Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1899)
- Date
- 1899-05-31
- Page
- Seite 816 (sequence 6)
- Language
- German
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816 in einer Ausschußsitzung ihrem frommen Seelenhirren ein Vertrauensvotum, und erklärte sich mit ihm solidarisch. Interessant ist die Aeußerung der Direktors des Pesther-Seminars, Herrn Dr. Bloch, der in einem Jnterwiev sagte, es thue ihm sehr leid, aber es ist keineswegs der Schule zuzuschreiben, da ein ne:c ann auch schlechte Schüler hatte, ja einer hätte sich sogar getauft. Wenn der Herr Direktor schon die Unverfrorenheit besitzt, seine Schule an die Seite des 1010 enn zu stellen, was doch eine Anmaßung ist, die ihresgleichen sucht, soll er doch bedenken, daß die Zahl der Schüler des tob nun Legionen sind, von welchen die Blüthe Israel entsprossen ist, und unter diesen Tausenden und Abertausenden hat der Herr Direktor glücklich einige herausgeftscht, die ihm als Entschuldigung dienen sollen. Hingegen, wenn er unter seinen Getreuen Umschau hält, wird er möglicherweise drei nennen können, die seiner Meinung nach verdienen, hervorgehoben zu werden — und als fromm betrachtet werden können, und selbst über diese Aurerwählte wäre auch noch ein Wort zu reden. Es sieht eben recht traurig in dieser vielgepriesenen Schule aus. Josef Hönig. England. Liverpool. (Ein hoher kirchlicher Würdenträger über die Juden). Bei der Generalversammlung der Zweigniederlassung der Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthumes unter den Juden hielt der Fürstbischof von Liverpool, Dr. Ryle, eine Ansprache, in der er der Zeit gedachte, wo er den Juden in London gepredigt habe. Ec sagte, welche Wohlthat es wäre, wenn man für das Volk Gottes mehr Interesse bekundete. Er wolle zu Gunsten der Juden sprechen. Alle Anwesenden seien den Juden sehr verpflichtet, denn jedes Buch in der Bibel sei von einer jüdischen Hand geschrieben. Er hoffe, man würde sich stets gegenwärtig halten, daß es die Juden seien, denen man das neue Testament schulde. Der Fürstbischof hob dann sein Interesse an Palästina hervor und bemerkte, daß gegenwärtig zahlreiche Leute die alten Städte des heiligen Landes besuchten. Palästina werde jetzt erschlossen, und er hoffe, daß je mehr davon bekannt würde, desto mehr seine Bevölkerung ftudirt und berücksichtigt werden würde. — Der Pfarrer von Spitalfields (im Osten Londons), Rev. Wilfred DavieS M. A. sagte, in seinem Sprengel gebe es 24,000 Seelen, von denen blos 10,000 Christen wären, die anderen dagegen Juden. Es gebe 100,000 Juden in England, wovon 70,000 in London seien. Er konstatirte, daß die Juden das moralischste Volk auf der Oberfläche der Erde seien, und im Ostende Londons übe den läuterndsten Einfluß der Jude aus. Er bedauere lebhaft, daß der Jude vielfach ein verachteter und zurückgestoßener Mensch sei. Er bitte die Versammlung im Namen Gottes, die Juden nicht zu verachten und dessen eingedenk zu sein, was sie waren und was sie seien. Was sei denn der Stifter der christlichen Religion gewesen? ein Jude! Vermischtes. Prerau Im hohen Alter von 98 Jahren ist hierselbst der ehemalige Bürgermeister der Iudengememde, Bahnarzt Dr. Markus Nokotnitz, gestorben. Mit ihm schied ein Original, er verkörperte in sich den TvpuS deö ehrlichen, derben Landarztes mit den ungeschminkten, geraden Manieren, mit weitgehender Humanität und besonders ausgeprägtem Wohlthätigkeitssinn. Er blieb Zeitlebens trotz seiner auSgebreitelen Praris in den bescheidensten Verhältnissen, blos weil er nie von irgend Jemand Zahlung verlangte, dessen Verhältnisse nicht die allerbesten waren. Der Kaiser ehrte den Verstorbenen für seine Verdienste im Jahre 1866 durch Verleihung des goldenen Verdieustkreuzes mit der Krone. Ein Sohn des Dr. Rokotnitz wirkt als der einzige jüdische Notar in Mähren. Feuilleton. „Wiebet eure Weinde." Eine apologetische Erzählung Von Arnold Mtnnn 16) Nachdruck verboten. Das alles tobte und rang in Wegner von dem Momente an, wo Biesfeld auf seine ahnungsvolle Frage: Wer? geantwortet hatte: Er, Feist! Da zerriß der Schleier vor seinen Augen und er wurde sehend, und als Biesfeld mit seinem vorsichtig prüfenden „Warum" schloß, siel Wegner außer sich ein: „Warum? Ich weiß es, warum! Weil er Sie bei mir gesehen! Aber nun will ich ihm ein Licht aufstecken, daß er noch mehr sehen soll! Solch ein —!" Er sprach das Schimpfwort nicht aus, das ihm auf der Zunge lag, denn Biesfeld blieb plötzlich stehen. Sie waren auf einer kleinen Anhöhe angelangt, zu der die Straße kurz vor Göllheim anfteigt, und von der aus man das Städtchen friedlich unten in einem schmalen Thalkessel liegen sah. Glühend brütete die Sonne auf den Dächern, aus deren Schornsteinen der bläuliche Rauch kerzengrade in die unbewegte Atmosphäre emporstieg. Auf den Aeckern ringsum banden fleißige Schnitter und Schnitterinnen die losen Halme zu dichten Garben; kein Laut regte sich weit und breit, keine Bewegung ringsum als die hantierenden Arme der Feldarbeiter. Selbst die