Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1899)
- Date
- 1899-05-31
- Page
- Seite 812 (sequence 2)
- Language
- German
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812 müffen, um ihr schmachvolles Gewerbe der Verhetzung und Vergiftung der Geister und Gemüther ausüben zu können. Genau dasselbe ist bei dem Juden der Fall, der das, was seinen christlichen Mitbürgern heilig ist, in den Koth zieht, um es dem Gelächter und Gespötte preiszugeben. Er begeht diese Schlechtigkeit nicht weil er Jude ist, sondern trotzdem er Jude ist. In den meisten Fällen ist er nicht einmal in Wirklichkeit Jude, wenn er dem Judenthum auch durch Geburt, Abstammung und die Form seiner Nase angehört. Er ist ein moderner Heide, eine Species, die leider heute unter Juden und Christen in bedauerlicher Weise reichlich vertreten ist. Wenn ein solcher sich über das Gebet moquirt, so hat er nicht nur ein katholisches, er hat ein jüdisches Heiligthum durch seinen Spott zu entweihen gesucht. Daß es einen Gott giebt, zu dem Menschen hoffend und bangend im Gebet den Blick erheben, diese troftvolle Wahrheit verdankt die Welt den Juden. Der erste Jude war der erste Beter. Das erste Gebet, das je ein Mensch zum Himmel sandte, rang sich aus dem Herzen Abrahams, des Stammvaters des jüdischen Volkes, zu Gott empor. Es galt dem Untergang verfallener, entarteter Städte und einem heidnischen König, der mit roher Hand in das Familienglück des Patriarchen eingegriffen hatte.' (I. B. M-, Cap. 18, V. 23. — Cap. 20, V. 17.) Der Jude, der das Gebet verlacht, sei es das eines Juden oder Christen, hat sein eigenstes Heiligthum entweiht; er begeht damit keine jüdische, sondern eine interconfessionelle Frechheit. Es ist nicht der jüdische, es ist der Fanatismus des Unglaubens, der Kreaturen dieses Gelichters die Feder führt. An diesen einfachen Wahrheiten, welche den wirklich Gebildeten unter Juden und Christen allezeit als Richtschnur ihres Denkens und Handelns dienten, sollten wir auch in dieser bewegten Zeit festhalten. Vor allen Dingen sollten ste denjenigen als unverletzlich gelten, welche durch ihr Wort die Erbitterung der Geister und Gemüther nicht steigern sondern mildern und beschwichtigen wollen. Was nun speciell den vorliegenden Fall betrifft, so ist der Verleger der „Berliner Volkszeitung," Herr Cohn allerdings ein Jude. Der Redakteur aber ist ein Protestant, der frühere Abgeordnete Vollrath. Wir bezweifeln, ob Herr Cohn bei dem besten Willen in der Lage war, einen Mann von der Selbstständigkeit und Unabhängigkeit Vollrath's zu beeinflussen, derartige berechtigtes Aergerniß erregende Auslaffungen zu unterdrücken. Wer mit uns weiß, wie die Animosität zwischen Katholiken und Protestanten oft vielfach stärker ist, als die -wischen Katholiken und Juden, wer einigermaßen die Gepflogenheiten der Preffe und das Verhältniß zwischen Verleger und Redakteur kennt, wird sich das bedauerliche Vorkommniß erklären können, ohne zur „jüdischen Frechheit" seine Zuflucht nehmen zu müffen. Nichtsdestoweniger benützen wir den Anlaß, um jüdische Verleger politischer Blätter recht inständig zu bitten aufmerksam darüber zu wachen, daß Taktlosigkeiten dieser Art sich nicht wiederholen. Gleichzeitig aber richten wir an die hier in Betracht kommenden christlichen Blätter die ebenso dringende Bitte die Verletzung ihrer religiösen Gefühle durch religions- und gewissenlose Soldschreiber, nicht auf's Conto der gesammten Judenheit setzen zu wollen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 28. Mai. Heute hatten wir die Ehre, den bekannten Schriftsteller Herrn Moses Chaim Triwachs aus Meseritz, ruff. Polen, bei uns zu sehen. Herr Triwachs, ein überaus kenntnißreicher und scharfsinniger Talmid Cyacham, hat neben seinen anderen geistreichen talmudischen Werken nunmehr ein großes Werk über die „Jttim" in Kohelet cw mob wi mhb raf) verfaßt, in welchem er bei jeder Sentenz geistesverwandte Stellen im Talmud citirt und hieraus den betreffenden Spruch zu erklären sucht. Von diesem schönen Sefer konnte bisher aus Mangel an Mitteln nur erst das erste Heft gedruckt werden; die anderen Hefte harren noch der Drucklegung. Herr Triwachs wendet sich nun durch ur.s an alle Freunde und Förderer der talmudischen Literatur mit der Bitte, ihn durch Geldbeiträge in seinem verdienstvollen Unternehmen unterstützen zu wollen. Wir sind gerne bereit, eventuell an uns gelangende Beträge in Empfang zu nehmen und an den genannten Herrn gegen Quittung abzuführen. Berlin, 26. Mai. Wir erhalten folgende Zuschrift: Daß es ein Unrecht ist, die hebräische Sprache zu erlernen oder Bestrebungen zu unterstützen, die das Studium der hebräischen Sprache fördern, diese Entdeckung haben wir dem Verfasser des VII. Berliner Briefes (Nr. 39 und 40 dieses Blattes) zu danken. Die Wahrnehmung, daß sich in Berlin eine Reihe jüngerer und auch älterer Personen gefunden hat, die es aufrichtig bedauert, nicht rechtzeitig in das Verständnis der heiligen Sprache eingeführt zu sein, oder noch keine ausreichende Kenntnis derselben zu besitzen, hat den Verfaffer jenes Aufsatzes in dem Maaße aufgeregt, daß er nicht mehr imstande scheint, die erforderliche Ruhe und Besonnenheit zu bewahren und sich zu