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Der Israelit · 1899-05-29 · Heft 42 (29.5.1899) · p. Seite 798

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 42 (29.5.1899)
Date
1899-05-29
Page
Seite 798 (sequence 4)
Language
German
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798 welche von Literatur-Vereinen auSgeht, führte Herr SlSberg noch an, er habe jüngst einem dieser Vorträge angewohnt, in diesem wuror von dem Propheten G ch e m u e l alr dem „Hohenpriester" gesprochen. Auch Herr Lehrer Samuel mit Aahaus empfiehlt sehr, dafür Sorge zu tragen, daß sich die Zuhörer an den Ehevroth durch„Mitlernen" betheiligen. Noch manches dem Judenthum und der Sache des Vereins Förderliches kam zur Sprache und wirkte auf die Anwesenden im höchsten Grade anregend und belehrend. Alsdann erstattete der Rendant des Vereins Herr Di*, med. Rubens aus Gelsenkirchen Bericht über den Stand der Kaffe, der als ein sehr erfreulicher bezeichnet werden kann. Seit dem vorigen Jahre haben sich die Verhältniffe immer günstiger gestaltet. Während früher zwei Drittel der Beiträge von auswärts und ein Drittel aus Westfalen geflossen, ist heute gerade das entgegengesetzte der Fall, indem Westfalen zwei Drittel zusteuert. Mit Dank für seine Mühewaltung wurde dem Rendanter Decharge ertheilt. Und nun folgte der Glanzpunkt des Ganzen, der nach Form wie Inhalt hervorragend, die Gemüther aller Anwesenden begeisternde, rhetorisch ausgezeichnet schöne Vortrag des Herrn Dr. Lange, dessen Inhalt wir in Folgendem kurz angeben: Wenn jemand, so ungefähr Hub der Redner an, vor ein große- Werk gestellt wird, so sieht er sich nach Mustern und Vorbildern um. weil sie ihm zeigen, wie die Aufgabe zu lösen ist. Da hätten ihm nun in Bezug auf das ihm übertragene Amt Blilder aus längst entschwundenen Zeiten vorgeschwebt, die rfrnan HDJD ’tPJN nämlich. Trübe Seiten waren einst über Israel hereingebrochen, die babylonischen Horden hatten die Blüthe der Nation fortgeschleppt u. von dem Geiste, der einst im Volke geherrscht batte, war nichts mehr zu bemerken. Selbst als sich das Wort der Propheten erfüllte und man zurückkehrte in das Land der Väter, war es dennoch nicht wie früher. Unwissenheit war herrschend geworden und der gröbsten Verletzungen des Gesetzes machte sich da- Volk schuldig. Da war es Esrah und jene großen Männer, die es sich zur Aufgabe gemacht mDj?n Tinn? njtPi’? den alten Geist wieder heimisch zu machen. Es war kein kleines Werk, vor das die Männer der großen Synode gestellt worden waren. Nicht -um mindesten war es daher den von ihnen aufgestellten Prinzipien zu verdanken, daß sie Erfolg hatten. Der erste dieser Grundsätze lautete: prn D’JinD nn „Seid vorsichtig im Urtheilsvruch!" Wie der Richter in alles eindringen muß, ehe er ein Urtheil fallt, so hat auch derjenige, welcher vor eine solche Ausgabe gestellt wird, zuerst sich ein Urtheil zu verschaffen über die Quellen des Verfalles, der seine Wirksamkeit erfordert- Denn wie gar leicht kann eine falsche Beurtheilung von Menschen und Dingen großes Unheil anrichten. Der fernere Grundsatz heißt: nznn onwn H’Dym „und stellet viele Schüller auf". Da dürfte nicht der Ansicht des Rabbi Gamliel nach verfahren werden, der da sagte: TD?n mion cva? o»’ naa «m pw» (Ein Schüler, dessen Inneres mit dem Aeußeren nicht übereinstimmt, solle nicht in da- LehrhauS eintreten) sondern eS galt allgemein die Kenntniß zu verbreiten. Denn