Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 42 (29.5.1899)
- Date
- 1899-05-29
- Page
- Seite 796 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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796 Einsicht gelangt, daß gerade auf die Erlernung des Urtextes das Hauptgewicht zu legen, und zwar der gesetzliche Theil des Pentateuchs ins Auge zu fassen sei. Wenn auf dem bisher betretenen Wege weiter fortgeschritten würde, so dürften wir die begründete Hoffnung hegen, daß die Unwiffenheit schwinde und die Jugend jede Stelle der Thora zu erklären lerne. Man solle ja nicht glauben, betont der Redner, daß dies durch den deutschen Text erreicht werden könne. Betrachtet man beispielsweise den so vielfach von Unwiffenden und Gegnern unserer heiligen Lehre angeführten Satz (2. B. M., Kap. 21, V. 24) „Auge um Auge, Zahn um Zahn" u. s. w. Wenn Kinder diesen in der deutschen Bibel lesen, so wird über den wahren Sinn desselben hinweggegangen. Wird aber der hebräische Text durchgenommen, dann erfährt jedes Kind, daß es nur der Werth des Auges oder des Zahnes sein kann, der dem Beschädigten zu ersetzen ist. Es ist dieses Gesetz mithin (gerade das Gegentheil von dem, was man ihm zu unterschieben sich bemüht hat) ein viel milderes, als das der Heutzeit, denn heute wird Derjenige, der sich solcher That schuldig macht, mit Gefängniß bestraft. — Oder betrachtet man den Satz des Dekalogs rrc:K pp TpB (II. B. M., Cap. 20, V. 4), der übersetzt wird: „Er ahndet die Sünde der Väter an den Kindern" u. s. w., aber näher betrachtet, athmet auch dieser Vers die höchste Liebe, denn er will besagen, daß der Allgütige Nachsicht übt mit den Kindern und Nachkommen derjenigen, die gesündigt haben, und in seiner großen Weisheit und Milde den Umstand in Betracht zieht, daß sie in ihrem Elternhause keine Gelegenheit hatten, Gutes vor sich zu sehen. Alles dies wird das Kind beim Durchnehmen des Urtextes erfahren, und somit ist dieser in den Vordergrund des Religionsunterrichtes zu rücken. Da dies aber in den betreffenden Gemeinden geschieht, so dürfte mit der Zeit dasselbst kein Am hoorez mehr gefunden werden. Wer aber mit den Kindern den Pentateuch durchnimmt, der wird auch dafür Sorge tragen, daß sie sich Kenntniß der Gebete zu eigen machen, und wird ihm der Lehrstoff auch dann nicht trocken erscheinen. Als zweites gilt es daher, unsere Jugend dahin zu bringen, daß sie unser Gebetbuch wieder kennen und in richtiger Weise wieder beten lernt, damit sie sich von dem hehren ethischen Werthe unserer Gebete zu überzeugen vermag. Was nun drittens die „Religionslehre" anbetrifft, so hat der Herr Redner, wie er sagt, die Freude gehabt, zu ersehen, daß mit Ausnahme eines einzigen Ortes, die Kinder allenthalben auf die Pflege des Glaubens aufmerksam gemacht, über die Bedeutung der Gesetze und Vorschriften belehrt wurden. Nur an jenem einen Orte wurden die Kinder mit der Lehre von „Gott und seinen Eigenschaften" gequält; mit einem Thema, welches Erwachsene nicht begreifen können, sollte man füglich die Kleinen nicht belästigen. Der Herr Rabbiner sprach die Hoffnung aus, daß seine Erfahrungen, die er während seiner 13jährigen Lehrtätigkeit gemacht habe, und das innige Zusammenarbeiten mit den Lehrern ihn das erreichen lasten würde, was er erstrebe. Schon würde an vielen Orten, wo die Kinder früher wenig oder keinen Religions-Unterricht genossen haben, solcher jetzt ertheilt. Nur noch vier Orte sind es, einer davon ist sehr abgelegen, wo es an genügendem Unterricht fehlt, aber es sei die feste Hoffnung vorhanden, daß auch hier Abhilfe geschaffen und durch Geneigtheit der Königlichen Regierung, die Sache zu fördern, günstige Zustände eintreten würden. In Bezug auf die zweite, wichtige religiöse Institution, die Schechita theilt der Herr Redner mit, daß diese in allen seiner Aufsicht unterstehenden, sowie in den neuhinzugetretenen Gemeinden gut geregelt ist. Aber auch die erfreuliche Thatsache ist zu konstatiren, daß selbst den Bestrebungen des Vereins fern stehende Orte der bisherigen Mißwirtschaft auf dem Gebiete der Schechita ein Ende zu bereiten suchen. Es gäbe allerdings Rabbiner genug, die für diesen wichtigen Gegenstand kein Verständniß haben und mit dem Ertheilen der Kabboloh leichtfertig handeln. Aber selbst aus einem diesen Verhältnissen entsprechend geleiteten Orte ist dem Herrn Referenten ein Schochet zur Prüfung geschickt worden, dem er mit gutem Gewissen Kabboloh ertheilen konnte, und dieses sei als ein erfreuliches Sypmtom zu begrüßen. Uebrigens hätten die Reichstagsverhandlungen ja auch zur Genüge dargethan, daß es keine humanitärere Art und Weise des Schlachtens gibt, als sie uns zur Vorschrift gemacht ist. Mit der Zeit aber würde man auch einsehen, daß, wie dies in den meisten Gemeinden bereits geregelt ist, bestimmte Schochatim fest anzustellen seien. Diese aber müßten, darauf sei das ganze Augenmerk zu richten, in vollem Maße religiöses Gefühl besitzen. Der Herr Rabbiner hebt ausdrücklich hervor, daß er es sich werde angelegen fein lasten, in jeder Beziehung für diese hochwichtige Sache der Schechita einzutreten. Die dritte Institution, die seitens der Gemeinden zu hüten ist, die der Mikwoaus, ist ebenfalls in den dem Herrn Dr. Lange unterstehenden Orten in bester Ordnung. Was endlich die Mazzoth-Bäckereien betrifft, so macht der Herr Redner ausdrücklich darauf aufmerksam, daß in seinem Bezirke nur eine einzige Bäckerei speziell unter seiner Aufsicht steht, und daß in dieser die Anordnungen auf das Beste getroffen sind. Predigten und Vorträge hat der Herr Rabbiner in den meisten Gemeinden seines Sprengelminde-