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Der Israelit · 1899-05-29 · Heft 42 (29.5.1899) · p. Seite 797

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 42 (29.5.1899)
Date
1899-05-29
Page
Seite 797 (sequence 3)
Language
German
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797 stens ein Mal im Jahre gehalten. Er sei bestrebt gewesen, durch diese Vorträge zu zeigen, wie man aus dem Pentateuchs herauslesen muß, ohne etwas hineinzulegen. Dann habe er religiöse Zeitfragen berührt. Ferner war es dem Herrn Redner darum zu Ihun, klar zu legen, was von jenen in die Welt geschleuderten, unser Heiligstes antastenden Schlagworten, vermöge deren man tendenziös entstellt und die Unwissenden bethört, zu halten ist. An einem der betr. Orte hat der Herr Lange das Thema „Opferwesen" behandelt. — Ueberall habe er Verstänvniß gesunden und gesunden Sinn, der für religiöse Belehrung und für das Judenthum empfänglich ist. Schließlich berührt der Herr Referent die Angelegenheit des Hotels, welches in dem viel freguentirten Dortmund zu gründen beabsichtigt wird, und durch comfortable Einrichtung den jüdischen Reisenden rituelle Kost und angenehmen Aufenthalt bieten soll. Diese Sache ist bereits gut in die Wege geleitet, es sind tüchtige Subventionen für Anstellung eines Schochet vorhanden, und es steht zu hoffen, daß in der allernächsten Zeit auch der Plan auf das Beste realisirt werden wird. Für diese seitens der Anwesenden mit großer Begeisterung aufgenommenen Ausführungen des geehrten Herrn Rabbiners spricht ihm der 2. Vorsitzende, Herr E l s b e r g Namens aller Zuhörer seinen innigsten Dank aus, der aber, wie er bemerkt, sich dadurch am besten bethätige, daß man den Herrn Dr. Lange allerseits in seinen Vorsätzen zu unterstützensich bemühen möge. Im Anschluß an die vom Herrn Rabbiner in Betreff des Thora-Unterrichts angeführten Beispiele von Erklärungen des Pentateuchs erfreut auch Herr Eisberg die Anwesenden mit.tiji nan und legt ebenfalls dar, wie durch Eindringen in den Urtext der erhabene Geist des Göttlichen in Gottes Wort sich offenbart. So führt der Herr Redner u. A. zu Psalm 9t aus, in welcher Beziehung der erste Vers rerr rrap: bx *n mopj bx (Gott der Vergeltung erscheine) zu den folgenden stehe, und wie er aufzufaffen sei. Der königliche Sänger beklagt nämlich, daß, wie der Inhalt des Folgenden besagt, das Unrecht auf der Welt noch herrsche, unter dem, wie es weiter durch die Worte im' ausgedrückt ist (sie bringen Wittwe und F.emdling um), die Armen und Schwachen, die Bedrückten und Verlaffenen zu leiden haben. Der Sinn des Ganzen ist demnach: da, wo Menschenhand aufhöre und die Hilfe des Sterblichen versage, möge Gotte eintreten und die unschuldig Unterdrückten beschützen. Auch diesen Worten, die, wie die vom Herrn Rabbiner gegebenen Erläuterungen, darthun sollten, wie der Urtext der Thora einzig und allein den erhabenen Sinn wiedergibt und die reinste Liebe und Milde athmet, schenkte man die gespannteste Aufmerksamkeit und mit Freuden leisteten die Anwesenden der seitens des Herrn Elsberg an sie ergangenen Aufforderung, dem Heron Rabbiner durch Erheben von den Sitzen den Dank zu erkennen zu geben, Folge. Herr Fleischhacker aus Dortmund erhielt hierauf das Wort. Er sei zwar noch jungeö Mitglied, sagte er, aber, wenn er sich auch formell früher nicht angeschloffen habe, so sei er doch stets den Bestrebungen und Zielen des Vereins mit dem größten Jntereffe gefolgt. In schönen, glänzenden Worten knüpfte er seine Ausführungen an die Agadah-Stelle, die da besagt: „Als Schelomoh das Heiligthum errichtete, da pflanzte er alle Arten goldener Bäume hinein, die da Früchte trugen zu ihrer Zeit, aber als der Wind darin wehete, fielen sie ab, und als das Fremde eintrat, da verdorrten sie". Wohl sei das Fremde, der Strom der Zeit, zu sehr in die Gotteshäuser eingedrungen, aber noch seien die Bäume nicht verdorrt, der Sinn und der Geist sei noch da, es gälte nur das Jntereffe für das Judenthum zu wecken und zu begeistern. Namentlich könne und müffe hier die Presse wirken, deren Aufgabe es sei, sich Bahn zu brechen in die Familien. Sie müsse durch geeignete Aufsätze das Selbstbewußtfein im Judenthum anzufachen und zu heben suchen. Es muß gezeigt werden, wie das Judenthum trotz seines Alters nichts an Kraft verloren habe, wie alle Philosophie noch zum Judenthum zurückgekehrt sei, daß dieses aber auch die größte und reinste Liebe gegen Menschen, Thiere, ja selbst gegen Pflanzen lehre. Wenn erst der Geist der Worte xv: piuni rx „die Bundeslade trug ihre Träger" zur That werde, wenn wir alle die Religion wieder in uns tragen, dann würden wir auch zu den Zielen kommen, welche von uns erstrebt würden. Den schönen, von uns nur inhaltlich skizzirten Worten lauschte die Versammlung mit Freuden und gab dem Redner ihren Beifall zu erkennen. Im Laufe der Diskussionen kam auch die Rede auf die Literatur-Vereine, die, wie Herr Dr. Lange an conkreten Beispielen darlegte, nur schädlich wirken Statt daß die in diesen Vereinen gehaltenen Vorträge belehren, verursachten sie, die meist auf Effecthascherei berechnet sind, oder die sonderbarsten Ansichten zu Ta^e förderten, das Gegentheil. Der Herr Rabbiner wies hingegen auf den großen Werth der Chevroth hin. Man solle aber nicht auf Vorträge eines Einzelnen, dafür Bestimmten sich beschränken, sondern dahin wirken, daß die Leute zum Studium religiöser Werke angehalten würden. Es fänden sich ja allenthalben gebildete junge Leute, die imstande wären, über das von ihnen Durchgenommene Bericht zu erstatten. Als drastischen Beleg für die Art der Belehrung,

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