die Unwissenheit ist die größte Feindin der Thora und Unwissenheit herrschte zur Zeit jener großen Männer. Aber noch schlimmer ist das Halbwissen, denn der Unwissende ist noch zu belehren, der Halbwisser aber bringt Gefahren» er maßt sich ein Urtheil an und legt dadurch, daß er nach seiner Meinung Unwesentliches beseitigt, Hand an's Heiligste. Darum heißt der dritte Grundsatz: mm? J*D wy (Machet einen Zaun um das Gesetz). Sorget dafür, daß die Lehre nicht angetastet werde, daß selbst der Halbwisser nicht im stände ist, diesen Zaun zu durchbrechen. Wenn nun auch das Werk der Männer der großen Synode weit über unserem erhaben ist, so kann man dennoch keinen andern Weg betreten, als jene Meister ihn uns vorgezeichnet haben. Und wenn im vorigen Jahre gesagt worden ist, daß wir uns zusammenschließen sollen, so kann man sich dennoch der Wirksamkeit nach außen nicht verschließen. Man habe, so ungefähr drückte sich der Redner aus, gesucht, wo die Ursachen des Verfalles zu finden sind, um die wirksamen Mittel dagegen zu finden. Um der Unwissenheit entgegenzutreten, ist nichts unversucht gelassen, und alle Bestrebungen gingen dahin, der Jugend guten Unterricht zu ertheilen. In dieser Beziehung bemühte man sich zu erreichen, was erzielt werden konnte. Aber auch durch Unterricht an Erwachsene hat man versucht, dem argen Feind zu wehren. Wenn uns nun gesagt worden, wir sollten nicht zu scharf Vorgehen, sondern mit Kleinem zufrieden sein, so haben unsere großen Vorbilder anders gedacht, sie glaubten einen Zaun machen zu müssen. Wir könnten ihnen auf diesem Wege leider nicht folgen, denn wir ständen ihnen wie Zwerge den Niesen gegenüber. Dennoch müssen wir uns hüten, um schöne Erfolge erreichen zu wollen, auch nur einen Stein zu eutfernen aus dem Fundamente, auf das wir bauen wollen, sonst gäbe es keine Berechtigung für unsere Wirksamkeit. Dies sei der Weg, der eingeschlagen ist, und der in Zukunft eingeschlagen werden soll. Und so hoffe er, erklärte der Redner, auch im Kleinen das zu erreichen, was jene Männer im Großen erreicht haben. Darum sollten wir muthig weiter schreiten, und alles würde sich aus das Beste erfüllen. Mit einem pinnj) p*n beschloß der Redner seine lichtvollen Ausführungen. von denen wir nur den Gedankengang wiedergegeben haben, die aber durch die herrliche, blühende Sprache und überzeugende Vortragsweise in die Herzen Aller drang und die Anwesenden mächtig begeisterte. Ter Vorsitzende gab diesen erhabenen Gefühlen, durch schöne dankenswerte Worte beredten Ausdruck. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenheiten besprochen, an deren Discussion die Herren Dr. Rubens, L. Meyer—Gelsenkirchen, Samuel Kahn—Cöln, Fleichhacker—Dortmund und andere Herren sich betheiligten, schloß Herr Elsberg die Sitzung, indem er zugleich sein Bedauern darüber ausdrückte, daß der verdienstvolle Vorsitzende, Herr L e v e r t o f f aus Höxter auch diesmal durch Unwohlsein am Erscheinen verhindert gewesen sei; zugleich aber gibt Herr Elsberg der von der ganzen Versammlung getheilten und lebhaft gehegten Hoffnung Raum, daß jener Herr bald wieder, im Vollbesitz seiner Kraft, für den Verein thätig sein möge. So verlief die Versammlung in schönster Weise, die Anwesenden aber schieden mit den besten Eindrücken und mit der frohen Hoffnung, daß die heiligen Angelegenheiten, die der Verein zu fördern sich zur

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