Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1899)
- Date
- 1899-05-31
- Page
- Seite 820 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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820 derartige Asyle ins Leben zu rusen und die moderne Hygiene ersinnt tagtäglich neue Mittel und Wege, wie dieses tückische Gespenst gebannt werden kann. Die einzige wohl derartig existirende jüdische Anstalt dürfte die unserige sein, die seit ihrem Bestehen Tausenden Heilung und Rettung vor dem sicheren Untergang verschafft hat. Aber, so müffen wir unS fragen, hat denn unser Wirken auch bei unseren edeldenkenden und immer hilfsbereiten Glaubensgenossen die Anerkennung gefunden, die ihm gebührt? Leider können wir diese Frage nicht bejahen. Noch sind unsere Anstaltsräume äußerst primitiv, noch entsprechen unsere Einrichtungen durchaus nicht den heutigen Forderungen der Hygiene, die in der letzten Zeit so bedeutende Fortschritte gemacht hat. Ueberall regt sich der Gemeinsinn um das Loos dieser Unglücklichen zu verbessern. In unserer Vater stadt haben in jüngster Zeit festliche Veranstaltungen stattgefungen, deren Erträgnisse einer solchen Lungenheilanstalt zugewandt wurden, nur unserer im Stillen so überaus segensreich wirkenden Anstalt hat man bis heute nicht das Interesse entgegengebracht, das sie im hohen Maße beanspruchen darf. Immer und immer waren es dieselben hochherzigen Wohlthäter, die es uns ermöglichten, das zu leisten was wir bis jetzt geleistet haben, aber zur vollständigen Ausführung unserer Pläne, zu denen in allererster Reihe ein moderner Neubau gehört, haben wir bis heute noch keine Gönner finden können. Alljährlich wächst die Zahl der Hilsösuchenden, die von Mitteln entblößt, von den öffentlichen Krankenhäusern abgewiesen, bei uns Aufnahme erhoffen, nachdem sie den Winter ruhelos im Süden gewandert, aber auch leider von uns wegen Mangel an Raum abgewiesen werden müffen. So lange uns jedoch die Mittel so knapp zugemeffen sind, können wir an eine Erweiterung nicht denken, ja um den Kranken die nvthige Aufmerksamkeit zuwenden zu können, sehen wir uns in diesem Jahre genöth'gt, die Zahl der Aufzunehmenden (1898: 240 Patienten) zu beschränken. Wir hoffen zuversichtlich, daß das Vorstehende nicht ungehört verhallen wird und sollte es uns zur höchsten Freude gereichen, wenn edeldenkende Glaubensgenossen dadurch veranlaßt würden, uns größere Zuwendungen zur Erreichung unseres angeftrebten Zieles zugehen zu lassen, damit wir in der Lage wären, in unserenr nächsten Bericht erfreuliche Mittheilung über die fortschreitende Entwickelung unserer Anstalt veröffentlichen zu können. Die Einnahmen betrugen M. 53 452, die bis auf M. 13 127 verausgabt wurden. Schweiz. Baden Dem Jahresbericht des KiumHovmunoh- VereineS Baden 1898 (5658/5659) entnehmen wir: Der Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr erfüllt uns mit der Befriedigung, die jeder empfindet, der mit ganzem Ernste einem erhabenen Gedanken dient. Dieser Gedanke ist für unfern Verein eben das, was er vor 13 Jahren bei seiner Gründung mit seinem Namen ausgesprochen, ist die Weckung und Erhaltung der Treue für unseren jüdischen Lebensberuf, für die jüdische Aufgabe: Die Aussprüche der Thora zu lernen, lehren, hüten, erfüllen und aufrecht zu erhalten. Im Bewußtsein der Höhe dieses unseres Zieles können wir, wenn wir uns auch noch weit von seiner vollen Erreichung fern wissen, doch auf das verflossene Jahr mit Genugthuung zurückblicken und mit innigem Dank gegen Gott für das Erreichte uns von ihm neue Kräfte für das gedeihliche Fortarbeiten erbitten. Neben dem Vereinslehrer hatten wir auch dieses Jahr das Glück, unter der Leitung unseres verehrten Herrn Rabbiner Dr. Ehrmannn zu stehen und uns täglich seiner Lehrvorträge und überhaupt in jeder Beziehung seiner unschätzbaren Unterstützung und Förderung zu erfreuen. Unter diesen günstigen Umständen konnten wir der ersten Pflicht unseres Vereins, dem Lernen, gerecht werden, und unser Vereinslokal konnte mit Recht den Namen Bes-Hamidrasch führen. Von letzterem ging in erster Linie die Wirksamkeit des Vereins aus. In dem äußern Bestände des Vereins sind einige Aenderungen eingetreten, wie das durch den Umstand, daß seine Mitglieder meist junge Kaufleute sind, leicht erklärlich ist. Es schieden wegen Weggang von Baden drei Mitglieder aus, zwei aus andern Rücksichten, eines verloren wir durch den Tod; dagegen traten fünf neue ein, so daß die Aktivmitglieoerzahl jetzt 25 beträgt. Passivmitglieder haben wir 19. Versammlungen fanden acht statt, darunter anfangs Januar eine Generalversammlung. Vereinslehrer war bis Oktober Herr Dr. Rvsenblüth aus Ujehly, seit dessen Rücktritt bekleidet diese Stelle Herr Ad. Schwarz aus Brezowa. Der Kassabestand ist am Ende dieses Jahres Frcs. 427.12. Die großen Ausgaben des Vereins, wozu noch wiederholte Unterstützungen an Arme zu erwähnen sind, ermöglichten es uns nicht, einen größeren Fond anzulegen. Wir begreifen auch unsere Aufgabe nicht dahin Vielmehr suchen wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln immer die dringlichsten, zunächstliegenden Zwecke anzustreben, vom Vertrauen geleitet, daß dieses Streben vor Gott und Menschen Billigung finden wird, sowie in der Hoffnung, daß unsere Mitglieder weiter zum Gedeihen des Vereins ihr Möglichstes leisten, und daß die Gönner und Förderer desselben uns auch in Zukunft ihr Wohlwollen zuwenden werden.