Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 42 (29.5.1899)
- Date
- 1899-05-29
- Page
- Seite 800 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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.»Tv-.-*—' •ü'yT*?' v:- 800 deutenden Vaters, der auch sein Lehrer gewesen. ES gelang ihm, sich ein für einen Kaufmann erstaunliches talmudisches Wissen anzueignen, das er auch für andere fruchtbringend zu verwerlhen trachtete. Gleich hervorragend war der Verstorbene als Mensch von tiefer, wahrer Frömmigkeit, dabei frei von Fanatismus und Unduldsamkeit, liebenswürdig, wahrhaft schlicht in seinem Wesen. Mit regem Jntereffe gehörte er jahrelang dem Gemeinde-Vorstände und der Repräsentanz an. Auch war er durch das Wohlwollen der Stadtvertretung zum Magiftratsmitgliede und Kreistagsdeputierter gewählt worden. Nur wegen Kränklichkeit zog er sich von allen Ehrenämtern zurück. Kein Wunder, daß das am vergangenen Mittwoch stattgehabte Leichenbegängnis sich zu einer Trauerkundgebung von ergreifender Gewalt gestaltete. Die sämmtlichen Vertreter aller Institute der Gemeinde, Freunde von auswärts, auch Andersgläubige umstanden die Bahre und lauschten in tiefster Ergriffenheit den warmempfundenen und in aller Hörer Herzen ein mächtiges Echo weckenden Worte des Nachrufes, welche Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. Lewin dem Leben und Leiden des edlen Verblichenen widmete. Das Bild des Dahingeschiedenen wird in gesegnetem Gedenken fortleben, über das Grab hinaus in allen Denen, die das Glück hatten, ihn zu kennen. O esterr.-Un gar. Monarchie. Wie«. (KaiserlicherRath I. Deutsch.) Am vorletzten Montag ist der emeritirte Direktor des israelitischen Taubstummen-Jnstituts, kais. Rath Joel Deutsch, Abends in seiner Wohnung, Landstraße, Jacquingaffe Nr. 1, gestorben. Mit ihm schied einer der verdienstvollsten Pädagogen auf dem Gebiete des Taubstummenunterrichtes aus dem Leben. Ec wurde am 20. Marz 1813 in Nikolsburg als der Sohn des späteren RabbinatSverweserS von Brünn geboren. Im Jahre 18 44 schon, als das von Kolischer in Nikolsburg gegründ te Taubstu.nmen-Jnftitut eröffnet wurde, übernahm er die Leitung deffelben und erzielte an dieser Anstalt die überraschenden Erfolge. Er war der erste, der mit dem alten System des Taubstummenunterrichtes, der Zeichensprache, brach und die Kinder sprechen lehrte. In dem Taubstummen- Jnstitut in Wien, das er durch volle 40 Jahre leitete, schuf er eine Musteranstalt und war während dieser Zeit seines Wirkens in allen sein Gebiet tangirenden Fragen autoritativ. Zahlreiche Lehrer, die unter Deutsch in Wien gewirkt haben, erhielten nach Budapest, London und New-Aork Berufungen. Seine Lehrmethode fand überall Anerkennung und Nachahmung. Die Verdienste des ausgezeichneten Mannes fanden allgemeine Anerkennung und der Kaiser fand zweimal Anlaß, ihn auszuzeichnen. Zuerst wurde ihm das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen und später erhielt er den Titel eines kaiserlichen Rathes.^ Deutsch verfaßte auch eine Reihe pädagogischer Schriften für den Unterricht von Taubstummen und reformirte durch dieselben alle derartigen bestehenden Lehranstalten. Sein pädagogisches Talent zeigte sich noch im Vorjahre, als sein Nachfolger, Dr. Brunner, nicht in der Lage war, eine wichtige Feier für eine verstorbene Wohlthäterin des Instituts selbst abzuhalten. Bereitwilligst übernahm der schon seit einiger Zeit im Ruhestand lebende Direktor Deutsch die Leitung des Festes und erregte sowohl durch die Art seines Vortrages, als auch durch die Gewandtheit, mit welcher er sich mit den einzelnen Zöglingen unterhielt, allgemeine Bewunderung. Besonderes Wohlwollen brachte ec den Lehrern entgegen, ebenso wie er seine Schüler mit bewundernswerther Theilnahme und Menschenfreundlichkeit behandelte. Er interessirte sich lebhaft auch für deren Schicksale, nachdem dieselben schon lange die Anstalt verlaffen hatten und blieb mit vielen von ihnen in persönlichem Verkehr. Mit welch' kindlicher Liebe seine ehemaligen Schüler an ihm hingen, zeigte sich wiederholt bei Familienfesten, an denen Alle kamen, um dem alten Manne ihre Anhänglichkeit und ihre Dankbarkeit zu beweisen. Personalien. ReiArnannSdorf bei Bamberg.*) Mit dem Psalmisten sprechen wir klagend: „Ein Frommer hat vollendet; es schwin den die Getreuen ans den Reihen der Menschenkinder." Wiederum ist ein biederer Kämpe der alten Garde, ein Mann von echtem Schrot und Korn, wie solche in unserer Tagen immer seltener werden, heimgegangen zu seinen Bätern. Herr Salomon W o r t S m a n n n"y wurde am Freitag, den 13. Nissan, nach kurzem Krankenlager und 37jährigen Erdenwallen unter zahlreicher Bctheiligung zur letzten Ruhe bestattet. Nahezu ein halbes Jahrhundert bekleidete der Entschlafene in hies. Gemeinde das Amt eines Kultusvorstehers mit gewissenhafter Treue und Pünktlichkeit. Mit zielbewußter, energischer Hand leitete er die Gemeindeinstitutioneil im Geiste unserer heil. Thora, stets unermüdlich für Hebung und Förderung religiösen Lebens aneifernd und durch sein frommes Beispiel hiezu begeisternd. In hingebender Verehrung folgte darum Zung und Alt den Worten und Rath schlügen dieses von den edelsten Motiven beseelten fteubewährten Führers. Schmerzbewegt rufen wir: müj/ n7E)J utPto, die Krone, der Schmuck unserer Gemeinde ist mit dem Hintritte des Verblichenen uns entrissen worden. Aber auch in nichtjüd. Kreisen genoß der Heimgegangene allgemeine Beliebtheit und Hobes Ansehen, was sich nament lich dadurch dokumeutirte, daß die Srtsgemeinde ihn lange Jahre mit dem Ehrenamte eines Beigeordneten betraute. Er widmete sich mit wahrhaft väterlicher Fürsorge der reit giösen Erziehung und Ausbildung einer zahlreichen Enkel schaar, die in inniger Dankbarkeit und rührender Anhänglichkeit den Lebensabend des heißgeliebten Großvaters zu verschönen suchte. Fm Hinblick auf den Verlust des treff lichen ’-wt und allgemein verehrten Eharakters, schließen wir mit den Worten: rront70 N7) patn 7p 7an. rV'asjn. *) Durch ein unliebsames Versehen verspätet. Red.