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Der Israelit · 1899-05-29 · Heft 42 (29.5.1899) · p. Seite 804

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 42 (29.5.1899)
Date
1899-05-29
Page
Seite 804 (sequence 10)
Language
German
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804 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M, 25. Mai. Einer unserer edelsten und besten Männer ist heute unter ungewöhnlich großer Theilnahme zu Grabe getragen worden. Nach dem Rathschluß des Höchsten, wurde am frühen Morgen des Dienstag, 23. d. M., Herr Moses Moses mitten aus rastloser Thätigkeit heraus nach kurzer Krankheit im kräftigsten Mannesalter seiner Familie, unserer Religionsgesellschaft, ganz Israel genommen. Der Dahingeschiedene hatte sich jedes Wort des Nachrufs auf dem Friedhofe verbeten. Wer jedoch der Unterhaltung der verschiedenen Gruppen des Trauergefolges lauschte, der vernahm so viel Worte aufrichtiger Trauer, der hörte so viel begeistertes Lob, daß er die Trauerredner nur wenig vermißte. Der Eine wußte davon zu erzählen, wie Herr Moses ungeachtet seiner angestrengten geschäftlichen Thätigkeit mini? ctj? vap war und nicht allein zahlreiche öffentliche Thoravorträge besuchte, sondern auch regelmäßig bei hervorragenden — viele Jahre bei dem unvergeßlichen Rabbiner Fromm frsr — in einem Privatschiur mit großem Eifer lernte. Der Bericht eines Anderen meldete, wie er gar viele Bachurim aufs Reichlichste unterstützt und gefördert hat, so daß eine große Anzahl junger Leute, die heute auf dem ronn bv «er sitzen, in ihm ihren Wohlthäter verehren. In weiteren Gruppen wurde von der Freude und Begeisterung gesprochen, mit welcher er Sabbat und Jomtof feierte, von der emsigen Sorgfalt, die er der Erziehung seiner Kinder zu wahren Jehudim widmete, von der Treue und Opfersreudigkeit, welche er stets unserer Religionsgesellschaft bewies. Auch viele Akte hochherzigen Woblthuns wurden da aufgezählt, von welchen selbst die Nächsten bisher nichts gewußt hatten. Gar Vieles könnten wir noch zu Ehren des Verblichenen hinzufügen, doch wir ehren seinen bescheidenen, anspruchslosen Sinn, wenn wir unseren Worten eine Grenze setzen. Nur Eins sei noch erwähnt. Wie aufrichtig seine Liebe zu nen-pn war, zeigte er auch dadurch, daß er den rühmlichst bekannten Ansbacher Rabbiner, Herrn Dr. S. Kohn für seine älteste Tochter zum Gatten wählte. Der Allgütige möge die allverehrie greise Mutter w, sowie die ganze so schwer geprüfte Familie mit ton»’ bi trösten. .ras:n. München, im Sivan. Am 22. d. M. feierte Herr Geheimer Commerzienrath Max von Wilmersdörffer, königlich sächsischer Generalkonsul mit seiner Gemahlin in seltener Rüstigkeit und Geistesfrische das Fest der goldenen Hochzeit. Um allen Ovationen auszuweichen, begab sich das Jubelpaar mit sämmtlichen Angehörigen nach Baden-Baden, um dort im engsten Familienkreise die Feier zu begehen. Obgleich der Tag der Feier geflissentlich geheim gehalten wurde, so wurde das so ängstlich gehütete Geheimniß dennoch verrathen, und die vielen hiesigen Freunde und Verehrer des Jubelpaares ließen es sich nicht nehmen, telegraphisch und schriftlich ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Ungleich so vielen Anderen, die, wenn sie irgendwie in sozialer Beziehung eine höhere Stufe einnehmen, dem praktischen Judenthum und den religiösen Gesetzen den Rücken kehren, steht Herr von Wilmersdörffer fest und treu auf dem Boden des Judenthums und seine Beziehungen zu den hohen und höchsten Kreisen haben seiner Ueberzeugungstreue und seiner religiösen Gewissenhaftigkeit keinen Eintrag gethan. Sein Haus und seine Lebensführung sind streng jüdisch geblieben, auch nachdem ihm durch die Gnade des Prinzregenten und des Königs von Sachsen mehrfache hohe Auszeichnungen zu Theil wurden. Es ist aber auch hervorzuheben, daß Herr von W. seine Ueberzeugungstreue aus einer in Laienkreisen nicht gewöhnlichen Kenntniß des jüdischen Schriftthums schöpft, daß er mit unseren Religionsschriften genau vertraut ist und speziell die hebräische Sprache gut beherrscht. Es versteht sich von selbst, daß Herr von Wilmersdörffer seinen großen Einfluß bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zum Wohle seiner Glaubensgenoffen bethätigt und im Geheimen viel Gutes wirkt, wenn er sich auch meistens den Augen der Oeffentlichkeit entzieht. Ihr Correspondent erachtet es daher als eine Pflicht der Dankbarkeit, einem solchen Manne, von dem man mit Recht ssagen kann: aarr,’ roto: wb, wenn er sich auch in seiner Bescheidenheit allen Ovationen entzieht, hier in diesen Blättern den Glückwunsch auszusprechen, daß es ihm und seiner würdigen Gattin noch Jahre und Jahrzehnte lang vergönnt sei, in vollster Rüstigkeit und Geistesfrische durchs Leben zu gehen und eines gottgesegneten Alters sich zu erfreuen, daß er zu Jenen zähle, von denen die heilige Schrift sagt: ctjbh nn-s^n pyr -ny iro B’jam. n. Aschaffenburg, 25. Mai. Dem Gesuche des Herrn Distriktsrabbiner Dr. G. Wachenheimer dahier beim Kgl. Staatsministerium entsprechend, wurde am hiesigen Gymnasium der israelitische Religionsunterricht eingeführt und die Ertheilung desselben Herrn Rabbiner Dr. Wachenheimer übertragen. Man begrüßt dies um so freudiger, weil trotz Beschwerden die israelitischen Schüler des Gymnasiums seither ohne Religionsunterricht blieben, wenn sie

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