, welche mit den Fundamentirungsarbeiten der Cavour-Brücke über den T,ber beschäftigt sind, im Schlamm vergraben, in Rom gefunden worden. Der Leuchter, welcher noch sehr gut erhalten ist, besteht aus Bronze und entspricht in Form und Aussehen genau dem berühmten siebenarmigen Leuchter oer Juden, welchen seiner Zeit Titus nach der Zerstörung Jerusalems nach Rom gebracht hat. Em getreues Abbild dieses Leuchters befindet sich auf dem Triumphbogen des Titus in der Nähe des forum romanum. Wie nun aber dieser Leuchter auf den Grund oeS Tiber gerachen ist, bleibt vorläufig noch ein Räthsel. Rußland. Petersburg. Man hat oft bemerkt, daß wenn die Srrenge der Regierung hinsichtlich der Juden etwas nachzulaffen scheint, die Landbevölkerung, die man feindlicher Vorurlheile den Juden gegenüber verdächtigt, unmittelbar ihre Beziehungen zu den Juden wieder auszunehmen und zu vermehren sucht. So sieht man seit einiger Zeit gewiffe Gegner Maßregeln ergreifen, die darauf hinauslausen, den