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Der Israelit · 1899-05-29 · Heft 42 (29.5.1899) · p. Seite 805

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 42 (29.5.1899)
Date
1899-05-29
Page
Seite 805 (sequence 11)
Language
German
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805 sich solchen nicht auf privatem Wege zu verschaffen suchten. Gailiugen, 25. Mai, Wir erhalten folgende „Berichtigung." Die Unterzeichnete BezirkSsnnagoge sieht sich veranlaßt, die in Nummer 36 deS „^Sraelit" erschienenen Artikel aus Karlsruhe dahin zu berichtigen, daß der Großh. Oberrath der Israeliten auf das Schächten für Schweizer Israeliten an der badischen^ Grenze und auf das von demselben mit einem badischen Schächter getroffene Abkommen keinerlei Einfluß genommen hat. Der Großh. Oberrath hat lediglich cine Eingabe des betr. Schächters der Bezirkssynagoge zur Aenßerung mitgetheilt, woraus diesseits die bereits erfolgte Erledigung der Angelegenheit angeregt wurde. Die Bezirkofynagoge: Bez.-Rabb. Tr. Spitz. Diese Berichtigung erscheint gleich geheimnißvoll für Kluge wie für Thoren? Ob die von uns berichteten Thatsachen, wonach Schweizer Israeliten durch badische Glaubensgenossen das Schächten an der badischen Grenze untersagt wurde, auf directe oder indirecte Veranlassung des Gr. Oberraths oder auch nur ohne daß dieser sie verhindert hat, geschehen sind, ist doch ziemlich gleichgültig, genug, sie sind geschehen und es erscheint uns schlimm genug, daß der Gr. Oberrath auf dieselben „keinen Einfluß genommen hat." Red. d. Jsr. O e st e r r.- U n g a r. Monarchie. Wien, 26. Mai. (Verein zur Abwehr des Antisemitismus.) Im Saale des Wrssenschaftlichen Clubs hielt gestern Abends der Verein zur Abwehr des Antisemitismus seine Jahresversammlung ab. Schon in einer früheren Versammlung hatte der Vereinspräsident Baron Suttner, der bekanntlich anläßlich der Friedenskonferenz im Haag weilt, den Rechenschaftsbericht erstattet und konstatirt, daß der Verein durch die tristen Verhältnisse in Wien in der Entfaltung seiner Propaganda wesentlich behindert werde. Der Verein mußte sich daher daraus beschränken, auf literarischem Gebiete eine rege Thätigkeit zu entfalten, und er könne nur die Hoffnung aussprechen, daß der Jndifferentismus der gebildeten Kreise bald weichen werde. In der gestern unter dem Vorsitze des Vice-Präsidenten Dr. Freiherrn v. Seiller abgehaltenen Versammlung kritisirte Gemeinderath Dr. Stern in scharfen Worten das Vorgehen der gegenwärtigen Machthaber in der Gemeindeverwaltung und verurtheilte die Vergewaltigungen, welche jüdische Lehrer und Beamte ertragen müssen, nur weil sie Juden sind. Wenn Jemand Arbeit oder eine Lieferung bei der Commune sucht, werde er um seine Confession befragt, und wenn er ein Jude ist, sage ihm sogleich der Magistratsrath: Da haben Sie gar keine Aussicht. (Hört! Hört!) Da sei wohl die Staatsbehördeverpflichtet, einzuschreiten. Der Redner erzählt einen Fall, wo einem jüdischen Hausirer der Hausirpaß so lange beim Magistrat zurückgehalten wurde, bis derselbe abgelaufen war und der Hausirer dann so behandelt wurde, als ob er ohne Paß hausiren gegangen wäre. Sodann wendet sich der Redner gegen die „Wiener Abendpost", welche anläßlich des Mordes in Polna gemeldet habe, „die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung haben keine Jndicien dafür geliefert, daß wirklich ein Ritualmord verübt wurde." Wenn das ein officiöses Blatt schreibe, dann dürfe man sich nicht wundern, daß es so dumme Menschen gibt, welche daran glauben und sich dadurch aufhetzen lassen. (Lebhafter Beifall.) Vorstandsmitglied Engel regt die Vereinigung aller liberalen Vereine an, um eine planmäßige, zielbewußte Action zu ermöglichen, und erklärt es für sehr wünschenSwerth, daß die von Dr. Joseph Ko pp verfaßte Schrift über das Märchen vom Ritualmord in einer Volksausgabe herausgegeben und verbreitet werde. (Beifall.) Der Redner erzählte, daß seit einigen Tagen in der Leopoldstadt Placate affichirt seien, welche im Hinblicke darauf, daß der Verwaltungs-Gerichtshof über die Beschwerde des „Lucian Brunner" entschieden habe, daß die Gemeinde Wien kein Geld kür religiöse Zwecke zu vergeben habe, zu Beiträgen auffordern, um das Fronleichnamsfest möglichst großartig zu gestalten. Solche Placate befinden sich auch am Gebäude des Bezirksgerichtes Leopoldstadt und des Polizei Commiffariats, in der offenbaren Absicht, einen offiziellen Schein damit zu verbinden. Auf Intervention des Redners habe der amtirende Polizeibeamte die Entfernung der Placate zugesagt, sie befinden sich aber heute noch dort. (Hört! Hört!)*) Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wurden zum Präsidenten Freiherr v. Suttner, zu Vice-Präsidenten Dr. Karl Ritter v. Kißling und Dr. Joseph Freiherr v. Seiller, zum Cassier August B e i l i n g, zu Schriftführern Balduin Groller und F. R. Engel, zu Vorstandsmitgliedern Franz Frauenberger, Dr. Ferdinand Kronawetter, Karl Salava, Dr. F. M. Seher iny und Karl Wrabetz wieder-, Robert Risset, Direktor des Lehrlingsheims, neugewählt. Frankreich. Paris, 26. Mai. Es ist wunderbar anzusehen, wie vernünftig die Deputirtenkammer in diesen Tagen wird. Der Generalgouverneur von Algier, Herr Laferriöce griff gestern mit grausamen Humor die algerischen Deputirten und ihre wilde AgltationSart an; er zählte mit guter Laune alle wüsten Schimpfworte auf, die diese Deputirten in Zeitungsartikeln und Versammlungen ihm gewidmet hatten. Das ganze Haus amüsirte sich dabei sehr vergnügt und selbst das antisemitische Häuflein, das sonst durch furchtbares Geschrei die Kammer zu tyranntsiren sucht, lachte gezwungen mit. Und heute griff Herr Drumont *) Was geht das den Verein an? Red. d. JSr.

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